Börsengang des Stromgroßhändlers ist der größte seit sechs Jahren in Japan – Aktien werden auch im Ausland verkauft
J-Power drängt auf den Aktienmarkt

Investmentbanken in Japan können sich über ein starkes Jahr für Börsengänge freuen. Schon im Februar hatte die Shinsei Bank mit knapp 1,9 Mrd. Euro eine ansehnliche Premiere aufs Parkett gelegt. Nun folgt am 6. Oktober ein noch größerer Brocken: Der Börsengang von Energiegroßhändler Electric Power Development, kurz J-Power genannt, soll bis zu 2,8 Mrd. Euro (375 Mrd. Yen) einbringen.

TOKIO. Das wäre der größte Börsengang (IPO) in Japan, seitdem der Mobilfunkanbieter NTT Docomo vor sechs Jahren notiert wurde – allerdings mit einer damals mehr als fünfmal so hohen Marktkapitalisierung. Weltweit verbucht die Tokioter Börse mit J-Power den wohl zweitgrößten Börsengang in diesem Jahr hinter dem belgischen Telekom-Anbieter Belgacom. Wie Belgacom ist J-Power ein ehemaliges Staatsunternehmen. 2003 hatte Tokio bereits die Ölgesellschaft Japan Petroleum Exploration an die Börse gebracht.

Zwischen 2500 und 2700 Yen soll eine der fast 140 Millionen Aktien kosten, die im Zuge der Privatisierung von J-Power zum Verkauf stehen. Knapp 35 Millionen J-Power-Aktien stehen im Ausland zum Verkauf. Der genaue Emissionspreis wird am kommenden Montag bekannt gegeben. Ungewöhnlich ist, dass J-Power gleich zu 100 Prozent an die Börse gebracht wird: sowohl die gut 83 Prozent in Staatshand als auch der Rest, der bei Energieversorgern liegt. Eine Kapitalerhöhung findet nicht statt. J-Power verspricht als Versorger nur begrenzte Wachstumschancen. Fondsmanager zeigten sich deshalb vor der Preisfestsetzung eher unentschlossen, ob sie zuschlagen sollten. Doch hat der Titel gute Aussichten, in die prestigeträchtige erste Sektion der Tokioter Börse zu kommen, und dürfte als Versorger ohnehin eher wegen seiner erwarteten stabilen Dividenden gewählt werden.

Doch schon die schiere Größe des Börsengangs hat in Japan die Furcht aufkommen lassen, J-Power könnte die derzeitige Kauflust des Marktes bei Börsengängen überstrapazieren. Japans IPO-Markt befindet sich gerade im Aufwind. Mehr als 100 Unternehmen sind in diesem Jahr bereits erstnotiert worden. Die meisten davon sind jedoch mit im Schnitt 40 Mill. Euro so klein, dass sie für institutionelle Investoren ohnehin uninteressant sind. Käufer sind hier vor allem spekulative Kleinanleger. Ihre Zahl hat mit der Verbreitung des günstigeren Internet-Aktienhandels seit 2000 merklich zugenommen.

Das Gerangel um IPO-Aktien ist groß, auch weil die Emissionskurse oft nicht allzu hoch sind. Einige kleinere Wertpapierhändler nutzen dies aus und knüpfen die Erteilung der gewünschten IPO-Aktien an den Kauf anderer Finanzprodukte. Die Finanzaufsicht und die Vereinigung der Wertpapierhändler wollen diese Praxis nun genauer überprüfen. Die kleinen Börsendebütanten verteilen sich in Japan auf drei Börsen. Dabei liefern sich Jasdaq und Mothers, der Wachstumsmarkt der Tokioter Börse, in diesem Jahr ein Kopf-an-Kopf-Rennen. An der Mothers-Börse wird Ende Oktober mit Xinhua Financial Network, einer Hongkong-Tochter der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua, das erste ausländische Unternehmen in Japan überhaupt an die Börse gehen, das zuvor noch in keinem anderen Land notiert war. Das Wachstumssegment der Börse Osaka, Hercules (ehemals Nasdaq Japan), ist dagegen bei den Neunotierungen zurückgefallen, seitdem die US-Börse Nasdaq ausgestiegen ist. Im April ließ sich die Börse Osaka selbst dort notieren.

Ein klarer Aufheller für das IPO-Klima in Japan ist die Tatsache, dass seit vergangenem September alle Eröffnungskurse der neuen Börsentitel über den Ausgabekursen der Aktien liegen. Die Wirtschaftserholung und die seit Mitte 2003 gestiegenen Aktienkurse helfen zudem. Allerdings steht eine konjunkturelle Abkühlung vor der Haustür. Investmentbanker sprechen jedoch noch von einer Menge Unternehmen „in der Warteschleife“, die ihre Börsenpremiere in den Jahren zuvor wegen des schlechten Investitionsklimas verschoben haben, darunter auch einige größere Anbieter. Insgesamt erwarten Analysten, dass in diesem Jahr zwischen 140 und 170 Unternehmen in Japan den Gang an die Börse wagen. Damit würde die Zahl der IPOs erstmals seit Jahren wieder anziehen. Für institutionelle Anleger wird noch mit dem IPO des Chipherstellers Elpida gerechnet. Hier sollen die Deutsche Bank und Daiwa Securities den Börsengang betreuen. Bei J-Power sind es Nomura Securities und UBS Securities.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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