Börsengang
Hello Frankfurt

Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Dem Kochboxversender Hello Fresh ist der Börsengang gelungen. Mit dem neuen Geld will das Berliner Start-up weiter expandieren. Das allerdings dürfte nicht so einfach werden.
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FrankfurtDas Rezept für die Rindfleisch-Pfanne mit Buschbohnen und Zitronengras haben die Börsenhändler vermutlich auch noch nicht an ihrem Arbeitsplatz zu lesen bekommen. Das Frankfurter Parkett erinnert an diesem Morgen ein wenig an die heimische Küche – überall stehen kleine Pflanzen und Kochanleitungen liegen aus.

Die Dekoration kommt von dem dem Start-up, dem heute der Börsengang gelungen ist: Hello Fresh. Der erste Kurs des weltgrößten Kochboxversenders wurde mit 10,60 Euro festgestellt – 3,4 Prozent über dem Ausgabepreis von 10,25 Euro. Im weiteren Handelsverlauf stiegen sie auf bis zu 10,89 Euro. Das sorgte bei den Unternehmensgründern Dominik Richter und Thomas Griesel für Jubel: Beherzt läuteten sie an der Börsenglocke, nachdem der Konsortialführer den ersten Aktienpreis verkündet hatte. „Heute ist ein großer Tag für unsere Firma“, sagte Dominik Richter später. „Nach sechs Jahren sind wir nun auf dem Parkett. Das ist ein tolles Gefühl.“

Schon vor zwei Jahren hatte das Berliner Start-up einen Börsengang versucht, war seinerzeit aber gescheitert, weil zu wenige Investoren die Aktien kaufen wollten. Nun aber scheinen diese an das Geschäft mit den gelieferten Lebensmitteln zu glauben.

Hello Fresh, an der die Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet fast 50 Prozent der Aktien hält, liefert Kochboxen im Abo. Darin: Genau die Menge an Zutaten, die der Abnehmer für die Zubereitung der Gerichte für zwei oder vier Personen benötigt – wöchentlich wechselnde Rezepte inklusive. In der kommenden Woche etwa stehen gebratene Spätzle mit Bacon oder ein Rumpsteak mit Parmesan-Kartoffel-Stampf auf dem Speiseplan.

Das Angebot ist insbesondere für diejenigen interessant, die nicht an der Supermarktkasse warten und nur wenig Zeit vor dem Herd verbringen wollen. Viele Gerichte sollen in einer halben Stunde fertig sein, verspricht das Unternehmen. Dieser Service ist allerdings nicht ganz günstig: Bestellt der Kunde pro Woche für zwei Personen je drei Gerichte, kostet eine Portion umgerechnet mehr als sieben Euro.

Damit der Börsengang im zweiten Anlauf gelingen konnte, musste Hello Fresh Zugeständnisse machen. So lag der Ausgabepreis von 10,25 Euro nur in der Mitte der zuvor festgelegten Spanne von 9,00 bis 11,50 Euro. Das Berliner Start-up wird an der Börse nun mit 1,7 Milliarden Euro gehandelt. Nach einer Finanzierungsrunde im vergangenen Dezember bewerteten Analysten das Unternehmen noch mit über zwei Milliarden Euro.

„Das Geschäftsmodell von Hello Fresh ist per se nicht schlecht“, sagt Oliver Roth, Börsenstratege der Oddo Seydler Bank. „Viele Anleger haben aber zu hohe Erwartungen an das Unternehmen“, schätzt er. Hello Fresh hat in den sechs Jahren nach seiner Gründung zwar ein beachtliches Wachstum hingelegt: So haben die Berliner allein in der ersten Jahreshälfte über 435 Millionen Euro umgesetzt – fast 50 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

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