Börsianer schauen auf Konjunktur und Karstadt
Dax-Ausblick: Der Ölpreis trübt wieder die Börsenlaune

Die Entwicklung der Ölpreise und der Konjunktur in Deutschland und den USA wird in der nächsten Woche nach Einschätzung von Händlern das Geschehen an den internationalen Aktienmärkten dominieren. In Deutschland warten Börsianer mit Spannung auf Details zum Konzernumbau beim Warenhausbetreiber Karstadt-Quelle, die am Dienstag enthüllt werden sollen.

HB FRANKFURT. Der Deutsche Aktienindex (DAX), der in dieser Woche etwa die Hälfte seines Gewinns seit Monatsbeginn abgegeben hat, dürfte nach Einschätzung der meisten Analysten eher schwächer tendieren. Die Höhenangst des Aktienmarktes habe zu zunehmender Beunruhigung der Anleger geführt und zunächst einmal Gewinnmitnahmen nach sich gezogen, wissen etwas die Experten der Bankgesellschaft Berlin zu berichten.

Unter technischen Aspekten hat sich die Lage ebenfalls eingetrübt. Nach Ansicht von Marcel Mußler, Herausgeber der Mußler-Briefe, müsste die Marke von 3903 Punkten, wo die Nackenlinie einer umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter-Formation liegt, zurückerobert werden, um einen drohenden Rückschlag zu verhindern. Die nächste Unterstützung bei 3836 Zählern sei „nicht viel wert“, so dass ein Rückgang bis in den Bereich von 3790/80 Punkten einkalkuliert werden müsse. „Nach wie vor ist es nicht die Zeit, jetzt auf der bullishen Seite den Helden zu spielen“, ermahnt Mußler daher die Anleger. Ein anderer technisch orientierter Marktbeobachter sieht dagegen eine Seitwärtsbewegung als wahrscheinlichstes Szenario an. Zuvor könne es zwar nochmals bis auf 3800 Punkte heruntergehen, aber auch das wäre nur eine 50-Prozent-Korrektur der vorangegangenen Aufwärtsbewegung.

Hoffnungsvoller gibt sich dagegen Staud Research. Bei einer Stabilisierung des DAX im Bereich von 3.900 Punkten stellten die jüngsten Abgaben nur eine Verschnaufpause in einem übergeordneten Aufwärtstrend dar, der schon bald über 4.000 und dann Richtung 4.175 Punkte führen könnte. Auch andere Optimisten halten bei einem Rückgang des Ölpreises einen DAX-Anstieg in Richtung 4000 Zähler für möglich. „Nach dem Motto ‚aufgeschoben ist nicht aufgehoben' dürfte die 4000er-Marke dann wieder recht schnell ins Visier der Börsianer geraten“, hofft Frank Schallenberger, Aktienstratege der LBBW.

Die Gefahren drohten einmal mehr den Blick auf die positiven Aspekte zu verdecken, meinen auch die Analysten der Bankgesellschaft Berlin. So unterstrichen die Zinsanhebung in den USA und der Kommentar der US-Notenbank das Szenario eines intakten Wirtschaftsaufschwungs, so dass die außenwirtschaftlichen Impulse die Eurozone weiterhin stützen sollten. Weder der hohe Ölpreis noch das stärkere Geldmengenwachstum hätten die Inflation merklich verstärkt. Angesichts moderater Inflationsrisiken dürften die Leitzinsen in der Eurozone daher niedrig bleiben. Angesichts dieses Umfelds und der niedrigen Bewertung sollte sich das Rückschlagpotenzial in Grenzen halten.

Beichtsaison für Prognose-Verfehlungen

Bei der KarstadtQuelle-Pressekonferenz am Dienstag dürfte die Zukunft der mit schrumpfenden Umsätzen und Strukturproblemen kämpfenden Warenhaus- und Versandhandelskette im Fokus stehen. Am Freitag nahm die Börse den geplanten Verkauf der Hypothekenbank positiv auf. Die Aktien des Unternehmens aus der zweiten Reihe des deutschen Kapitalmarktes gehörten im bisherigen Jahresverlauf zu den größten Kursverlierern im Nebenwerteindex MDax.

