Börsengang
Deutsche Bahn will trotz Finanzkrise bald an die Börse

Ungeachtet der Turbulenzen an den internationalen Aktienmärkten soll die Deutsche Bahn in Kürze an die Börse. Ende Oktober könnte es soweit sein.

HB FRANKFURT. "Es gibt aus unserer Sicht momentan keinen Grund, hier in irgendeiner Form vom verabredeten Fahrplan abzugehen", sagte in Sprecher des Bundesfinanzministeriums am Freitag in Berlin. Demnach dürfte die Aktie der DB Mobility Logistics nach langen Diskussionen in der Öffentlichkeit und der Politik am 27. Oktober auf dem Kurszettel auftauchen. An diesem Termin ist die Erstnotiz der Aktie geplant, wie mit der Situation vertraute Personen sagten.

Bei der Teil-Privatisierung des letzten großen Staatskonzerns sollen 24,9 Prozent der Bahn-Tochter an Investoren verkauft werden. Der Emissionserlös wird von Experten auf fünf bis sechs Mrd. Euro geschätzt, womit die Bahn der größte Börsenneuling am deutschen Aktienmarkt seit dem Jahr 2000 wäre - und einer der ersten in diesem Jahr. Denn 2008 haben wenig Unternehmen den Schritt aufs Börsenparkett gewagt, da wegen der Finanzkrise viele Investoren das Risiko scheuen, in die Aktien von Börsenneulingen zu investieren.

Nachdem in den vergangenen Tagen die Finanzkrise einen neuen Höhepunkt erreicht hatte und der Dax innerhalb weniger Tage zeitweise fast sechs Prozent verloren hatte, wurde aus der Politik Kritik am Zeitpunkt für den Bahn-Börsengang laut.

Der verkehrspolitische Sprecher der Union im Bundestag, Dirk Fischer, sagte "Welt", er sei skeptisch, ob angesichts der Entwicklung an den Finanzmärkten ein Börsengang im Oktober oder November der richtige Zeitpunkt sei. Nach Einschätzung von FDP-Verkehrsexperten Horst Friedrich könnte ein Börsengang der Bahn zum jetzigen Zeitpunkt einen Preisabschlag zur Folge haben. "Das liegt an der Situation der Finanzmärkte, vor allem aber an den Bedingungen dieser Privatisierung. Wenn man Investoren nur 24,9 Prozent anbietet und keinen Einfluss aufs operative Geschäft, muss man sich nicht wundern, wenn die Erlöse mager ausfallen", sagte Friedrich der "Welt".

Die Befürchtungen, dass das Initial Public Offering (IPO) der Bahn weniger einbringt als erhofft, sind nach Meinung von Experten nicht von der Hand zu weisen. Sollte es an den Märkten weiter abwärtsgehen, könne das "grundsätzlich Folgen für die Bewertung geben", sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Allerdings gebe es noch keine genauen Preisvorstellungen. Experten zufolge ist eine Verschiebung aber auf keinen Fall eine Option - schließlich ist 2009 ein Wahljahr, was den politisch umstrittenen Börsenstart der Bahn zusätzlich erschweren würde. Auch nach Einschätzung von Friedrich wäre eine Verschiebung des Börsenstarts nicht sinnvoll. "Man kann abwarten, aber dann kommt der nächste Crash, und nichts ist gewonnen.

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