Börsianer erwarten moderate Reaktionen von der Abstimmung in Frankreich
Dax-Ausblick: Schatten des EU-Referendums

Für die kommende Woche rechnen Analysten nicht mit einer Fortsetzung der Dax-Rally der vergangenen Tage. Vor allem Hoffnungen auf einen Regierungswechsel in Berlin hatten die Kurse am deutschen Aktienmarkt beflügelt.

Zu Wochenschluss entscheidet die Deutsche Börse über Veränderungen in den Nebenwerteindizes MDax, TecDax und SDax. Ansonsten werden in der durch US- und britische Feiertage verkürzten Handelswoche insbesondere US-Konjunkturdaten eine Rolle spielen. Von Unternehmensseite sind außer Nachrichten von Hauptversammlungen wenige Neuigkeiten zu erwarten.

Die überraschend angekündigten Neuwahlen zum Bundestag im Herbst hatten zu Wochenbeginn Spekulationen auf einen Regierungswechsel ausgelöst. Dabei wird von der aktuellen Opposition aus CDU und FDP, die in den Umfragen derzeit deutlich vorne liegt, eine wirtschaftsfreundlichere Politik erwartet. „Im Moment läuft der Markt Gefahr, alles zu sehr durch die rosarote Brille zu sehen. Die wirtschaftliche Lage wird ja nicht über Nacht besser“, sagte Christian Schmidt, Marktanalyst bei der Helaba, am Freitag. „Außerdem ist die neue Diskussion zum Beispiel zur Pendlerpauschale sicher nicht gut für die Konsumentenstimmung“, fügte er hinzu. In der CDU waren Stimmen laut geworden, die dies zur Finanzierung des defizitären Haushaltes befürworteten.

Aktienmärkte bleiben gelassen

Mit Spannung erwartet wird der Ausgang des französischen Referendums über die EU-Verfassung, bei dem eine Ablehnung erwartet wird. Dies dürfte nach Einschätzung von Volkswirten vor allem den Euro im Vergleich zum Dollar und zum britischen Pfund drücken. Eine deutliche Belastung für die Wirtschaft in der Euro-Zone wird allerdings nicht erwartet. „Am Ende muss man sagen: Ein Festhalten an den aktuellen Regeln in der Gemeinschaft ist nicht notwendigerweise schlecht für die Konjunktur in der Euro-Zone“, schrieb Simon Hayley, Volkswirt bei Capital Economics, in einer Studie.

Mögliche negative Auswirkungen auf die Aktien- und Bondmärkte innerhalb der EU dürften seiner Einschätzung nach moderat und nicht nachhaltig sein. Zu erwarten seien aber Kursverluste an den türkischen Aktien- und Bondmärkten sowie bei der türkischen Lira. Es wird damit gerechnet, dass ein Nein Frankreichs zur EU-Verfassung eine Aufnahme der Türkei in die Gemeinschaft weiter verzögert. Anlass zu Kapitalumschichtungen dürfte nach Ansicht einiger Beobachter ein “Nein“ auch bei anderen Beitrittskandidaten auslösen: Balkan -Aktien kämen auf die Verkaufsliste und ihre Währungen unter Druck. Ein „Ja“ würde dagegen als Non-Event gesehen werden.

Folgen für die Bond-Märkte

Die eindringlichen Warnungen von EU-Politikern vor einem Scheitern werden von vielen Analysten als Panikzeichen gewertet. „Damit unterstreichen sie nur, wie sehr sie Angst um ihrem eigenen Job haben“, erklärte ein Analyst. Die französischen Wähler sähen dies genauso: Ihre Bereitschaft zu einem „Nein“ steigere sich immer mehr zum Misstrauensvotum gegen Staatspräsident Chirac. Diese Sicht mag die relativ ruhige Debatte bei ausländischen Anlegern erklären.

Während sich britische Institutionen ohnehin am Scheitern des „Moloch EU“ delektieren dürften, sehen US-Anleger die Sache nüchtern. Dort versteht man die nicht, wertet sie oft als beamtengesteuerte Halb-Demokratie und konzentriert sich auf wirtschaftliche Folgen.

