Börsengang der VTG
Mit Spezialwaggons gut verdient

Der Güterbahnbetreiber VTG geht an die Börse. Die Zeit scheint günstig: Der anhaltende Trend zum Outsourcing beschert Verleihern von Spezialwaggons gute Geschäftsperspektiven. Die Aktie bietet also Anlegern den Einstieg in eine interessante Branche – allerdings mit ein paar Hindernissen.
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Auf den ersten Blick passt der jüngste Börsengang ins Bild, das die meisten sich vom Treiben der Finanzinvestoren machen. 2005 kauft der US-Investor Wilbur Ross die 1951 gegründete Verlade- und Transportgesellschaft VTG. Er finanziert das zum Teil auf Kredit; diese Schulden drückt er ganz nach dem Branchenmuster der VTG in die Bilanz. Nur zwei Jahre später wird VTG wieder verkauft, mit Gewinn für den Investor, die hohen Schulden bleiben.

Das ist die eine Seite. Die andere: Unter Ross steigerte VTG den Umsatz von 430 Millionen auf 519 Millionen Euro, der operative Gewinn (Ebitda) hat sich gar verdoppelt auf 113 Millionen Euro 2006. Der alte Eigentümer Tui hätte die VTG fast kaputtgespart: Nur 37 Millionen Euro investierte sie 2004 in neue Waggons. 2007 wird Ross 155 Millionen Euro allein in neue Wagen investieren. Auf 225 Millionen Euro belaufen sich seine Gesamtinvestitionen.

VTG verdient Geld mit dem Verleih von Spezialwaggons an Industriekunden, die nicht selbst Waggons kaufen und unterhalten wollen. Meist sind es Kesselwagen für die Chemie- und Ölindustrie, auch aus der Kfz- und Papierbranche kommen Auftraggeber. "Die großen Staatsbahnen wie DB oder SNCF haben meist nur normierte Standardwagen", erklärt Vorstandschef Heiko Fischer, "was wir hingegen an Kunden wie BASF oder Bayer vermieten, ist speziell für die Bedürfnisse der Chemiebranche gebaut."

Das Geschäft ist nicht besonders spannend, aber stabil: Der Umsatz schwankt kaum und wirft solide Gewinne ab. "Vermieter wie VTG liegen dank Outsourcing und Bahnliberalisierung voll im Trend", sagt Fischer. Ihr Anteil am Güterverkehr wächst ständig. Neue Wettbewerber haben es schwer im kapitalintensiven Geschäft. Die Fixkosten liegen bei mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr für die 48 000 Waggons starke VTG-Flotte. Und "die Kundenbeziehungen wachsen sehr langsam, sind aber entsprechend stabil", so Fischer.

2005 wollte Tui-Chef Michael Frenzel die profitable VTG loswerden; sie passte nicht mehr ins Konzept eines hippen Ferienkonzerns. Viele Investoren wollten die Tochter haben, auch die Deutsche Bahn. Ross überbot sie alle. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, Branchenkenner sagen, Ross habe gut 600 Millionen Euro für VTG bezahlt - 400 Millionen Euro plus 200 Millionen für die Schulden.

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