Börsengang
Anleger greifen bei Banco Santander zu

Durchwachsenes Börsendebüt für die Brasilien-Tochter von Banco Santander. Während die Milliarden-Emission deutlich überzeichnet war, tritt der Kurs der Aktie in New York zunächst auf der Stelle. Bei der später anstehenden Einführung in São Paulo erwarten Analyten allerdings deutlich steigende Kurse.

SÃO PAULO. Der brasilianischen Tochter des spanischen Banco Santander ist am brasilianischen Aktienmarkt der größte Börsengang eines Unternehmen in diesem Jahr gelungen: 14,1 Mrd. Real, also 5,5 Mrd. Euro boten die Investoren für rund 16 Prozent des Kapitals der Bank. Etwa die Hälfte der Investoren soll aus dem Ausland kommen. Die Aktien wurden zu einem Preis von 23,5 Real verkauft, also genau in der Mitte zwischen Höchst- und Mindestpreis.

Da die Nachfrage für diesen Preis rund dreimal so hoch wie das Angebot gewesen sein soll, rechneten Analysten mit kräftigen Kursanstiegen, sobald die Aktie im normalen Börsenhandel notiert. In New York, wo das Papier als so genannter ADR notiert ist, blieb der Kurssprung allerdings aus. Die Aktie notierte zunächst leicht im Plus, rutschte dann aber ab und verlor 0,3 Prozent. In São Paulo stand die Erstnotiz noch aus.

Für die brasilianische Börse Bovespa ist der IPO (Initial Public Offering) ein großer Erfolg: Nach Visanet im Juni ist es bereits der zweite große Börsengang in diesem Jahr. Die BM&FBovespa-Aktie der Börse profitierte vom Interesse der Investoren an Aktienemissionen genauso wie der Index selbst: 67 Prozent hat der Bovespa-Leitindex dieses Jahr in São Paulo zugelegt.

Wie schon in den Tagen zuvor verloren jedoch die Aktien der anderen brasilianischen Großbanken durch den Santander-Launch: Am stärksten gab die Bradesco-Aktien nach (-2,5%), aber auch der staatliche Banco do Brasil (-1,3%) sowie ItauUnibanco (-0,7%) verloren leicht. Der Grund: Die Investoren verkaufen brasilianische Bank-Blue-Chips, um Santander zu kaufen. Denn mit Santander gibt es nun einen privaten Konkurrenten, der den beiden privaten Giganten Bradesco und ItauUnibanco bedrohlich nahe gerückt ist. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 34 Mrd. Dollar ist Santander nun die Nummer 3 in Brasilien und nicht mehr weit von Bradesco entfernt.

Für Paulo Sergio Dortas von Ernst & Young in São Paulo erklärt sich das große Interesse der Investoren vor allem mit den Investitionsplänen der Großbank in Brasilien: „Die Investoren wissen, dass die Bank das Geld in das Immobilienkreditgeschäft stecken wird.“ Zusätzlich will Santander 600 neue Filialen öffnen, um den bisherigen aggressiven Einkaufskurs in Brasilien durch eigenes Wachstum fortzusetzen. Santander wurde zur viergrößten Bank in Brasilien, weil die Spanier zuerst 2000 den bundesstaatlichen Banespa kauften für 5 Mrd. Dollar.

2007 verdoppelten sie ihren Marktanteil mit der Übernahme der brasilianischen ABN-Amro-Tochter Banco Real für 16 Mrd. $. Mehrere Investmentbanken rechnen damit, dass angesichts des anhaltenden Wachstums Brasiliens, Santander dort bereits 2011 mehr zum Gewinn der Gruppe beisteuern wird als ganz Europa. Im letzten Jahr erwirtschaftete die brasilianische Tochter rund ein Fünftel des Gruppengewinns.

Die Santander Aktie ist einer der wenigen Aktien, die beim Launch direkt zum neuen Blue-Chip wurde: Von den 111 Börsengängen seit 2004, also dem Beginn der nur kurz wegen der Weltfinanzkrise unterbrochenen Börsenhausse in Brasilien, sind 15 Unternehmen heute Bestandteil des Index. Den erfolgreichen IPO dürften auch kleinere Unternehmen jetzt nutzen, um erstmals an der Börse zu notieren: Ein Dutzend weitere Unternehmen haben an der Bovespa ihre Börsengänge angemeldet. Vor allem Baukonzerne, Immobilienentwickler, Shopping-Mall-Betreiber sind stark vertreten.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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