Börsianer rechnen mit steigenden Aktienkursen
Dax-Ausblick: Vor Test des Jahreshochs

Börsianer erwarten in der kommenden Woche wieder steigende Aktienkurse. Weder Ölpreis noch Dollarkurs sollten Druck auf die Wertpapier-Märkte ausüben.

HB FRANKFURT. „Es spricht viel dafür, dass sich in den verbleibenden drei Wochen bis zum Jahresende am derzeit herrschenden leichten Aufwärtstrend nicht viel ändert“, sagt Aktienstratege Werner Bader von der LBBW. In Jahren, in denen die Kurse zum Ende hin höher stehen als zu Beginn, komme es üblicherweise in der Advents- und Weihnachtszeit nicht mehr zu einer Trendwende. Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat seit Jahresbeginn rund 200 Punkte zugelegt. Der Börsenexperte sieht günstige Voraussetzungen für einen Test des bisherigen Jahreshochs von 4233,52 Zählern. In der abgelaufenen Woche hatten leichte Gewinnmitnahmen dem Dax unter dem Strich einen Kursverlust von einem knappen Prozent beschert. „Auch die 4300 Punkte könnten nach Ende der aktuellen Konsolidierung ins Blickfeld rücken“, sagt Bader.

Die Aktienstrategen der LBBW empfehlen sogar, geplante Aktienengagements nicht auf das kommende Jahr zu verschieben. Abschlussdispositionen von institutionellen Anlegern sowie zufließende Liquidität, aber nur wenig Abgabedruck dürften zu einem Nachfrageüberhang führen und den Märkten einen freundlichen Jahresausklang bescheren, fassen die LBBW-Strategen ihre Prognose zusammen.

Andere Börsianer äußern sich ähnlich. „Die Grundstimmung wird dabei von der Tatsache unterstützt, dass von den beiden wichtigsten Belastungsfaktoren der vergangenen Monate - Dollar und Ölpreis - derzeit kein Druck zu erwarten ist“, ergänzt ein Händler. Der Dollar sei nach seinem jüngsten Rekordtief auf Erholungskurs, und der Ölpreis liege deutlich unter seinem Rekordhoch vom Oktober.

Auch die Analysten der Bankgesellschaft Berlin verweisen auf diese Faktoren und blicken insgesamt positiv auf die kommenden Handelstage. Die jüngsten Konjunkturdaten seien durchaus geeignet, den Anlegern für Neuengagements Mut zu machen, heißt es. In diesem Umfeld sehen sie gute Voraussetzungen dafür, dass schon bald die hartnäckige Seitwärtsbewegung an den Aktienmärkten nachhaltig überwunden wird. Positive Impulse sollten von den verringerten Ölpreisrisiken, den weiterhin steigenden Unternehmenserträgen und nicht zuletzt von der überwiegend günstigen Bewertung der Euro-Aktien ausgehen.

Aktienstratege Markus Reinwand von Helaba Trust mahnt dagegen zur Vorsicht. „Wir hatten bereits eine ganz beachtliche Performance“, betont er mit Blick auf den Dax -Kursgewinn von knapp 20 Prozent seit Ende Oktober. „Viele Leute haben sich in Erwartung einer Rally frühzeitig positioniert.“ Entsprechend dünn sei die Luft nach oben.

US-Konjunkturdaten mit Spannung erwartet

Mit Spannung warten die Anleger auf eine Reihe wichtiger US-Konjunkturdaten, da sie sich von diesen Hinweise auf die Aussichten der weltgrößten Volkswirtschaft erhoffen. Von besonderem Interesse sind dabei die Einzelhandelsumsätze am Montag, die Industrieproduktion sowie die US-Handelsbilanz für Oktober am Dienstag und der Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von Philadelphia am Donnerstag. An diesem Tag werden auch die Daten zu Baugenehmigungen, Baubeginnen, den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe bekannt gegeben. Die US-November-Verbraucherpreise stehen am Freitag an. Daneben richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger auf die für kommenden Dienstag geplante Sitzung des Geldmarktausschusses der US-Notenbank Fed. Am Markt wird allgemein mit einer Anhebung des Leitzinses um weitere 25 Basispunkte auf dann 2,25 Prozent gerechnet. Damit läge das US-Zinsniveau erstmals seit mehr als drei Jahren über dem europäischen. An deutschen Daten trifft der Ifo-Geschäftsklimaindex, der die Erwartungen der Unternehmen für die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Monate widerspiegelt, auf größeres Interesse der Börsianer. Am Montag wird zudem die deutsche Industrieproduktion für Oktober veröffentlicht.

Wenige Unternehmensnachrichten

Von den deutschen Börsenfirmen legen in der kommenden Woche nur einige Unternehmen der zweiten Reihe Geschäftszahlen vor. Aus dem MDax wollen Börsenneuling Wincor Nixdorf (Montag) und Norddeutsche Affinerie (Donnerstag) ihre jeweiligen Ergebnisse präsentieren. Fraport wird am Dienstag die Verkehrszahlen für November bekannt geben. Aus dem SDax hat Escada (Dienstag) die Bekanntgabe vorläufiger Gesamtjahreszahlen angekündigt. Allerdings könnten Quartalsergebnisse einiger US-Konzerne bei einzelnen Werten oder Branchen nach Einschätzung von Analysten für größere Kursbewegungen sorgen. Für die kommende Woche haben unter anderem der Software-Hersteller Oracle, der Sportartikel-Hersteller Nike und die Investmentbank Lehman die Veröffentlichung ihrer Quartalszahlen angekündigt.

Hexensabbat und Dax-Verkettung

Für steigende Aktienumsätze und starke Kursschwankungen könnte gegen Ende kommender Woche der große Verfallstermin an den Derivatebörsen, der so genannte dreifache Hexensabbat, sorgen. Am Freitag verfallen Futures und Optionen auf Indizes sowie Optionen auf einzelne Aktien. In den Tagen davor versuchen Anleger üblicherweise, die Kurse der Aktien, auf die sie Derivate halten, in die von ihnen gewünschte Richtung zu bewegen. Dieses Ereignis dürfte sich insgesamt kursstützend auswirken und ab der Wochenmitte das Handelsgeschehen bestimmen.

Gerade mit Blick auf die Seitwärtsbewegung in den vergangenen Wochen ist mit verstärkten Rückkäufen von Optionen zu rechnen. In diesen waren zuvor Positionen als Absicherung eröffnet worden, die nun zum Jahreswechsel geschlossen werden dürften.

Und noch ein weiterer Termin wird einzelne Aktien stützen: Die Dax -Verkettung. Jeweils zum Verfall an den Terminbörsen berechnet die Deutsche Börse die Gewichte der einzelnen Aktien im Dax neu. Dieses Mal werden vor allem Deutsche Post, Deutsche Telekom und TUI davon profitieren. Das Gewicht der Deutschen Telekom nimmt nach derzeitigen Berechnungen von 8,8 auf 9,2% zu, so Sandra Schiller von Commerzbank Securities - Pan European Index Research - auf Anfrage von Dow Jones Newswires. Das Gewicht der "Aktie Gelb" wächst voraussichtlich auf 1,7% von 1,5% und das von TUI auf knapp 0,6% von 0,45%. Grund für die Zunahmen sind die Platzierungen von Aktien seit der September-Verkettung. Denn die Börse legt der Gewichtung im Index lediglich den Streubesitz zugrunde. Vor allem so genannte "Index-Tracker", also indexabbildende Investmentfonds, müssen dies nachvollziehen. Damit ist im Umfeld der Neuverkettung mit entsprechender Nachfrage in den höhergewichteten Aktien zu rechnen.

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