Börsengänge
Weltweit wagen sich mehr Firmen an die Börse

Die Zahl der Börsengänge (IPO) ist auch im vierten Quartal wieder angestiegen. Zwei Drittel dieser Emissionen finden in Schwellenländern statt. Nur noch jeder zehnte Börsengang weltweit passiert in Europa. Vor allem Deutschland hinkt hier hinterher.
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FRANKFURT. Das Geschäft mit Börsengängen (IPO) kommt weltweit immer mehr in Fahrt. Im vierten Quartal haben noch einmal 22 Prozent mehr Unternehmen den Sprung auf das Börsenparkett geschafft als im davor schon stark verbesserten dritten Quartal. Statt zuvor 147 Gesellschaften waren es diesmal 180. Das geht aus dem globalen IPO-Barometer hervor, das die Beratungsgesellschaft Ernst & Young jedes Quartal ermittelt.

Wesentliches Manko für die etablierten Aktienmärkte bleibt jedoch, dass sich die Mehrzahl der Emissionen in den Schwellenländern abspielt. 120 der 180 Unternehmen und damit exakt zwei Drittel stammen von dort. "Europa verliert als IPO-Markt zunehmend an Bedeutung - das ist eine beunruhigende Entwicklung", sagt Heinrich Lind, Partner bei Ernst & Young. Nur noch jeder zehnte Börsengang weltweit fand hier statt. Zum Vergleich: Im Jahr 2006 war es noch jeder Dritte.

Vor allem Deutschland hinkt weit hinterher. Mit dem chinesischen Telekomdienstleister Vtion gab es in diesem Jahr erst eine Emission im Premiumsegment Prime Standard. Der Erlös lag bei bescheidenen 56 Mio. Euro. Insgesamt betrug das weltweit erzielte Volumen 95 Mrd. Dollar, womit das Vorjahresniveau erreicht wurde. Erstaunlich dabei: Um auf diese Summe zu kommen, genügten 40 Prozent weniger Börsenkandidaten als 2008. 459 Unternehmen stehen in diesem Jahr 762 Gesellschaften aus dem Vorjahr gegenüber. Der Emissionserlös je Börsenkandidat ist damit ungleich höher ausgefallen.

China bestimmt die Lage weltweit am IPO-Markt

Bestimmend für das weltweite IPO-Klima ist jedoch immer mehr die Situation in den Schwellenländern. Chinas Börse in Shenzen (73 IPOs) liegt dabei vor Hongkong (47), Südkorea (46) und den USA (ebenfalls 46). Der größte Börsengang stammte ebenfalls aus dem Reich der Mitte. Umgerechnet 7,3 Mrd. Dollar erlöste das Wohnungsbauunternehmen China State Construction Engineering Corp.

Doch nicht alle Versuche, Milliarden-Emissionen am chinesischen Markt zu platzieren, sind erfolgreich. Der weltgrößte Aluminium-Hersteller Rusal aus Russland wollte ursprünglich noch in diesem Jahr Aktien in Hongkong und Paris emittieren und dabei rund zwei Mrd. Dollar einnehmen. Jetzt dürfte es jedoch zur Verschiebung kommen, da dem Unternehmen vorerst die Zulassung der Hongkonger Börse versagt wurde. Das Komitee brauche mehr Zeit, um die Struktur der Schulden in Höhe von 16,8 Mrd. Dollar, die Rusal hat, zu durchblicken. Mit dem Emissionserlös sollte ein Teil davon gedeckt werden.

Rusal will nach bisherigem Stand einen Anteil von zehn Prozent verkaufen, nachdem der Schuldenberg durch den Kauf von Russlands größter Minengesellschaft Norilsk Nickel immens angestiegen ist. In der vergangenen Woche haben mehr als 70 russische und ausländische Banken der größten Restrukturierung in der Geschichte des Landes zugestimmt.

Solche Nachrichten interpretieren Investmentbanker allerdings nur als kleinen Rückschlag zu einem erfolgreicheren IPO-Jahr 2010. Das soll dann speziell auch für Europa gelten. 30 Börsengänge erwartet Ralf Darpe, Leiter des Kapitalmarktgeschäfts bei Société Générale, acht bis zehn davon allein in Deutschland.

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