Börsengang
Royal Mail zündet Kursfeuerwerk

Das britische Postunternehmen Royal Mail hat ein furioses Börsendebüt hingelegt. Die Titel schnellten am Freitag um 36 Prozent nach oben auf 450 Pence. Damit ist das Unternehmen mit nahezu 3,3 Milliarden Pfund bewertet.
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LondonDie britische Post Royal Mail ist erfolgreich an der Börse gestartet. Beim ersten eingeschränkten Handel am Freitag in London, für den zunächst nur institutionelle Anleger zugelassen waren, sprang der Kurs um 38 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis von 330 Pence (3,89 Euro). Damit nahm die Kritik an dem Börsengang zu, nachdem Oppositionspolitiker erklärt hatten, das Unternehmen mit seiner 360-jährigen Geschichte sei zu niedrig bewertet gewesen.

Der Royal-Mail-Börsengang war der größte Verkauf von Staatsvermögen seit der Zerschlagung der British Rail in den 90er Jahren. Die Aktie stieg nach Erstnotiz auf bis zu 456 Pence. Um 11.04 Uhr wurde die Aktie mit 441 Pence noch 34 Prozent höher gehandelt, womit die Marktkapitalisierung bei 4,4 Mrd. Pfund (5,2 Mrd. Euro) lag.

Die Zuteilung von Royal-Mail-Aktien an institutionelle Anleger, die mehr als 20 Mal mehr gezeichnet hatten als an Aktien verfügbar war, wurde am Donnerstag gesenkt, um die Nachfrage von Privatanlegern zu decken, die höher ausgefallen war als erwartet. Wirtschaftsminister Vince Cable erklärte am heutigen Freitag, der Kursanstieg zu Handelseröffnung bedeute nicht, dass der Börsengang, der dem Staat 1,7 Mrd. Pfund einbrachte, zu billig angesetzt oder schlecht durchgeführt worden sei.

Es gebe im Gefolge eines großen IPOs wie diesem eine Menge Spekulation, sagte Cable in BBC Radio 4. “Das bedeutet absolut gar nichts. Worauf es ankommt, ist, wo der Kurs sich letzten Endes stabilisiert.”

Das Ausmaß der Nachfrage ließ die oppositionelle Labour Party, die die Royal Mail in Staatsbesitz lassen wollte, an der Abwicklung des Börsengangs durch die Regierung zweifeln. Sprecher Chuka Umunna sagte diese Woche, die Steuerzahler würden “massiv über's Ohr gehauen”, es sei eine “Bonanza” für Spekulanten.

Cable zufolge sei das Ziel gewesen, zuverlässige, langfristige Investoren zu gewinnen, vor allem Pensionsfonds und Versicherungsunternehmen.

Die Zuteilungsquote für Institutionelle wurde von ursprünglich 70 Prozent auf 67 Prozent gesenkt. Die Quote für Kleinanleger wurde von 30 Prozent auf rund 33 Prozent angehoben, nachdem die ursprüngliche Zuteilung sieben Mal überzeichnet war. Alle der über 690.000 Privatpersonen, die Aktien für bis zu 10.000 Pfund gezeichnet hatten, erhielten eine Zuteilung von 227 Aktien, was 749,10 Pfund entspricht. Wer für mehr als 10.000 Pfund gezeichnet hatte, erhielt nichts.

Der Royal-Mail-Börsengang ist der größte in Europa seit April 2011, als Glencore Xstrata Plc an der Londoner Börse laut Bloomberg-Daten 10 Mrd. Dollar einnahm. Das Royal-Mail-Angebot, das am 27. September begann, war innerhalb von Stunden voll gezeichnet.





dpa 
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