Börsenkandidaten müssen Preise senken
Neuemissionen sind keine Selbstläufer

Die Erleichterung war dem Londoner Banker anzumerken: „Wir sind froh, dass wir bei den aktuellen Marktbedingungen mit Premier Foods ein Plus von fast drei Prozent geschafft haben“, sagte ein Mitglied aus dem Emissionskonsortium des Nahrungsmittelherstellers. Zwar musste das britische Unternehmen bei einem der größten Börsengänge des Jahres die Preisspanne um fast zehn Prozent senken. Aber immerhin kam die Emission überhaupt an den Markt.

HB LONDON. Die Konjunktur der Börsengänge (Initial Public Offering, IPO) ist ins Stocken geraten. Sie leidet unter fallenden Aktienkursen, der Angst vor weltweit steigenden Zinsen und den zuletzt eher gemischten Bilanzen amerikanischer Unternehmen. Einige Kandidaten müssen ihre Pläne gleich komplett revidieren. So schafften nach Angaben des Dienstleisters Dealogic in der vergangenen Woche statt der erwarteten zwölf Firmen weltweit nur neun den Sprung aufs Parkett. Auch das Volumen fiel deutlich geringer aus als erwartet. Statt angepeilter 5,3 Mrd. $ (rund 4,3 Mrd. Euro) nahmen die Kandidaten fast 40 Prozent weniger ein.

Zwar ist der Markt nicht ausgedörrt: „Es gibt genug Geld zum Investieren“, sagt ein Vertreter einer US-Bank in London. Aber der Preis muss stimmen. Vorbei sind die Zeiten, in denen jeder Börsengang deutlich überzeichnet war. Die Ausgabepreise bleiben oft nur in der Mitte oder am unteren Ende der Spanne. In London erwischte es zuletzt die Mobilfunkgesellschaft Virgin Mobile, die vor ihrer heutigen Erstnotiz auch noch das geplante Volumen reduzierte. In den USA mussten die Pizzakette Domino’s und der Chiphersteller Freescale ihre Preise senken.

In Deutschland ist der Markt nach Ansicht von Experten besonders schwierig. Die großen Versicherer fallen als Nachfrager praktisch aus, weil sie ihr Aktienengagement kräftig zurückgeschraubt haben. „Im Ausland ist der Markt für Neuemissionen wesentlich geschmeidiger“, sagt Portfoliomanager Ingo Mainert von der Vermögensverwaltung Cominvest. Dennoch wagt in Deutschland eine Reihe von Firmen den Schritt in der zweiten Jahreshälfte. Der Energieversorger Ewe gehört dazu, auch die Tui-Tochter Hapag-Lloyd, der Autozulieferer Sick, die Raststätten-Kette Tank & Rast und die Telekom-Firma Tenovis.

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