Börsenexperten sehen kaum Gefahren für die derzeitige positive Stimmung
Dax-Ausblick: Daumen hoch

Die Kauflaune der Anleger dürfte sich mangels größerer Belastungsfaktoren auch in der kommenden Woche fortsetzen. Von Konjunktur- und von Unternehmensseite kommen positive Signale, ebenso aus der Charttechnik.

HB FRANKFURT. "Das Konjunkturszenario geht in Richtung einer Belebung in Deutschland und der Eurozone, der Ölpreis ist als Negativfaktor etwas in den Hintergrund getreten und der Euro ist derzeit auch keine Belastung. Es wird also in der kommenden Woche wohl weiter nach oben gehen", prognostiziert Günter Senftleben, Aktienstratege bei der Bankgesellschaft Berlin.

Auch Markus Reinwand, Marktstratege bei der Helaba, rechnet zunächst mit einer Fortsetzung der Aufwärtsbewegung des Dax. "Die Tendenz nach oben kann sich noch halten. Auch technisch sieht es nicht schlecht aus", sagt er.

Nach Ansicht vieler Analysten ist zudem die Bewertung der Aktienmärkte überwiegend günstig geblieben. Hinzu komme, dass institutionelle Anleger, Versicherer und Pensionsfonds immer noch schwach in Aktien investiert seien. Nach der Wahl in Dresden erwarten Beobachter auch Fortschritte bei der Regierungsbildung.

In dieser Woche ist der Deutsche Aktienindex (Dax) erneut über die Marke bei 5000 Punkten geklettert und hat mehr als drei Prozent zugelegt. Am Montag wird in Deutschland trotz des Tages der Deutschen Einheit an der Börse gehandelt.

Weitere Kursgewinne wahrscheinlich

Auch technisch orientierte Markteilnehmer halten weitere Kursgewinne in den kommenden Tagen für wahrscheinlich. Bei den wichtigen europäischen Indizes seien die Aufwärtstrends mit dem Erreichen neuer zyklischer Hochs intakt, sagt Hans- Peter Reichhuber von der Bayerischen Landesbank. Das Indikatorenbild sei neutral. "Wir haben also weder Rücken- noch Gegenwind von dieser Seite", fügt der technische Analyst hinzu.

Die Charttechnik sieht laut Reichhuber "eindeutig positiv" aus. So habe sich der Dax über der 5000-Punkte Marke etabliert, und im Euro-Stoxx-50 seien die Widerstände bei 3371/79 Punkten herausgenommen worden. Der Dax habe nun eine Trendgerade erreicht, die aus den Hochs von August, Mitte September und Donnerstag herrühre und bei aktuell 5066 Punkten verlaufe.

Wenig Warnsignale

Darüber liege der nächste Widerstand beim 50-Prozent-Retracement aus dem Kursrückgang von 2000 bis 2003 bei 5162 Punkten. Die Marke von 5100 sei von rein psychologischer Bedeutung und nicht allzu ernst zu nehmen. Insgesamt befinde sich der Dax derzeit im Zentrum der Widerstandszone von 4750 bis 5450 Punkten. Diese Spanne resultiere aus der Seitwärtsbewegung von Ende 2001 bis Frühjahr 2002. Bei einer Übertragung der Zone auf den Euro-Stoxx-50 sei festzustellen, dass dieser gerade erst die untere Kante erreicht hat. Der FTSE habe diesen Bereich bereits überschritten.

Volker Bien von der HypoVereinsbank sieht als zentrale Anlaufstelle für den Euro-Stoxx-50 die Marke bei 3720 Punkten, nachdem die mittelfristige Signalzone bei 3360/80 herausgenommen worden sei. Aus kurzfristiger Sicht lasse sich die Situation zwar als überkauft beschreiben, die Warnsignale für eine akut deutliche Rückschlagsgefahr seien allerdings noch nicht gegeben, so Bien.

Ifo als Vorbote für weitere positive Konjunkturdaten

Die deutsche Politik und die Aussichten auf eine Große Koalition zwischen CDU/CSU und SPD spielten an der Börse inzwischen wieder eine eher untergeordnete Rolle, heißt es am Markt. "Die Wahl ist in den Hintergrund getreten. Die ausländischen Investoren haben sich nicht zurückgezogen, und diese Gefahr dürfte auch nicht mehr bestehen", sagt Senftleben. Sein Kollege Reinwand verweist darauf, dass die Börse die Aussicht auf eine Große Koalition gelassen aufgenommen habe.

