Börsengang
Anleger zögern bei Rosneft-IPO

Der Aufsichtsrat des staatlichen russischen Ölkonzerns Rosneft trifft sich am Freitag mit den Konsortialbanken, um die Preisspanne für den am 14. Juli erwarteten Börsengang festzulegen. Im Vorfeld der Entscheidungen gehen die Schätzungen der Investmentbanken weit auseinander.

mbr MOSKAU. Nach Informationen des Handelsblatts aus unternehmensnahen Kreisen sind viele Investmentfonds nicht bereit, Rosneft zu einem Preis zu zeichnen, der über dem Börsenwert des russischen Branchenprimus Lukoil liegt. Lukoil kommt zurzeit auf eine Marktkapitalisierung von 60 Mrd. Dollar. Die Masse der Banken geht von einer Bandbreite von 70 Mrd. bis 90 Mrd. Dollar aus.

Auf einer Roadshow wird Rosneft ab Montag in London und Moskau um die Anlegergunst werben. „Der Börsengang wird ein Erfolg, weil viele russische Banken – vor allem die staatlichen – zeichnen werden. Viele westliche Fondsmanager werden sich aber zurückhalten“, sagte ein westlicher Banker in Moskau. Über ähnliche Bedenken berichtet auch die Moskauer Wirtschaftszeitung „Wedomosti“.

Grund für die Skepsis ist der direkte Vergleich mit Lukoil, der den Primus in allen Belangen im Vorteil sieht. So verfügt Rosneft mit gesicherten Reserven von 18,9 Mrd. Barrel (je 159) Liter deutlich weniger als Lukoil mit seinen 20,3 Mrd. Barrel. Auch bei der Ölförderung lag Rosneft 2005 mit 74,6 Mill. Tonnen hinter Lukoil (90,2 Mill. Tonnen). Beim Umsatz schlug Lukoil mit 55,8 Mrd. Dollar Rosneft mit 24 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr ebenso wie beim Gewinn mit 6,4 bzw. 4,2 Mrd. Dollar.

Außerdem ist bei Investmentbanken zu hören, Rosnefts Management sei deutlich schlechter als das anderer Ölkonzerne. „Rosneft hat zwar große Öl- und Gasvorkommen, doch niemand ist sich sicher, dass deren Förderung gut gemanagt wird“, sagte ein Fondsmanager.

Hinzu kommen Zweifel an der Transparenz des Unternehmens und juristische Risiken durch Klagen von Anlegern, die sich durch das Einverleiben der wichtigsten Yukos-Fördertochter durch Rosneft betrogen fühlen. Unklar ist schließlich, wie groß der Anteil ist, den Rosneft an die Börse bringt: „20 bis 30 Prozent“ aller Aktien, sagte ein mit dem IPO Vertrauter, könnten verkauft werden.

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