Börsengänge
Die Welle der Neuemissionen rollt

Die Kursturbulenzen der vergangenen Wochen an den Aktienmärkten haben dem Interesse an Börsenneulingen nicht geschadet. Weil die ersten Emissionen des Jahres allesamt platziert werden konnten, rechnen Experten auch in den kommenden Wochen noch mit weiteren Börsengängen.

FRANKFURT. Jüngstes Beispiel ist die Emission des Autozulieferers Twintec. Die Papiere starteten am Donnerstag mit einem Kurs von 14,10 Euro an der Börse. Damit lagen die Titel zu Beginn ihres ersten Handelstags knapp 30 Prozent über dem Ausgabepreis von elf Euro. Die Twintec-Anteilsscheine waren in einer Spanne von zehn bis elf Euro angeboten worden. Das Emissionsvolumen des Börsengangs belief sich auf 25 Millionen Euro.

Für den Immobilien-Sektor, aus dem die überwiegende Zahl der neuen Kandidaten kommt, macht gerade das Debüt des Berliner Büroimmobilien-Spezialisten Polis am Mittwoch Hoffnung. Schließlich kamen zuletzt vermehrt Stimmen auf, die von einem übertriebenen Run der Branche auf die Börse und der oft fehlenden Kapitalmarktreife der Unternehmen sprachen. Die insgesamt 5,1 Mill. Polis-Aktien wurden zu 14,50 Euro und damit im unteren Drittel der von 13,75 bis 16,75 Euro reichenden Preisspanne platziert, stiegen im Handelsverlauf jedoch bis auf 14,90 Euro. Insgesamt war die Emission, die damit 74,5 Mill. Euro einspielte, solide 2,8-mal überzeichnet. „Ein solches Ergebnis gibt denen, die im Anschluss folgen, Hoffnung“, hieß es von Bankenseite.

Mit 136 Mill. Euro will schließlich die ebenfalls in Berlin ansässige Immobilienfirma Estavis fast doppelt so viel Geld einsammeln. Die hatte ihren Börsengang im Herbst vergangenen Jahres abgesagt, weshalb sie bei Investoren nun unter besonderer Beobachtung steht. Damals konnte sie ihre Preisvorstellungen nicht durchsetzen, dennoch fällt jetzt der Börsengang deutlich höher aus als damals. Vor einigen Monaten sollten 2,3 Mill. Aktien ausgegeben werden, nun fast 3,3 Millionen. Vorstandschef Rainer Schorr begründet das höhere Volumen unter anderem damit, dass damals die Übernahme der beiden Immobiliengesellschaften HII und CWI Real Estate noch nicht in trockenen Tüchern war. Das Börsendebüt ist für den 2. April geplant.

Die erste ganz große Bewährungsprobe für den Kapitalmarkt dürfte direkt im Anschluss am 3. April folgen, wenn der Hamburger Büroimmobilienspezialist Alstria die Erstnotiz im Prime Standard plant. Rund 400 Mill. Euro will das Unternehmen nach Informationen aus Bankenkreisen einsammeln. Konsortialführer für die Emission ist JP Morgan, die Zeichnungsfrist soll vom 28. März bis zum 3. April laufen. 16 der insgesamt 25,4 Mill. Aktien sollen aus einer Kapitalerhöhung stammen. Der Rest kommt von Altaktionären. Knapp zwei Drittel des Emissionserlöses fließen damit direkt dem Unternehmen zu. Mitte kommender Woche soll es nach Informationen aus Finanzkreisen genaue Details zu den Preisvorstellungen geben.

Neben dem Immobiliensektor planen in Kürze auch einige Gesellschaften aus Branchen, die bisher nicht an der Börse vertreten sind, ihr Debüt, wenn auch mit deutlich kleineren Volumina. Schon am kommenden Dienstag will die Leipziger Vita 34 zum ersten Mal ihre Aktien listen lassen. Das Unternehmen, das bis zu 18 Mill. Euro über die Börse einnehmen will, bezeichnet sich selbst als führende Nabelschnurblutbank im deutschsprachigen Raum.

Deutlich anders, aber ähnlich exotisch mutet das Geschäftsmodell von SMT Scharf an. Das bereits in den fünfziger Jahre gegründete Unternehmen aus Hamm in Westfalen baut Bahnsysteme für den Einsatz im Bergbau und in Tunnel. In der Zeit um Ostern soll es voraussichtlich zur Erstnotiz im Prime Standard kommen. Konsortialführer ist die Baader Bank. Die Analysten von Independent Research rechnen mit einem Nettoemissionserlös von 13,3 Mill. Euro.

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