Börsengang
Snap erobert die Wall Street im Sturm

Evan Spiegel kann beim Debüt von Snapchat an der Wall Street reüssieren. Der Kurs der Aktie steigt am ersten Handelstag um 44 Prozent. Das Start-up ist auf einen Schlag mindestens 28 Milliarden Dollar wert.
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San FranciscoEs gebe da eine Person, die durch Snaps Börsengang nun nicht reich werde, scherzte der einflussreiche Investor Chris Sacca wenige Stunden nach dem Handelsstart der Bilderdienst-Mutterfirma an der Wall Street. Der Ex-Googler, berühmt für Cowboy-Stiefel sowie die Finanzierung von Unternehmen wie Twitter und Uber, postete beim Zwitscherdienst den Screenshot einer Mail, die Snaps Co-Gründer Bobby Murphy 2012 offenbar an ihn geschickt hatte.

Darin bedankt sich Murphy für ein Gespräch mit Sacca und erkundigt sich nach weiteren Tipps des Investors für Snapchats Zukunft. Er habe die Mail damals leider nicht beantwortet, bedauert Sacca heute, also die Chance auf eine Snap-Beteiligung verpasst. Der Mann ist bereits Milliardär, doch dürfte er sich an einem Tag besonders darüber ärgern, an dem die junge Firma an der Börse alle Erwartungen übertraf.

Die Snap-Aktie stieg bereits bei 24 Dollar ein, weit über dem Ausgabepreis von 17 Dollar, und notierte den ganzen Tag zwischen 24 und 26 Dollar, bevor sie mit 24,48 Dollar schloss. Der Kurs stieg damit um 44 Prozent. Snap ist auf einen Schlag 28 Milliarden Dollar wert. Das Start-up absolvierte den größten Börsengang seit dem chinesischen Online-Konzern Alibaba, der 2014 an der Wall Street 169,4 Milliarden Dollar erlöste.

Snap-Gründer Evan Spiegel, der am Morgen den Handel einläutete, begleitet von seiner Verlobten, dem Supermodel Miranda Kerr, und Co-Gründer Murphy, blieb das Börsenschicksal von Rivale Facebook erspart. Das Debüt des sozialen Netzwerks an der Wall Street 2012 geriet wegen technischer Probleme bei der Nasdaq zunächst zum Fiasko - der Kurs der Aktie sackte schnell ab und notierte zeitweise bei nur noch der Hälfte des Ausgabepreises von 38 Dollar. Es wurden Vorwürfe laut, die Firma habe den Preis zu hoch angesetzt. Inzwischen hat sich Facebooks Kurs wieder erholt und liegt dank des boomendem Werbegeschäfts derzeit sogar bei über 130 Dollar pro Aktie.

Weniger gut erging es Twitter. Der Kurznachrichtendienst entfachte zwar beim Start an der Börse 2013 jede Menge Hype, notiert jedoch inzwischen bei 15 Dollar pro Aktie, weit unter dem Ausgabepreis von 26 Dollar.

Snap profitiert an der Wall Street davon, dass die Börsianer das Start-up mehr nach dem Geschäftsmodell bewerteten als nach den Kennzahlen. Bisher schreibt der Bilderdienst hohe Verluste, auf eine halbe Milliarde Dollar belief sich das Minus allein im vergangenen Jahr. Wie Facebook, Instagram oder Whatsapp zuvor spekuliert Spiegel mit Snapchat darauf, erst eine aktive, große Nutzerbasis für seine App aufzubauen, als Basis für ein künftig umso lukrativeres Geschäftsmodell.

Der aktuelle Erfolg dürfte das Vertrauen der Investoren in das junge Gründer-Duo stärken, das beim Börsengang nur stimmrechtslose Aktien verteilt hatte und auch künftig 90 Prozent ihres Unternehmens kontrolliert. Die Einnahmen geben ihm zudem ausreichend finanzielle Mittel an die Hand, um weiter am Geschäftsmodell zu feilen. Angesichts der großen Konkurrenz von Facebook, das eine Marktkapitalisierung von 391,42 Milliarden Dollar aufweist und mit dem Snapchat um die Zeit der vor allem jungen Nutzer konkurriert, wird das in den kommenden Monaten umso wichtiger.

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  • Positiv an Snapchat ist sicherlich sein Innovationspotenzial dergestalt, dass sich Inhalte nach einiger Zeit selbst löschen.

    Weniger gut finde ich aber, dass auch hier unverändert auf das Werbegeschäft - also das Generieren von "Erlösquellen" - als eigentliches Geschäftsmodell gesetzt wird.

    Da wäre angesichts des Innovations- (und v.a. Kommunikations-)potenzials etwas mehr Phantasie in Richtung Gemeinnützigkeit nicht schlecht.

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