Börsengang
Vtion enttäuscht die Anleger

Der Börsengang des chinesischen Mobilfunkzulieferer Vtion war mit Spannung erwartet worden. Doch der Börsenneuling enttäuscht die Anleger. Obwohl die Aktie nach Angaben von Vtion gestern überzeichnet gewesen sein soll, fällt der Kurs am ersten Handelstag unter den Ausgabepreis von 10,75 Euro.
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Der Börsenneuling Vtion macht den Anlegern bisher wenig Freude. Am Vormittag lag der Kurs der Aktie zeitweise bei 9,84 Euro. Zum Vergleich: Der erste Kurs lag in Höhe des Ausgabepreises von 10,75 Euro. In den ersten Minuten legte die Aktie leicht bis auf 10,87 Euro zu, dann ging es Abwärts.

Viele Investoren hätten auf Zeichnungsgewinne spekuliert und damit den Ausgabepreis so hoch getrieben, dass andere nach dem Handelsstart nicht mehr einsteigen wollten, sagte ein Marktteilnehmer.

Das chinesische Unternehmen, das Mobilfunk-Datenkarten herstellt, ist der erste Neuzugang im streng regulierten Prime Standard der Frankfurter Börse seit über einem Jahr - allerdings mit dem Emissionsvolumen von 55,6 Millionen Euro ein eher kleiner Fisch. Der letzte Börsenneuling vor Vtion war SMA Solar. Das mittlerweile im TecDax notierte Unternehmen hatte damals 362 Millionen Euro eingenommen. Vtion hatte 5,175 Millionen Aktien in einer Preisspanne von 9,50 bis 12,00 Euro angeboten. Am Graumarkt hatten die Aktien zeitweise über dieser Preisspanne gelegen.

Vtion hat mit seinem Börsengang in Frankfurt gestern rund 56 Millionen Euro eingesammelt. Es seien alle angebotenen 5,17 Millionen Aktien platziert worden, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Der Preis für eine Aktie betrug 10,75 Euro und lag damit in der Mitte der von 9,50 bis 12,00 Euro reichenden Angebotsspanne. Begleitet wird der Börsengang vom Konsortialführer Sal. Oppenheim und der Macquarie Capital (Europe) Limited. Als Selling Agents fungieren die Comdirect Bank, die DAB Bank und S Broker. Heute sind die Titel erstmals gehandelt worden.

Auch zahlreiche Privatanleger interessierten sich für die neuen Aktien, wie ein Vtion-Sprecher sagte. Sie hätten im Schnitt 750 Aktien geordert. Insgesamt ging über ein Fünftel der Aktien an Privatkunden. Die anderen Papiere seien an große Fonds aus Deutschland sowie an Investoren aus Großbritannien, Frankreich und der Schweiz gegangen. Die Emission war laut Vtion mehrfach überzeichnet. Mit dem Geld will Vtion die Vermarktung seiner Datenkarten vorantreiben, zusätzliche Lizenzen für weitere Mobilfunkchips kaufen und seine Entwicklung ausbauen. Der Gesellschaft werde aus der Platzierung netto rund 44,3 Millionen Euro zufließen, hieß es weiter. Vergangenes Jahr erzielte das 2002 gegründete Unternehmen einen Umsatz von 39,2 Millionen Euro und einen Nettogewinn von 12,4 Millionen Euro. In den ersten acht Monaten 2009 lag der Umsatz bei 38,2 Millionen Euro, der Nettogewinn betrug 10,0 Millionen Euro. Die Vtion Group beschäftigt rund 150 Mitarbeiter.

"Trendsetter ist Vtion nicht, das müsste schon ein Unternehmen sein, das Chancen auf einen Aufstieg in den MDax hat", sagte Marktstratege Carsten Klude von MMWarburg. Ein solcher Neuzugang ist aber noch nicht in Sicht: Kein einziges Unternehmen hat bislang angekündigt, in den kommenden Monaten an den Markt zu gehen. Dabei stünden die Investoren Börsenneulingen nicht mehr so skeptisch gegenüber wie noch in den vergangenen Monaten, sagte Aktienmarktexperte Heino Ruland von Ruland Research. "Das Interesse an großen Kapitalerhöhungen von Unternehmen wie HeidelbergCement hat gezeigt, dass der Markt wieder aufnahmefähig ist", sagte er. "Ich bin davon überzeugt, dass der eine oder andere IPO noch in diesem Jahr kommen wird." Zudem hat sich der Aktienmarkt seit Jahresbeginn von den Folgen der Finanzkrise erholt. Der Dax liegt derzeit mit 5 660 Punkten etwa 18 Prozent über seinem Stand Anfang 2009.

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