Börsianer rechnen aufgrund von Unternehmenszahlen mit Kursgewinnen
Dax-Ausblick: "Hausse geht weiter"

Die Anleger werde nach Einschätzung von Aktienstrategen in der kommenden Woche in Kauflaune bleiben. Allerdings rieten Börsianer angesichts der schon lange anhaltenden Aufwärtstendenz des Deutschen Aktienindex (Dax) auch zur Vorsicht.

HB FRANKFURT. "Die Hausse geht weiter, und wir dürften neue Drei-Jahres-Hochs im Dax sehen", sagte Frank Schallenberger, Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg. "Der Markt will dieses Jahr noch die 5000 Punkte sehen." Vor allem die Berichtssaison in den USA sorge am Markt für Kauflaune. Auch die Aktienexperten der DZ Bank rechneten mit weiteren Kursgewinnen. Marktstratege Markus Reinwand von Helaba Trust schloss weitere Gewinne zwar nicht aus, warnte aber auch vor zu großer Euphorie. "Die Luft im Dax wird doch allmählich dünner", sagte er. Auch sein Kollege Ralf Zimmermann von Sal. Oppenheim äußerte sich vorsichtig: "Es ist derzeit etwas zu viel Optimismus im Markt."

Selbst die Bombenanschläge in London vor rund einer Woche hielten die Anleger nur kurz von Aktienkäufen ab. In der abgelaufenen Woche gewann der Dax mehr als zwei Prozent an Wert, obwohl der Ölpreis zeitweise wieder deutlich stieg. "Ich habe das Gefühl, dass beim Thema Ölpreis eine selektive Wahrnehmung am Markt herrscht: Geht er hoch, ist es dem Markt egal, geht er runter, ist es positiv", sagte Schallenberger. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) US-Leichtöl kletterte in dieser Woche am Terminmarkt zeitweise über 61 Dollar. Zum Wochenschluss entspannte sich die Lage aber leicht.

Viele Entwicklungen bereits eingepreist

Mit Argusaugen blicken die Börsianer auch in der kommenden Woche auf die Geschäftszahlen aus USA und Europa. "Der jüngste Optimismus der Anleger muss nun durch entsprechend positive Geschäftsdaten deutscher Firmen untermauert werden. Vor allem sollten die Unternehmen eine positive Gewinnperspektive geben", sagte Marktanalyst Reinwand weiter. Nach Einschätzung der Börsenexperten der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) können aber gute Unternehmenszahlen in der kommenden Woche dem Gesamtmarkt kurzfristig keine Impulse mehr geben, nachdem der Dax einen Kursanstieg von mehr als 500 Indexpunkten seit Mitte April verzeichnete. Das Marktumfeld sei von internationalen Trends geprägt, insbesondere von Unternehmensnachrichten des Chipproduzenten Intel, des Softwarekonzerns Microsoft und des finnischen Handyherstellers Nokia.

Auch eine positive Entscheidung des Bundespräsidenten Köhler, dass im September Neuwahlen stattfinden werden, habe nur noch geringen Markteinfluss. Ein Großteil der Wahl-Phantasie sei mittlerweile bereits eingepreist, was durch die sehr gute Performance des MDax (mehr als 20 Prozent in drei Monaten) und die deutlich gestiegenen Kurse der Versorger RWE und Eon signalisiert werde.

Die Zahlen der größeren US-Unternehmen spiegeln jetzt in ihren Quartalsberichten die positive Entwicklung der US-Konjunktur zum Ende des zweiten Quartals. Mit guten Ergebnissen warteten Wal-Mart, GM, Alcoa, Apple und AMD auf. Zu Vorsicht mahnen indes die Börsenexperten der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Zum einen seien die Ausblicke zurückhaltend. Zum andern würden die kleineren Unternehmen in den USA ihre Gewinnziele weiter nach unten reduzieren. „Aufgrund dieser Entwicklung sind wir weiterhin der Ansicht, dass die Gewinnerwartungen in den USA für das dritte Quartal zu hoch sind“, sagen die LRP-Marktbeobachter.

