Börsendebüt
Hapag Lloyd atmet auf

Es wurde ein kleinerer Börsengang als geplant, dennoch zeigt sich die Reederei Hapag Lloyd zufrieden. Der Preis der Anteilsscheine hielt sich beim Börsendebüt leicht über dem Ausgabepreise von 20 Euro.

FrankfurtAufatmen bei Hapag-Lloyd : Die weltweit viertgrößte Container-Reederei hat trotz mächtigen Gegenwinds an der Börse Anker geworfen. Die Aktie hielt sich zum Börsendebüt am Freitag knapp über dem Ausgabepreis von 20 Euro. Am Mittag lag der Kurs bei 20,08 Euro, nachdem die Papiere zu 20,05 Euro gestartet waren. „Es war ein harter Kampf”, sagte Vorstandschef Rolf Habben Jansen. „Die Eigentümer sind zusammengerückt, um die Emission möglich zu machen.”

Der Reisekonzern Tui und der Unternehmer Klaus-Michael Kühne hatten Hapag-Lloyd zugestanden, die ohnehin niedrig angesetzte Preisspanne zu senken, obwohl das für sie höhere Buchverluste bedeutete. Kühne und der chilenische Hapag-Lloyd-Partner CSAV kauften allein ein Fünftel der neuen Aktien.

Habben Jansen hatte eine 200 Pfund schwere Schiffsglocke aus Bronze mit aufs Börsenparkett gebracht, die einen für die Ohren der Händler ungewohnt blechernen Ton von sich gab. Der Niederländer hatte den Börsengang unbedingt durchdrücken wollen, nachdem zwei Anläufe 2004 und 2011 gescheitert waren. Ein neuer Versuch wäre Bankern zufolge erst in drei Jahren realistisch gewesen, weil sich über der vom Welthandel abhängigen Container-Schifffahrt dunkle Wolken zusammenbrauen.

Beim Weltmarktführer A.P. Moeller-Maersk aus Dänemark, der mit einer Gewinnwarnung den Börsengang von Hapag-Lloyd fast torpediert hätte, ist der Gewinn im dritten Quartal um fast die Hälfte auf 778 Millionen Dollar eingebrochen, wie Maersk am Freitag einräumte. In der Schiffssparte ging er sogar um 61 Prozent zurück. Hapag-Lloyd ist allerdings weit weniger von den besonders umkämpften Strecken nach Asien abhängig, auf denen die Frachtraten zuletzt stark gesunken sind.

Hapag-Lloyd will mit dem Erlös aus dem Börsengang sechs neue Schiffe kaufen sowie den Bestand eigener Container aufstocken. Dafür wollte der Konzern eigentlich 500 Millionen Dollar (rund 440 Millionen Euro) an der Börse einsammeln, am Ende wurden es 200 Millionen Dollar weniger. „Der Plan war, mindestens 300 Millionen einzunehmen. Das reicht, um unsere Pläne zu realisieren”, sagte Habben Jansen.

Nach dem Börsengang sind 18 Prozent an Hapag-Lloyd breit gestreut. Fünf Prozent entfallen allerdings auf Investoren wie die Bank M.M. Warburg und den Versicherer Signal Iduna, die bereits bisher engagiert waren und ihre Anteile zunächst nicht verkaufen wollen. Als einziger unter den Altaktionären hatte TUI beim Börsengang Anteile für knapp 40 Millionen Euro platziert. Hapag-Lloyd kommt zum Ausgabepreis auf einen Börsenwert von 2,4 Milliarden Euro. Das ist weniger als die Hälfte dessen, was die Banker dem Unternehmen anfangs in Aussicht gestellt hatten. Mehr als die Hälfte der Emission ging an deutsche Aktionäre, wie ein beteiligter Banker sagte - ein ungewöhnlich hoher Wert für einen Börsengang. Zuletzt wurden an inländische Käufer meist weniger als ein Fünftel der Aktien zugeteilt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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