Börsenneulinge aus China
China drängt nach Frankfurt

Nach dem Erfolg von Zhong De, Anlagenbauer für Müllheizkraftwerke, an der deutschen Börse, wächst das Interesse chinesischer Unternehmen am Börsenplatz Deutschland. Trotz Subprime-Krise konnte das Unternehmen seine anfängliche Börsendatierung halten. Das Interesse weiterer Firmen ist groß – doch die fernöstliche Mentalität birgt auch Hindernisse.

FRANKFURT. Zhong De, das erste chinesische Unternehmen im Top-Segment Prime Standard der Deutschen Börse, zieht wohl im Herbst weitere Börsenneulinge aus dem Reich der Mitte nach Frankfurt. „Die Lage für chinesische Börsengänge sehe ich positiver als für deutsche“ sagt Wolfgang Jensen, Chef des Investmentbanking von Sal. Oppenheim. Das Kölner Bankhaus hat als Konsortialführer den Börsengang von Zhong De begleitet und ist nun mit weiteren Kandidaten in Kontakt. „Wir bereiten derzeit für das vierte Quartal zwei weitere Börsengänge aus China vor“, lässt er sich in die Karten schauen.

Die Zuversicht im Hinblick auf weitere Börsenkandidaten aus China in Deutschland steht im Gegensatz zur allgemein zurückhaltenden Stimmung, die die Investmentbanken nach dem durch die US-Immobilienkrise ausgelösten Kursrutsch zeigen. Georg Hansel von der Deutschen Bank verweist zum einen auf die Vorzieheffekte, die es auf Grund der hervorragend laufenden Aktienmärkte bis zur Sommerpause gegeben hat. Zum anderen beobachtet er auf Investorenseite derzeit einen geringeren Appetit auf Risiko.

Das Interesse chinesischer Unternehmen am Börsenplatz Deutschland hängt direkt mit dem Erfolg von Zhong De zusammen. Der Anlagenbauer für mittelgroße Müllheizkraftwerke hatte seine Aktien Anfang Juli am oberen Ende der Preisspanne zu 26 Euro platziert. Der erste Kurs lag bei 30 Euro, knapp darunter notieren die Zhong De-Aktien trotz Subprime-Krise noch immer. Eines der größten Probleme der Banken ist es im Moment, Unternehmen von der Qualität von Zhong De zu finden. „Auch die Unternehmen zwei, drei und vier aus China müssen ähnlich überzeugen“, heißt es aus einer deutschen Großbank. Sonst könne die anfängliche Begeisterung bei diesem Thema ganz schnell wieder verfliegen.

Die Auswahl unter den potenziellen Kandidaten ist groß. Von Seiten der Deutschen Börse, die in diesem Jahr verstärkt für ein Listing in Frankfurt geworben hat, heißt es, dass sich die im Reich der Mitte angebotenen IPO-Workshops guter Resonanz erfreuen.

Geht es anschließend in die Vorbereitung des Börsengangs, gilt es für die Banken ebenfalls umzudenken. Zu ungewohnt ist häufig die fernöstliche Mentalität. Beispielsweise sprach selbst Zhong De-Vorstandschef Zefeng Chen kein Englisch. „Selbst Telefonkonferenzen zwischen Deutschland und China laufen völlig anders ab als gewohnt und sind deutlich langwieriger“, schildert ein Investmentbanker den Umgang mit den neuen Kunden.

Ein Problem der interessierten chinesischen Unternehmen ist zudem, dass sie von Regierungsseite dort die offizielle Erlaubnis für ein Börsenlisting im Ausland einholen müssen. Um zumindest einige Regeln zu umgehen, hat Zhong De vor dem Börsengang eine Holding in Hamburg gegründet, deren Aktien nun an der Deutschen Börse gehandelt werden.

Spekuliert werden darf bereits darüber, aus welchen Branchen die nächsten Börsenkandidaten aus China kommen werden. Umwelttechnologie könnte ähnlich wie bei Zhong De ein großes Thema werden, hieß es aus Bankenkreisen. Aber auch Unternehmen aus dem Rohstoffsektor sollen dabei sein.

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