Börsendebüt
Milliarden für VTB-Bank

Russlands zweitgrößte Bank, die staatliche Vneshtorgbank (VTB), will bei ihrem Börsengang in London und Moskau sieben Mrd. Dollar Kapital einspielen. Analysten sind überzeugt, dass die Aktien bei Investoren reißenden Absatz finden. Das Preisziel halten sie jedoch für ambitioniert.

BERLIN. Die VTB gab gestern die Preisspanne für den in diesem Jahr bislang größten Börsengang eines russischen Unternehmens bekannt. Demnach sollen Investoren je Anteilsschein zwischen 11,3 und 13,9 Kopeken zahlen, umgerechnet 0,44 bis 0,54 Cent. Damit wäre die Staatsbank 22,8 bis 28,1 Mrd. Dollar wert.

Die russische Regierung wird zunächst auf jeden Fall drei Viertel der VTB-Anteile halten. In London können die Global Deposit Receipts (GDR), die 2 000 russische VTB-Anteile repräsentieren, in einer Preisspanne zwischen 8,77 und 10,79 Dollar je GDR gezeichnet werden. Mit dem frischen Geld will die VTB ihr Retail-Banking-Geschäft in Russland sowie seine internationale Investmentsparte stärken.

Analysten hegten keinen Zweifel daran, dass der von der Deutschen Bank, Goldman Sachs, Citigroup und der Moskauer Renaissance Capital organisierte VTB-Vorstoß auf das Parkett erfolgreich wird. Allerdings sei das Preisziel ambitioniert. Wirtschaftsminister German Gref hatte kürzlich noch Gesamteinnahmen von 4,6 Mrd. Dollar für 22 Prozent der VTB angepeilt. Denis Muchin, Analyst von Brokerkreditservice in Moskau, empfiehlt VTB-Aktien nur langfristig orientierten Anlegern und nennt einen „fairen Preis am Jahresende von zwölf Kopeken“.

Derweil rührt Russlands Präsident Wladimir Putin die Werbetrommel für die VTB: In einer landesweit ausgestrahlten Rede riet er seinen Landsleuten kürzlich zur Zeichnung. Allerdings rechnen Analysten mit einer Überzeichnung vor allem wegen internationaler Fonds. Viele westliche Rivalen versuchen derzeit massiv, durch Käufe in Russland auf den boomenden Markt zwischen Petersburg und Pazifik zu kommen. Zudem war die bisher einzige Großbank, von der Aktien gehandelt wurden, die Sberbank. Diese ist ein wichtiger Treiber der Moskauer Märkte.

Der russische RTS-Börsenindex hat sich vom 16. November 2005 bis zum 13. April 2007 von 989,72 auf 2001,59 Punkte mehr als verdoppelt. Dazu trugen nach Berechnungen der Deutschen UFG in Moskau die Sberbank-Aktien allein 303 Punkte bei. Im Februar hatte die Bank, das von der Zentralbank kontrollierte größte Geldhaus des Landes, an den internationalen Kapitalmärkten 8,8 Mrd. Dollar bei einer Kapitalerhöhung um 13 Prozent eingesammelt. Banken-Titel seien schlicht ’in’: „Internationale Investoren haben ein großes Interesse an der ersten, in London gelisteten russischen Bank“, meint Andrew Keeley vom Moskauer Brokerhaus Troika Dialog.

Allerdings lohnt sich vor dem Zeichnen der VTB-Papiere die genaue Analyse: Zwar hat die VTB im vorigen Jahr ihren Gewinn auf 1,2 Mrd. Dollar verdoppeln können, und die Aktiva der Gruppe waren um 43 Prozent auf 52,4 Mrd. Dollar gestiegen. Doch bei der Rentabilität liege sie mit 14 Prozent ebenso hinter der Sberbank mit 25 Prozent zurück wie beim Retail-Banking, meint Rustam Botaschow von Aton Brokerage. VTB ist die einstige Außenhandelsbank der Sowjetunion, die Töchter in Frankfurt, London und Paris hat sowie einen fünfprozentigen Anteil am europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS.

Russlands Bankenmarkt gilt als attraktiv, weil vor allem das Geschäft mit Konsumentenkrediten, Hypothekendarlehen und Bankeinlagen dort so rasant wächst wie in kaum einem anderen Land der Region. Allerdings warnt Hans-Jörg Rudloff von Barclays Capital: „Russlands exzessiver Finanzboom wird schmerzhaft in nächster Zeit enden. Der Boom ist nicht von Dauer, es wird Rückschläge geben und keine weiche Landung nach solch exzessiven Anstiegen.“

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