Börsengang abgesagt

No Bucks für MyBucks

Die afrikanische Ratenkredit-Plattform MyBucks hat den Sprung auf das Börsenparkett in letzter Minute abgesagt. Die Marktbedingungen seien zu ungünstig, hieß es. Das ist ein schlechtes Omen für andere Fintechs.
Mit dem Erlös aus dem Börsengang wollte der Kleinkreditanbieter die Expansion in Afrika und Europa finanzieren. Quelle: Screenshot
MyBucks-Webseite

Mit dem Erlös aus dem Börsengang wollte der Kleinkreditanbieter die Expansion in Afrika und Europa finanzieren.

(Foto: Screenshot)

FrankfurtEs wird vorerst nichts mit dem exotischen Neuzugang an der Frankfurter Börse. Die Ratenkreditplattform MyBucks hat ihr geplantes Debüt am Mittwoch abgesagt und auf unbestimmte Zeit vertagt. Zur Begründung verwies das Unternehmen auf „anhaltend ungünstige Marktbedingungen“. In Finanzkreisen hieß es, der Skandal um das US-Unternehmen Lending Club Anfang Mai sei „nicht hilfreich“ gewesen bei der Platzierung. Außerdem schreckten die relativ hohen Kursschwankungen an der Börse im Vorfeld wichtiger politischer Entscheidungen wie dem Referendum über den Brexit in Großbritannien die Investoren ab.

Eigentlich wollte MyBucks bis zu 38 Millionen Euro einsammeln. Das sollte unter anderem für die Expansion in weitere europäische Länder und einen bereits vereinbarten Zukauf in Afrika verwendet werden. Ursprünglich war geplant, bis zu 2,3 Millionen MyBucks-Aktien in einer Preisspanne von 13,50 bis 16,50 Euro unterzubringen. Damit wäre die Firma mit gut 200 Millionen Euro bewertet worden.

Wenn Aktienkurse einbrechen

VTION WIRELESS TECHNOLOGY AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000CHEN993
Börse
STU

0,00 0,00%
+0,53€
Chart von VTION WIRELESS TECHNOLOGY AG INHABER-AKTIEN O.N.
Vtion Wireless Technology
1 von 11

Auf dem ersten Platz landete mit der Vtion Wireless Technology AG ein Neuling. Der Anbieter von Mobilfunk-Datenkarten musste Mitte 2015 einen massiven Umsatzeinbruch vermelden, was den Kurs einbrechen ließ. Das Unternehmen brachte den Eigentümern sowohl auf Fünf-Jahres-Sicht (-91 Prozent), also auch in der dreijährigen (- 78,38 Prozent) und einjährigen Betrachtung ( -70,97 Prozent) wenig Freude.

Singulus Technologies

WKN
ISIN
Börse

Chart von Singulus Technologies
Singulus Technologies
2 von 11

Der zweite Platz auf der Kapitalvernichterliste geht an den Maschinenbauer Singulus Technologies. Die Gesellschaft ist schon ein alter Bekannter in der Watchlist. Nach Platz 32 im Jahr 2014 und Platz 6 im vergangenen Jahr ging es jetzt noch weiter nach oben. Kursverlust in den vergangenen fünf Jahren; 93,39 Prozent.

11 88 0 SOLUTIONS AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005118806
Börse
Xetra

+0,02 +1,92%
+1,01€
Chart von 11 88 0 SOLUTIONS AG INHABER-AKTIEN O.N.
Telegate
3 von 11

Die Telegate AG ist nach eigenen Angaben der zweigrößte Anbieter für Telefonauskunft und regionale Werbung. In den vergangenen Jahren lief das Geschäft schlecht: „Wir sind natürlich nicht zufrieden mit dem Ergebnis des Geschäftsjahres 2015“, sagte Vorstandschef Christian Maar bei der Vorstellung der Bilanz für 2015. Um langfristig am Markt erfolgreich bestehen zu können, habe man im Herbst letzten Jahres den Reset-Knopf drücken müssen. Auf Fünf-Jahres-Sicht hat das Unternehmen mehr als 83 Prozent verloren.

TELES AG INFORMATIONSTECHNOL. INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007454902
Börse
Xetra

-0,02 -6,67%
+0,25€
Chart von TELES AG INFORMATIONSTECHNOL. INHABER-AKTIEN O.N.
Teles
4 von 11

Die Teles AG ist Hersteller von Kommunikationslösungen. 2015 beschloss das Unternehmen eine grundlegende Umstrukturierung. Ein kontinuierlicher Umsatzrückgang mit unbefriedigender Stückzahlen habe tiefe Spuren hinterlassen, hieß es in einer Mitteilung. Kursverlust auf Fünf-Jahres-Sicht: 79,0 Prozent.

