Börsengang am Montag
Ausgabepreis für Tognum-Aktien steht fest

Dem größten Börsengang in Deutschland seit sieben Jahren steht nichts mehr im Wege. Der Dieselmotorenhersteller Tognum gibt für den an diesem Montag geplanten Börsengang seine Aktien für 24 Euro ab.

HB FRANKFURT. Die Emission bringt damit 2,07 Mrd. Euro ein, wie der Konzern am Sonntag mitteilte. Größer als Emission der früheren Daimler-Chrysler-Tochter MTU Friedrichshafen war zuletzt die der Deutschen Post im Jahr 2000. Die Postbank hatte im Juni 2004 gut 1,5 Mrd. Euro erlöst. Am Montag geben die Tognum-Aktien ihr Debüt im Prime Standard der Börse.

Der Löwenanteil des Erlöses geht mit 1,8 Mrd. Euro an den schwedischen Finanzinvestor EQT. Die Investmentgesellschaft aus dem Umfeld der Familie Wallenberg hatte MTU Friedrichshafen erst Anfang 2006 für 1,5 Mrd. Euro von DaimlerChrysler gekauft. Allerdings finanzieren derartige Investoren meist nur einen kleinen Teil des Kaufpreises aus Eigenmitteln, den Rest laden sie dem übernommenen Unternehmen auf. Der Hersteller von Dieselmotoren für Schiffe, Panzer und Schienenfahrzeuge füllt sein eigenes Firmenkonto über eine Kapitalerhöhung über 11,35 Mill. Aktien beim Börsengang nur um 268 Mill. Euro auf. Mit dem Geld will Tognum-Chef Volker Heuer die Schuldenlast reduzieren.

Der bisherige Mehrheitseigner EQT und die Banken teilten die 86,25 Mill. Anteilsscheine in der Mitte der Preisspanne von 22 bis 26 Euro zu. Ein Fehler im Emissionsprospekt, der während der Zeichnungsfrist bekannt wurde, konnte die Anleger offenbar nicht nachhaltig irritieren. Im Anhang stimmten Personal- und Materialaufwand nicht, Tognum musste korrigieren.

Die Aktien seien drei- bis vierfach überzeichnet gewesen. „Wir hätten die Emission zu jedem Preis machen können. Sie war auch zu 26 Euro überzeichnet“, sagte ein mit der Transaktion Vertrauter. Doch die begleitenden Banken wollten offenbar noch Luft lassen für Kursgewinne. Mit 24 Euro sei eine Tognum-Aktie im Vergleich zum Börsenwert des Konkurrenten Wärtsilä nicht einmal zehn Prozent billiger, rechnete ein Banker vor.

Mit einem Streubesitz von 65 Prozent halten Experten eine rasche Aufnahme von Tognum in den Nebenwerteindex MDax für wahrscheinlich. Nur vier Prozent der Papiere gehen an Privatanleger, nur 21 Prozent an deutsche Käufer, 38 Prozent an britische Investoren. 3000 Tognum-Mitarbeiter in Deutschland hätten 700 000 Aktien gekauft, sagte ein Sprecher. Für Anleger haben sich Investments in einen Börsenkandidaten aus dem Besitz eines Finanzinvestors in diesem Jahr meist nicht ausgezahlt. So haben die Aktien des Verpackungsspezialisten Gerresheimer wie auch die Titel der Telefongesellschaft Versatel den Zuteilungspreis nach dem Börsendebüt noch nicht wieder erreicht.

Der 7500 Mitarbeiter zählende Motorenhersteller vom Bodensee setzte im vergangenen Jahr 2,5 Mrd. Euro um. Tognum-Chef Heuer stellte in Aussicht, mit jährlichen Steigerungsraten von 4,4 Prozent stärker als der Markt zu wachsen. Vor allem in Asien sieht er eine wachsende Nachfrage nach Hochleistungsmotoren.

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