Neues von der Berichts-Front

In Deutschland startet mit den Quartalszahlen des Softwarekonzerns SAP am Donnerstag die Berichtssaison der Dax-Firmen. Nach Einschätzung von Analysten hat das Walldorfer Unternehmen im zweiten Quartal seine Umsätze mit Softwarelizenzen erneut deutlich gesteigert. Die Experten der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) erwarten keinen weiteren Kursschub, da die Aktie bereits eine „beeindruckende Performance“ geboten habe. Im Gegenteil – insbesondere die Margenerwartungen des Marktes könnten sich als zu optimistisch erweisen. Auf SAP würden darüber hinaus die Zahlen von Philips (Montag), Intel und Motorola (Dienstag) sowie Ericsson, Microsoft und Nokia (alle Donnerstag) wirken. Die Börsenprofis der LRP erwarten „solide Zahlen“, aber auch vorsichtige Ausblicke.

Für BASF und Bayer werden die Zahlen von Akzo Nobel (Mittwoch) Hinweise auf die Entwicklung im zweiten Quartal geben. Die LRP-Beobachter erwarten für den Chemiesektor insgesamt gute Quartalszahlen. Fallende Preise für einzelne Chemieprodukte bei anhaltend hohen Ölpreisen könnten jedoch zu vorsichtigen Ausblicken für das zweite Halbjahr führen. Für den Pharma-Hersteller Schering, der am Freitag seine Zahlen vorlegt, erwarten die Experten „solide Zahlen mit einem moderaten Umsatzwachstum“ . Im MDax könne Merck von einer Aufhellung der Perspektiven im Flüssigkristall-Bereich profitieren.

Aus den USA stehen ferner Ergebnisse des Finanzkonzerns Citigroup (Montag) und der Autohersteller Ford und General Motors (Dienstag und Mittwoch) an. Mit dem bisherigen Verlauf der US-Berichtssaison zeigte sich Aktienstratege Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg zufrieden. "Da gibt es keinen Grund zum Klagen. Was aus dem Technologiebereich kam, stimmt mich einigermaßen optimistisch", sagte er.

Konjunktur-Aussichten

Auf der Konjunkturseite wird für Dienstag der Konjunkturbericht des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und in den USA der Philadelphia Fed-Index erwartet. Nach günstigeren Konjunktur-Nachrichten aus jüngster Zeit sei zwar „der Aufbruch in ein ökonomisches Sommerhoch noch keine ausgemachte Sache, zumal die Ölpreisentwicklung nach wie vor Rätsel aufgibt“, meinen die Börsenexperten der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Einige Frühindikatoren würden aber „zumindest auf eine solide konjunkturelle Verfassung der weltgrößten Volkswirtschaft“ hindeuten. Die Experten erwarten vom Halbjahres-Konjunkturbericht des US-Notenbankchefs Alan Greenspan vor dem US-Kongress am Mittwoch entsprechende Äußerungen.

Die deutschen ZEW-Konjunkturerwartungen waren im Juni mit 19,5 Punkten besser als von Beobachtern erwartet ausgefallen. Die LRP-Experten erwarten beim Juli-ZEW-Index eine weitere Verbesserung gegenüber Juni, nachdem inzwischen auch das Ifo-Geschäftsklima mit seiner leichten Verbesserung den positiven Trend bestätigt habe, die Kapitalmarktentwicklung sich weiter freundlich darstelle und viele internationale Frühindikatoren ebenfalls günstigere Signale aussenden. Potenzielle Belastungen aus den hohen Ölpreisen würden derzeit kaum thematisiert. Rein deutsche Konjunkturdaten würden zwar eine bessere Beurteilung bisher nicht unterstützen, der ZEW-Index schlage jedoch stark mit dem Puls der US-Wirtschaft.

Zur Bewertung der internationalen Perspektive diene vor allem der Philadelphia Fed-Index als Indikation, meinen die LPR-Experten. Nach dem Anstieg des nationalen ISM könne es nun zu der bereits beim letzten Mal erhofften Verbesserung des Philadelphia Fed-Index kommen. Die Konsenserwartung liegt bei 9,5 Punkten.

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