Börsenkandidaten drängen mit Macht aufs Parkett
Rückkehr der Optimisten

Börsengänge sind gefragt: Jahre nach dem Absturz des Neuen Marktes fassen die Investoren wieder Vertrauen. Trotz kräftiger Zeichnungsgewinne wie am Mittwoch bei Q-Cells warnen bislang nur vereinzelte Stimmen vor einer erneuten Spekulationsblase.

FRANKFURT. Die Kurssprünge erinnern an längst vergangene Zeiten: 21 Prozent über dem Ausgabepreis lag der erste Kurs des Online-Baufinanzierers Interhyp in der vergangenen Woche, 55 Prozent waren es beim ostdeutschen Solar-Unternehmen Ersol. Und Q-Cells, das am Mittwoch an der Börse debütierte, schaffte zu Beginn ein Plus von 29 Prozent. Die Erstnotiz von HCI, einem Anbieter geschlossener Immobilienfonds, wird heute ebenfalls ein Erfolg werden, daran zweifelt auf Investorenseite niemand.

Im Herbst 2005 sind Börsenneulinge wieder so angesagt wie zuletzt in den Euphoriezeiten der Jahre 1999 und 2000. Kein Wunder, dass beinahe täglich neue Kandidaten mit ihren Plänen an die Öffentlichkeit gehen. Bereits bekannt ist, dass sich am 12. Oktober der Online-Lotterie-Anbieter Tipp 24 erstmals im Prime Standard, dem Top-Segment der Deutschen Börse, listen lassen will. Die Lloyd Fonds AG, wie HCI Anbieter geschlossener Fonds, hat gerade erst den 28. Oktober als Termin für die Erstnotiz genannt.

Experten rechneten zuletzt für das vierte Quartal mit bis zu zehn Börsengängen (IPO). Nachdem die Namen von sechs Unternehmen inzwischen bekannt sind und die Resonanz bei den Anlegern sehr gut ist, könnten es sogar noch mehr werden. „Für Börsenkandidaten ist die Situation derzeit so gut wie seit drei bis vier Jahren nicht mehr“, sagt Jörg-Alexander Seidel von Dresdner Kleinwort Wasserstein.

Gleich eine Vielzahl von Gründen kommt derzeit zusammen: Zum einen ist die Stimmung am deutschen Aktienmarkt sehr gut – ein Plus von 20 Prozent im Deutschen Aktienindex (Dax) seit Jahresanfang ist eindeutiges Indiz dafür. Die in der Vergangenheit eingeleiteten politischen Reformen haben zudem dem deutschen Markt ein frisches Image verliehen. Hinzu kommt, dass die großen internationalen Investoren über sehr hohe Liquiditätsbestände verfügen und deshalb in Scharen auf der Suche nach interessanten Investmentchancen sind. Doch es gibt auch warnende Stimmen: Anlageberater stellen bei vielen Investoren ein gehöriges Maß an Sorglosigkeit fest. Viel zu wenig würden gerade Kleinanleger auf das Geschäftsmodell des Börsenneulings blicken, heißt es – wie einst zu Zeiten des Neuen Marktes.

Dennoch sehen viele Experten noch längst keine Blase wie zu jener Zeit. Denn käme es tatsächlich zu den zehn Börsengängen, die Experten noch im vierten Quartal erwarten, dann wären es im Gesamtjahr 2005 insgesamt 14. Das sind zwar mehr als doppelt so viele wie im vergangenen Jahr, als sechs Neulinge den Sprung wagten. In der Aufstellung der letzten 25 Jahre wäre diese Zahl aber bestenfalls Durchschnitt.

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