Börsendebüt nach Technikausfall Healthineers steigen am ersten Handelstag auf über 30 Euro

Der Healthineers-Börsengang ist geglückt, der Kurs liegt deutlich über dem Ausgabepreis. Zunächst hatte ein Ausfall des Börsenhandelssystems für Aufregung gesorgt.
Update: 16.03.2018 - 15:05 Uhr Kommentieren

„Healthineers hat jetzt die Freiheit, um Zukunftsmedizin gestalten zu können“

„Healthineers hat jetzt die Freiheit, um Zukunftsmedizin gestalten zu können“

Frankfurt/DüsseldorfDas Börsendebut ist geglückt. Um kurz nach 10 Uhr steht der erste Kurs der Siemens-Tochter Healthineers fest: Bei 29,10 Euro werden die Papiere des Medizintechnik-Unternehmens auf dem Frankfurter Parkett gehandelt, bei einem Ausgabepreis von 28 Euro. Die Beobachter an der Börse atmen auf – schließlich war der IPO alles andere als reibungslos angelaufen.

Und bis zum Nachmittag stieg der Kurs über 30 Euro. Zuletzt notiert die neue Aktie bei 30,27 Euro - ein Plus von 3,5 Prozent gegenüber dem ersten Kurs.

Die Sektkorken knallten bereits um 9.35 Uhr – zu früh, denn den ersten Kurs gab es da noch nicht. Technische Probleme beim Handelssystem Xetra hatten das Börsendebüt verzögert; viele konnten es offenbar nicht mehr abwarten.

Rund um den verantwortlichen Börsenmakler ragt auf dem Parkett unter vielen Siemensmitarbeitern, Bankern und Journalisten Bernhard Montag heraus, der Chef von Healthineers, der wie die anderen auf den ersten Kurs wartet. Als der Chef der Deutschen Börse, Theodor Weimer, sich der Kurstafel zuwendet und schließlich die 29,10 Euro erscheinen, brandet Applaus auf, läutet die Börsenglocke. Siemens Healthineers erhält das Börsenkürzel SHL.

Bei einem Ausgabepreis von 28 Euro kann der Börsengang als geglückt bezeichnet werden. Die erste Quotierung hatte noch zwischen 27 und 32 Euro gelegen, wie der Makler Baader festgestellt hat. Erste Schätzungen auf dem Parkett hatten einen Kurs von 30 Euro vorausgesagt. Das freitägliche Börsenumfeld ist nach Behebung der Xetra-Panne gut, der deutsche Leitindex Dax notiert um 9:50 Uhr gut 54 Punkte oder 0,44 Prozent im Plus.

Zuvor hatte der Ausfall des Xetra-Handelssystems der Deutschen Börse in Frankfurt für Wirbel gesorgt. Die Börse hatte den Ausfall zunächst auf ihrem Xetra-Newsboard veröffentlicht. Erst nach 9:30 Uhr konnte die zehnminütige Auktion der Healthineers-Papiere beginnen. Nach 9.40 Uhr war dann wieder ein regulärer Handel möglich. Infolge des technischen Ausfalls verzögerte sich auch der traditionelle Fototermin des Healthineers-Management an der Bulle-und-Bär-Skulptur vor der Frankfurter Börse. Geplant war er ursprünglich für 9:15 Uhr.

Ausgerechnet zum „Tag der Aktie“ mussten sich Börsenanleger somit gedulden. Auf dem Parkett kursierten Gerüchte, dass Hacker den Absturz bewirkt hätten. Die Deutsche Börse widersprach, es seien weder Hacker am Werk gewesen, noch sei die Cybersicherheit in Gefahr. Eine Aufarbeitung des Vorfalls werde zwei, drei Tage dauern.

„Die Anbindung der Marktteilnehmer an das Handelssystem war nicht stabil. Dadurch war ein gleichberechtigter Zugang der Marktteilnehmer nicht möglich“, erklärte ein Sprecher der Deutschen Börse gegenüber dem Handelsblatt. Zum genauen Hintergrund der technischen Störung wollte er keine Angaben machen.

„So etwas darf nicht passieren, das ist peinlich für den neuen Börsenchef Theodor Weimer“, kommentierte ein Investmentbanker in Frankfurt die Situation. Der Ausfall schlug auch international Wellen, der Wirtschaftsnachrichtensender CNBC machte ihn am Freitagmorgen zum Top-Thema.

Ungeachtet der Panne verzeichnete der Healthineers-Börsengang ein reges Interesse von Privatanlegern. Diese zeichneten rund zehn Prozent der Aktien. Beim IPO der Siemens-Medizintechnik-Tochter wurden 150 Millionen Aktien zu je 28 Euro zugeteilt. Die Preisspanne reichte von 26 bis 31 Euro und war damit unerwartet niedrig angesetzt worden. Das hing auch mit dem unsicheren Börsenumfeld nach der Ankündigung von Strafzöllen durch US-Präsident Donald Trump und dem unklaren Wahlergebnis in Italien zusammen. Kurzzeitig hatten diese beiden Faktoren für Kursturbulenzen an den Märkten gesorgt.

„28 Euro erscheinen uns als faire Bewertung. Deshalb haben wir an der Emission teilgenommen. Wir sehen das als langfristiges Investment und sind nicht auf kurzfristige Gewinne aus“, sagt Portfoliomanager Sébastien Buch von der Fondsgesellschaft Union Investment.

Siemens-Chef Joe Kaeser hatte auf einen Börsenwert von bis zu 35 Milliarden Euro für die Erlanger Tochter gehofft, Anleger sehen sie offenbar nur bei 28 Milliarden Euro. Siemens kann damit mit einem Emissionserlös von 4,2 Milliarden Euro kalkulieren. Mit Healthineers erlebt Frankfurt den größten Börsengang in jüngerer Zeit seit der Abspaltung Innogys von RWE vor eineinhalb Jahren.

Siemens gibt 15 Prozent an seiner Tochter ab. Der Erlös ist dabei aber zweitrangig: Primär geht es Siemens darum, dass Healthineers das Wachstum künftig selbst finanzieren und so eine aktive Rolle in der weltweiten Konsolidierung der Branche spielen kann. Dazu sollen die eigenen Aktien als Akquisitionswährung zum Kauf von Unternehmen eingesetzt werden. Außerdem kann der Münchener Konzern jetzt auf steigende Kurse und damit auf eine Wachstumsstory bei der Bewertung setzen.

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