Andere Unternehmensnachrichten, die den Gesamtmarkt bewegen könnten, werden zwar nicht erwartet. Doch sei das Ende eines Quartals traditionell eine der letzten Möglichkeiten für die Unternehmen, ein mögliches Verfehlen der Prognose den Märkten zu „beichten“, sagte ein Händler. „Daher sind die Investoren auf der Hut vor Gewinnwarnungen.“ Auf die schwächeren Prognosen zur Entwicklung der Wirtschaft müssten auch die Konzerne weltweit reagieren, erläuterten Händler.

„In der so genannten Beichtsaison (“Confession Season“) versuchen die Unternehmen derzeit vermehrt, die Analysten mit ihren zu optimistischen Prognosen wieder einzufangen“, sagte Oliver Plein, Volkswirt bei der Fondsgesellschaft DIT, mit Blick auf die Senkungen der Gewinnprognosen in dieser Woche durch Konzerne wie Unilever und Electrolux.

Ölpreis und Konjunkturdaten

„Nachdem die Investoren am Aktienmarkt zuletzt die Entwicklung am Ölmarkt ausgeblendet hatten, dürfte mit dem neuen Anstieg der Ölpreis das Marktgeschehen wieder dominieren“, erwartet DIT-Volkswirt Plein. In dieser Woche hatten sich die Terminkontrakte auf die Ölsorten Brent und WTI ihren Rekordmarken vom August genähert. Die Future für Heizöl hatten sogar Rekordstände erreicht.

Der hohe Ölpreis erhöht für die Unternehmen die Kosten für Produktion und Transport und wirkt sich auch negativ auf das Verhalten der Verbraucher aus, die für Benzin oder Heizöl tiefer in die Tasche greifen müssen. Seit Jahresanfang hat der Ölpreis rund 50 Prozent zugelegt, was in den USA zu einer Schwächephase in der Konjunkturentwicklung geführt hatte. „Die Wirtschaft in den USA und auch in Euroland hat sich zuletzt abgekühlt“, sagte Plein. Daher seien die zur Veröffentlichung anstehenden Stimmungsindikatoren sehr wichtig.

In dieser Hinsicht ist für Deutschland der Ifo-Geschäftsklimaindex zum Wochenauftakt ein wichtiger Indikator. Optimisten rechnen nach dem unerwarteten Anstieg des belgischen Geschäftsklima-Index, der als Vorläufer für Ifo-Index gilt, in dieser Woche mit einem Plus. Viele Ökonomen sind indes eher auf einen Rückgang eingestellt. Von der Agentur Reuters befragte Analysten erwarten einen leichten Rückgang des Index auf 95,2 (August 95,3) Punkte.

Über die Lage der US-Volkswirtschaft könnte insbesondere der am nächsten Freitag anstehende Konjunkturindex des Institut of Supply Management (ISM) Aufschluss über das verarbeitende Gewerbe der USA im September geben. Zuvor stehen weitere Konjunkturdaten auf den Terminkalendern, zum Beispiel der Index des US-Verbrauchervertrauens für September am Dienstag, die deutschen Großhandelsumsätze für August und der Chicago-Einkaufsmanagerindex für September am Donnerstag sowie am Freitag der Einkaufsmangerindex für die Eurozone.

Von der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen am Sonntag und der ersten Fernseh-Debatte zwischen US-Präsident George W. Bush mit seinem Herausforderer John Kerry am Donnerstag erwarten Händler indes keine unmittelbar den Markt bewegende Impulse. „Nur wenn etwas völlig Unvorhersehbares passiert - also in NRW die Volksparteien ganz einbrechen oder sich einer der beiden US-Kandidaten unsäglich blamiert, so dass der Wahlausgang prognostizierbar wird - ist mit spürbaren Reaktionen zu rechnen. Aber drauf schauen werden die Marktteilnehmer schon“, erläuterte ein Händler.

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