Börsengang
Air Berlin bekommt zweite Chance

Die Chancen stehen gut, dass Air Berlin nach einer Preissenkung für die eigenen Aktien doch noch den Weg an die Börse findet. Analysten und Fondsmanager erwarten, dass sich jetzt genügend Investoren für die Billigfluglinie finden. Die Airline musste dafür aber ganz schön zurückstecken.

ebe/mm FRANKFURT. „Die Aktie bleibt interessant“, sagte Pia Hellbach von Union Investment. „Ein niedrigerer Kaufpreis macht sie attraktiver.“ Auch Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler hält nach dem Abschlag einen Erfolg der Emission für wahrscheinlich. Air-Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel betonte gegenüber dem „Tagesspiegel: „Es gibt keinen Zweifel mehr, dass das jetzt läuft.“

Vergangene Woche musste Air Berlin dem Druck der Anleger nachgeben und die Preisspanne von 15 bis 17,50 Euro auf 11,50 bis 14,50 Euro senken. Gleichzeitig wurde die Erstnotiz auf kommenden Donnerstag verschoben und die Zahl der Aktien reduziert. Statt der 50 Mill. Aktien kommen jetzt nur bis zu 42,5 Mill. Anteile auf den Markt. Nach Informationen des Handelsblatts haben die begleitenden Banken am Freitag noch einmal mit den wichtigsten Großinvestoren gesprochen und die neuen Konditionen deren Wünschen angepasst. Finanzkreise erwarten jetzt einen Ausgabekurs, der sich um die Marke von 12 bis 13 Euro bewegt.

Durch die Preissenkung bekommt Air Berlin deutlich weniger Geld in die Kasse als geplant. Das maximale Emissionsvolumen sinkt von 872 Mill Euro auf 616 Mill. Euro. Davon kommen dem Unternehmen maximal 284 Mill. Euro statt der geplanten 400 Mill. zugute. Der Rest des Erlöses geht an die Altaktionäre. Berichte über einen finanziellen Engpass wegen der Preissenkung seien „maßlos überzogen“, betonte Air-Berlin-Sprecher Hauptvogel. Allerdings stünde nun „weniger Geld für die Markterschließung zur Verfügung“, hieß es aus dem Unternehmen.

Experten führen die Schwierigkeiten von Air Berlin auf Überkapazitäten, ruinöse Preiskämpfe und den hohen Ölpreis zurück. Unter diesem Druck loten derzeit viele Wettbewerber Chancen einer Neuordnung der Branche aus: Hans-Rudolf Wöhrl, Eigentümer der DBA sucht nach weiteren Verbündeten, nachdem er bereits das Ruder bei der Ferienfluggesellschaft LTU übernommen hat.

Auch die Reisekonzerne sehen akuten Handlungsbedarf im Fluggeschäft, weil es kaum Rendite abwirft. Während sich Thomas Cook von seinem Ferienflieger Condor trennen will, prüft Marktführer Tui die Fusion seiner Fluglinien Hapagfly und HLX. In einem Papier der Unternehmensberatung Roland Berger werde nach einer Hapagfly/HLX-Fusion die Zusammenführung mit einem weiteren Partner empfohlen, hieß es in Unternehmenskreisen. In allen Planspielen spielt Air Berlin eine Schlüsselrolle. Fusionen hat Air-Berlin-Chef Joachim Hunold aber bisher ausgeschlossen, weil er den gewerkschaftlichen Einfluss bei Tui und DBA fürchtet.

Andere Börsenkandidaten lassen sich von den Turbulenzen rund um Air Berlin offenbar nicht abschrecken. In dieser Woche stehen an der Frankfurter Börse neben Air Berlin drei kleinere Neuemissionen auf dem Programm.Noch im Mai peilt die Biotech-Firma Geneart den Gang an die Börse, und im Sommer will der Baumaschinenhersteller Wacker Construction einen dreistelligen Millionenbetrag bei den Anlegern einsammeln.

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