"Der gute Ifo-Geschäftsklimaindex in dieser Woche dürfte ein Vorbote für weitere positive Konjunkturdaten aus der Euro-Zone gewesen sein", sagt Senftleben. Der Markt werde daher in der kommenden Woche verstärkt auf Einkaufsmanagerindizes für Deutschland (Montag und Donnerstag) blicken.

Zarte Wachstumspflanzen gedeihen

"Die starke Verbesserung der Lagebeurteilung signalisiert zusammen mit dem im Mai begonnenen Auftragsschub in der deutschen Industrie, dass die Wachstumsbelebung keinesfalls nur Hoffnung, sondern bereits Realität geworden ist", heißt es von der Bankgesellschaft Berlin (BGB).

Auch Hans-Jörg Naumer, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Fondsgesellschaft Dit, geht von einer Aufhellung des Konjunkturbildes in Deutschland aus. "Es geht langsam voran", urteilt er. Allerdings sieht er angesichts der jüngsten Kursgewinne die Gefahr von Verlusten im Dax.

US-Daten stützen positives Bild

Unerwartet gute US-Konjunkturdaten stützten die insgesamt gute Stimmung. Sie bestätigten das Szenario einer robusten US-Wirtschaft bei gleichzeitiger Wachstumsbeschleunigung in der Eurozone. Analysten zufolge weisen zum Beispiel die hohen Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter in den USA in Richtung Konjunkturhoch.

"Konjunkturell gesehen bestehen also gute Voraussetzungen für weiter steigende Erträge", heißt es weiter. Hinzu kämen positive Ertragseinflüsse, die vom abgeschwächten Euro und den Kostensenkungsmaßnahmen der Unternehmen ausgingen. Die Analysten der BGB sehen daher gute Chancen, dass die im Oktober beginnende Berichtssaison wie bereits im ersten Halbjahr günstig verlaufen wird.

EZB-Ratssitzung bestimmt den Terminkalender

Im Fokus der Anleger dürfte in der kommenden Woche die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag stehen. Von einer Änderung des Leitzinses gehen Börsianer nicht aus. "Interessant wird vor allem, ob und wie die EZB auf das Thema Inflation eingehen werden", sagt Naumer.

Auf dem Terminkalender stehen außerdem am Montag der japanische Tankan-Bericht für das dritte Quartal und der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe in der Eurozone. In den USA werden die Kfz- Absatzzahlen für September und der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe veröffentlicht. An der Deutschen Börse wird trotz des "Tags der deutschen Einheit" gehandelt.

Am Dienstag stehen die europäischen Erzeugerpreise und die US-Auftragseingänge (jeweils für August) auf der Agenda. Zudem veröffentlicht der britische Ölkonzern BP einen Zwischenbericht zum dritten Quartal. Am Mittwoch wird aus den USA ein weiterer ISM-Einkaufsmanagerindex erwartet.

Unternehmenssaison beginnt

Am Donnerstag stellt BASF seine neue Europa-Strategie der Öffentlichkeit vor. Aus den USA kommt am Freitag der Arbeitsmarktbericht für September. Börsianer warnen allerdings davor, die Daten überzubewerten, da es auf Grund der Wirbelstürme Verzerrungen geben könne.

An diesem Tag beginnt außerdem mit der Veröffentlichung der Alcoa-Ergebnisse die neue Saison der Quartalsberichte. Analysten gehen davon aus, dass sich der Trend mehrheitlich guter Unternehmensdaten fortsetzen wird. Die Ergebnissteigerungsraten dürften sich jedoch weiter verringern.

Weitere Börsengänge

Nachdem in dieser Woche mit Interhyp und Ersol bereits zwei Unternehmen an die Börse gegangen sind, stehen auch in den kommenden Tage weitere Erstnotizen an. Am Mittwoch will der Solarzellenhersteller und potenzielle Anwärter für den Technologieindex TecDax Q-Cells den Gang an die Börse wagen. Einen Tag später plant HCI seine Erstnotiz. Der Fondsanbieter gilt als Kandidat für den Nebenwerteindex MDax. "Die IPO-Flaute scheint wirklich vorüber zu sein", kommentiert Aktienstratege Senftleben.

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