Börsengänge
Deutschland fällt weiter zurück

Mit der Absage des Börsengangs von Hochtief Concessions muss der deutsche Markt eine weitere Schlappe verkraften. Schon seit langem hat sich hierzulande kein größeres Unternehmen mehr an die Börse gewagt. Ganz anders sieht es in den Schwellenländern aus: ein Börsengang jagt den anderen. In China steht heute schon wieder eine milliardenschwere Emission an.
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HB FRANKFURT/ESSEN. Der Markt für Börsengänge in Deutschland kommt nicht auf die Beine. Mit der kurzfristigen Absage des Börsengangs der Hochtief-Tochter Concessions gab es nach einer Reihe von Rückschlägen in den vergangenen zwei Jahren erneut eine Schlappe.

Der Baukonzern Hochtief hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, dass der angepeilte Erlös nicht drin war und die für Freitag vorgesehen Erstnotiz abgeblasen wird. Das Unternehmen begründete seinen Schritt mit den "jüngsten Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten" infolge der Dubai-Krise. Dadurch habe sich das Umfeld entscheidend verschlechtert.

Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter betonte, dass eine Veräußerung unter Wert für das Management nie in Frage gekommen sei: "Unser Anspruch war stets, in keinem Fall unter unseren Wertvorstellungen zu verkaufen. Das haben wir immer gesagt, und wir stehen weiterhin unter keinerlei Druck." Er betonte, dass der Wert des Beteiligungsportfolios der Tochter trotz der Absage bestätigt worden sei.

Aus Bankenkreisen ist eine andere Erklärung für den Abbruch zu hören: "Der IPO ist letztlich an zu hohen Preisvorstellungen von Hochtief gescheitert." Die Preisspanne sei mit 24 bis 29 Euro zu hoch angesetzt gewesen. Warnende Stimmen des Marktes habe Hochtief ignoriert und auf seinem alten Preis beharrt. Doch die untere Preishürde sei zu ambitioniert gewesen und die Essener hätten sich dagegen entschieden, die "Tür nach unten zu öffnen", wie es in den Kreisen hieß. "Hochtief wollte mit dem Kopf durch die Wand und das ist schief gegangen." Die Kapitalmarktexperten zeigten sich einig: "Zwischen 21 und 25 Euro wäre der Deal locker durchgegangen". Hochtief habe verkannt, dass der Markt derzeit nicht in der Verfassung sei, in der "alles geht".

Erschwert habe zudem der sehr individuelle Charakter des Concessions-Geschäfts, heißt es aus den Kreisen. Hochtief hat in der Tochter seit Anfang 2008 das Flughafengeschäft und die sogenannten PPP-Geschäfte (Public Private Partnership) gebündelt, bei denen das Unternehmen für die öffentliche Hand Projekte wie Schulen und Tunnel baut und betreibt. Das Geschäft sei schwer zu verstehen und bei Projekten, wie etwa dem Budapester Flughafen, sei der künftig zu erwartende Cash-Flow unsicher, hieß es aus den Kreisen als Erklärung. Ursprünglich wollte der Baukonzern bei dem IPO bis zu einer Milliarde Euro erlösen.

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