Im Unterschied zu Capital Economics- Volkswirt Hayley sehen andere Beobachter durchaus langfristig größere Folgen eines französischen „Nein“ für die Rentenmärkte: Der Markt müsste einsehen, dass er nicht mehr alle EU-Länder über einen Kamm scheren dürfe. Die Länderbonitäten würden neu bewertet werden und die Länderspreads von Kerneuropa gegenüber den finanzschwächeren EU-Ländern im Süden steigen. Kurz: Süd-und Osteuropa müsste sich künftig wahrscheinlich zu höheren Zinsen verschulden. Da dies auch zu höheren Refinanzierungskosten der ansässigen Unternehmen führt, könnten ihre Gewinne langfristig leiden.

Folgen für den Dax

Deutschland und damit der Dax würden von diesem Szenario profitieren: Es hätte Umschichtungen aus dem breiten Europa in den Kernraum zur Folge. Technische Analysten meinen, Entsprechendes bereits zu beobachten: „Die relative Stärke des Dax gegenüber europäischen Indizes und dem S&P500 nimmt in letzter Zeit zu“, sagt ein Techniker. Seit dem neuen Jahreshoch im Wochenverlauf sei er auf die Bullen-Seite gewechselt. Der Durchbruch habe gezeigt, dass der Markt noch oben will. Dies werde untermauert von einer rapide steigenden Marktbreite. Und die Stimmung sei immer noch skeptisch genug, um bei steigenden Kursen neue Anleger in den Markt zu zwingen.

Erstes Kursziel für den Dax sei der Bereich um 4610 bis 4650 Punkte. Eine gute Unterstützung sei der Bereich um 4300 Punkte. Unter den Einzelwerten glänzten Bayer, Linde und MAN mit den höchsten Aufwärtspotenzialen.

Der Deutsche Aktienindex hat in dieser Woche bislang gut 1,7 Prozent auf 4434 Punkte gewonnen und mehrfach neue Jahreshöchststände markiert. Weniger optimistische Börsianer sehen bei 4450 Punkten einen deutlichen Widerstand für den Dax. „Sollten wir da tatsächlich drüber gehen, hat der Dax Potenzial. Aber im Moment sehe ich keine Auslöser für eine solche Bewegung“, sagte ein Händler.

Konjunkturdaten der kommenden Woche

Der Feiertag in USA und Großbritannien am Montag wird in Deutschland zunächst für einen ruhigen Handelstag sorgen. Ab Dienstag kommen aus den USA aber gleich zwei herausragende Konjunkturdaten: Dann werden Verbrauchervertrauen und Chicago-Einkaufsmanagerindex veröffentlicht. Am Mittwoch folgt sogleich der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe. Am Freitag werden der ISM-Dienstleistungsindex und der monatliche US-Arbeitsmarktbericht für Mai mitgeteilt. In der EU steht am Mittwoch die erste Schätzung für das BIP im 1.Quartal an.

Der Markt wird auf jeden einzelnen Datensatz je nach Gefallen reagieren. Analysten rechnen aber mit nachhaltigen Kursbewegungen erst, sobald sämtliche Daten bekannt gegeben wurden. „Man wird Zeit brauchen, ein Gesamtbild zu entwickeln“, erklärt ein Analyst. Nach den zuletzt enttäuschenden Daten von OECD-, ZEW- und ifo-Index sei man allerdings schon geübt im Bewerten von negativen Überraschungen.

Termine der kommenden Woche

Von der Ratssitzung bei der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag wird mehrheitlich keine Zinsveränderung erwartet. Mögliche Impulse für die Kapitalmärkte sind daher auf die Äußerungen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet auf der anschließenden Pressekonferenz begrenzt.

Am Freitagabend entscheidet die Deutsche Börse über Veränderungen in ihren Nebenwerteindizes. Experten rechnen damit, dass der Chemiekonzern Lanxess sowie der Abo-TV-Sender Premiere in den MDax aufgenommen werden. Der ebenfalls frisch auf dem Parkett vertretene Solarenergie-Spezialist Conergy dürfte in den TecDax einziehen. Mögliche MDax-Absteiger sind nach Berechnungen von Experten Beru, Thiel und WCM.

Unternehmensdaten gibt es kaum noch: Montag legen Escada und Fielmann Zahlen vor, Singulus lädt zur Hauptversammlung. Dienstag kommen Daten von Indus, Sixt und Lanxess. Zur Hauptversammlung treffen sich die Aktionäre von IVG. Mittwoch folgen weitere Versammlungen bei AMB Generali und Fraport, Donnerstag die von CE Consumer, Loewe und Gerry Weber. Der Freitag schließt schwergewichtiger mit den Hauptversammlungen von IWKA und MAN.

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