AIXTRON SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A0WMPJ6
Börse
Xetra

-0,55 -4,39%
+11,98€
Chart von AIXTRON SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Aixtron
5 von 11

Aixtron ist das einzige Unternehmen aus dem TecDax in den Top 10 der Kapitalvernichter. Die Kursverluste des Maschinenbauers aus Herzogenrath begründeten Börsianer die Kursverluste unter anderem mit der generell schlechten Stimmung im Technologiesektor. In den vergangenen fünf Jahren rutschte der Kurs um 85 Prozent ab. Bei Aixtron wirke außerdem der Wirbel um einen chinesischen Großauftrag im Dezember noch negativ nach, sagte ein Händler. Nach der Reduzierung auf nur noch drei von mehr als 50 Anlagen durch den chinesischen Leuchtdioden-Hersteller Sanan Optoelectronics hatte der Vorstand seine Jahresziele eingedampft. Börsianer hatten von einer Katastrophe für das Unternehmen gesprochen und die Aktien aus ihren Depots geworfen. Im Monat Dezember brachen Aixtron insgesamt um rund 45 Prozent ein.

RWE AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007037129
Börse
Xetra

-0,20 -1,13%
+17,43€
Chart von RWE AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.
6. RWE
6 von 11

Der Energieversorger ist der einzige Dax-Wert, den die DSW in den Top Ten der Watchlist über die größten Kapitalvernichter führt. Die 2011 beschlossene Energiewende hat den Essener Konzern gehörig unter Druck gesetzt. Die Aktie verlor auf Fünf-Jahres-Sicht mehr als 76 Prozent an Wert. RWE-Chef Peter Terium hat auf das schwierige Marktumfeld reagiert. Wie sein Konkurrent Eon will er den Konzern aufspalten – in eine Sparte, die das konventionelle Geschäft mit Kraftwerken weiterbetreibt und eine Sparte mit dem Zukunftsgeschäft, den erneuerbaren Energien. Letztere will Terium künftig selbst führen.

YOC AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005932735
Börse
Xetra

-0,04 -0,41%
+9,72€
Chart von YOC AG INHABER-AKTIEN O.N.
7. Yoc
7 von 11

Bei Yoc handelt es sich um ein Unternehmen, das sich auf Mobile Advertising spezialisiert hat. Dass das moderne Leben sich immer mehr vor dem Smartphone- oder Tablet-Bildschirm abspielt – und somit der Bedarf an mobiler Werbung steigt – hat dem Kurs des 2000 gegründeten Unternehmens offenbar gar nicht geholfen. Seit Anfang 2011 brach er nahezu völlig in sich zusammen, um 94 Prozent. Immerhin: Seit Anfang des Jahres stieg er um mehr als ein Viertel. Im ersten Quartal 2016 rechnen die Berliner mit einer Umsatzsteigerung von 20 Prozent.

Der Fehlstart an der Börse ist ein schlechtes Omen für andere Fintech-Unternehmen, die Börsenpläne in der Schublade haben. Die Resonanz der Investoren auf solche Geschäftsmodelle, die sich meistens um den Zahlungsverkehr, die Kreditvergabe oder die Vermögensverwaltung drehen, sei derzeit schlicht verhalten, hieß es in Finanzkreisen. „Wenn man nicht schon deutlich profitabel arbeitet, kann man das vergessen“, meinte ein Investmentbanker.

Für den US-Platzhirsch Lending Club ging es unmittelbar nach der Mitteilung über Unregelmäßigkeiten nach einer internen Untersuchung und dem Rücktritt des Gründers Renaud Laplanche an der Börse um 35 Prozent abwärts. Lending Club ist ein Pionier bei Online-Plattformen, auf denen Sparer, die Geld anlegen wollen, mit Kredit-Interessenten zusammenkommen. Die Firma legte im Dezember 2014 einen fulminanten Börsengang hin, bei dem sie am ersten Tag einen Börsenwert von neun Milliarden Dollar erreichte. Nach dem Kurssturz war Lending Club nur noch rund zwei Milliarden Dollar wert.

Absolute Flaute bei Börsengängen in Deutschland
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