Börsengang AMG
Napoleon auf Elba

Der 1993 gestürzte Chef der ehemaligen Metallgesellschaft, Heinz C. Schimmelbusch, wagt mit AMG in Amsterdam den Börsengang. Schnell kommen dabei Erinnerungen hoch: An Termingeschäfte, hohe Risiken, komplizierte Geschäfte und ein trauriges Ende.
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FRANKFURT. Alles klingt normal: „Das Unternehmen ist Preisschwankungen bei Rohstoffen ausgesetzt und nutzt deshalb Termingeschäfte, um mögliche Belastungen auszugleichen“, meldet Börsenkandidatin Advanced Metallurgical Group (AMG). Bei einigen Metallen sollen über 50 Prozent des Geschäfts durch dieses Hedging gesichert werden. „Wir managen Risiken sehr proaktiv“, sagt der Vorstandschef, ein bulliger Typ mit Linksscheitel. „Dr. Heinz C. Schimmelbusch“ steht auf seiner Visitenkarte.

Klick. Auf einmal wabern aus grauer Vorzeit Erinnerungen hoch. Schimmelbusch, Termingeschäfte, Hedging? Risiko!

„In der Vergangenheit fungierte Dr. Schimmelbusch seit 1989 als Vorstandschef der Metallgesellschaft AG, bis er 1993 zurücktrat“ steht in seiner Vita. Hinter dem trockenen, leicht schönfärberischen Satz – der Rücktritt war eher ein Rausschmiss – verbirgt sich einer der spektakulären Abstürze der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Mit dem für den heutigen Mittwoch an der Amsterdamer Euronext geplanten Börsengang (IPO) setzt Schimmelbusch seinen Wiederaufstieg via USA und die Niederlande fort. AMG, eine Metallgesellschaft (MG) im Kleinformat, verkauft zum Beispiel Grundstoffe und Anlagen für die Solarbranche, beschichtet Turbinen mit Titan und liefert Vanadium, Molybdän und Nickel für die boomende Stahlindustrie. Umsatz 2006: 680 Millionen Euro. „Jetzt wollen wir das Geschäft auf die nächste Ebene heben“, so Schimmelbusch.

Der Jesuitenschüler aus Wien, Spitzname „Schibu“ oder, bösartiger, „Rasputin vom Reuterweg“, war mit 46 bereits Vorstandschef eines Dax-Unternehmens. 1991 wurde er Manager des Jahres. Die MG, ein Konglomerat aus Unternehmen zur Metallgewinnung, Minen, Rohstoffhändlern, Maschinen- und Anlagenbauern, Chemie und Finanzdienstleistern, setzte umgerechnet rund 14 Milliarden Euro um und beschäftigte 57 000 Mitarbeiter.

1993 weist die MG Verluste aus. Nachrichten über Schieflagen im Ölgeschäft sickern durch. Schimmelbusch dementiert, es gebe keine Krise, MG habe vernünftig Vorsorge getroffen. US-Ölhändler der MG hatten mit Tankstellen und Speditionen zu Festpreisen zehnjährige Lieferverträge abgeschlossen. Gegen das Risiko von Preissteigerungen sicherten sie sich durch kurz laufende Terminkontrakte an der Rohstoffbörse Nymex ab.

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