Börsianer sind pessimistisch für die kommende Woche
Dax-Ausblick: Frühlingserwachen verschoben

Börsianer äußern sich pessimistisch über die Kursentwicklung am deutschen Aktienmarkt in der kommenden Woche. Sie verweisen auf die enttäuschenden Geschäftszahlen internationaler Technologiekonzerne.

HB FRANKFURT. „Das Frühlingserwachen muss wohl verschoben werden“, sagte Aktienstratege Frank Schallenberger von der LBBW. Ein Händler äußerte sich ähnlich: „Es gibt derzeit einfach zu viele negative Indikatoren, als dass es am Aktienmarkt in der nächsten Woche nach oben gehen könnte.“

Neben einer Reihe enttäuschender US-Konjunkturdaten in der jüngsten Zeit belasteten vor allem die schwachen Ergebnisse von IBM und Samsung die Stimmung, sagten Börsianer. Auch andere Chip-Titel, zum Beispiel Epcos und ASML, enttäuschten. Die US-Bilanzsaison steuert auf einen ersten Höhepunkt zu. Der weltgrößte Halbleiter-Produzent Intel und der weltgrößte Hersteller von Handy-Chips, Texas Instrument, geben erst noch ihre Geschäftszahlen bekannt, ferner SAP, Philips, Nokia und Motorola. LBBW-Stratege Schallenberger erwartet hier eher negative Nachrichten als positive.

Pessimisten blasen zum Rückzug

Auch andere Experten sehen negatives Überraschungspotenzial im Vorfeld der Zahlen-Bekanntgaben. Über der gesamten Autobranche hänge zudem die drohende Abstufung der Kreditwürdigkeit von General Motors. Daher sei „Rückzug aus dem Markt“ die erste Devise, heißt es weiter.

Fondsmanager sehen den Markt aktuell im Stadium eines “Themenwechsels“. Gewinnausweise allein reichten nun nicht mehr aus, die Gewinne müssten auch operativ erzielt worden sein - also nicht nur durch Kostensenkungen. Vor diesem Hintergrund enttäuschten auch die Ergebnisse der Citigroup: Vom Gesamtergebnis her besser als erwartet, lag der operative Anteil jedoch darunter.

Auch charttechnisch orientierte Börsianer zeichnen mittlerweile ein düsteres Bild. „Der US-Markt hat seine Unterstützungsmarken durchbrochen - das beunruhigt“, betonte ein Händler. Sollte der breit gefasste S&P-500-Index unterhalb der Marke von 1165 Punkten bleiben, müsse mit weiteren Verkäufen bei US-Aktien gerechnet werden. Dem Verkaufsdruck könne sich dann der deutsche Markt nicht entziehen. In der laufenden Woche verlor der Deutsche Aktienindex (Dax) per saldo rund ein Prozent.

Marktbullen sehen attraktiven Zeitpunkt zum Einstieg

Marktbullen weisen hingegen auf andere Zusammenhänge hin: So habe gerade IBM gezeigt, dass die erwünschte Besserung des operativen Geschäfts eingetreten sei. Schließlich habe „Big Blue“ den Umsatz steigern können. Und General Electric habe am Freitag nicht nur bessere Zahlen vorgelegt, sondern ebenfalls bewiesen, dass der Kostendruck der steigenden Rohstoffpreise problemlos weitergereicht werden könne. Die Entspannung im Ölpreis werde den positiven Ergebnistrend umso deutlicher in den Fokus rücken, erklärt ein Analyst.

Dann müsse sich der Markt zwangsläufig mit den hohen Risikoprämien bei Aktien beschäftigen - und schlussendlich kaufen. Die Prämien seien von der Gewinnseite her nicht gerechtfertigt; die Mehrheit der Quartalszahlen zeige, dass der Gewinntrend intakt sei. Auch das Argument, die Risikoabschläge seien so hoch, weil mit schnellen Zinssteigerungen am Rentenmarkt gerechnet werden müsse, greife seit Wochenbeginn nicht mehr. Da hatte der Internationale Währungsfonds IWF zum ersten Mal seit Jahren das Wort vom “Zinssenkungspotenzial in Europa“ in den Mund genommen.

Ende der Rohstoff-Blase

Ob Senkungen kommen oder nicht, spielt keine Rolle - wichtig ist nur, dass eine Zins-Erhöhung damit vom Tisch ist. Die extrem hohen Liquiditätsquoten vor allem deutscher Fonds würden demnächst zum Anlagezwang im Aktienmarkt führen. Dies werde gestützt vom sich nähernden Ende der Rohstoff-Blase. Erste Banken hatten bereits auf die fallende Preisdynamik bei Erz und Stahl hingewiesen und vor dem Sektor gewarnt. Zudem habe der Kauf des australischen Minenbetreibers WMC durch BHP Billington offengelegt, wie überhöht die Preise mittlerweile seien. Dies sei Grund für den laufenden Kurseinbruch der europäischen Minenwerte. Mittelfristig sei jede Kursschwäche bei Aktien daher ein guter Kaufzeitpunkt.

Die von technischen Analysten konstatierte „Stimmung am Boden“ markiere normalerweise den attraktivsten Zeitpunkt zum Einstieg, wird weiter von den Optimisten angeführt. So habe die Sentiment-Umfrage für die kommenden sechs Monate der American Association of Individual Investors gezeigt, dass nur noch 16,5 Prozent Bullen den 41,8 Prozent Bären gegenüberstünden. Möglicherweise werde sich der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte noch der 10.100er-Marke nähern, jedoch seien dann alle Kursziele nach unten ausgereizt.

Termine der kommenden Woche

Welche Seite Recht behält, werden die Termine der kommenden Woche zeigen: Mit Intel und Texas Instruments stehen möglicherweise weitere, schlechte Nachrichten für die Technologie an. Im Rampenlicht werden Börsianern zufolge kommende Woche auch Autowerte stehen, da die beiden US-Branchenriesen General Motors (GM) und Ford am Dienstag beziehungsweise Mittwoch Quartalszahlen bekannt geben wollen. „Die einzige Entlastung für den Markt könnte darin bestehen, dass die Anleger zu der Einschätzung gelangen, es kann gar nicht mehr schlimmer werden“, sagte LBBW-Aktienexperte Schallenberger. Er spielte damit auf die jüngsten negativen Nachrichten aus der Branche an. In Deutschland sollten vor allem SAP und VW am Donnerstag im Blick stehen.

Bei den Konjunkturdaten richten Anleger ihre Blicke vor allem auf die US-Frühindikatoren für März sowie den Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von Philadelphia. Beide sollen am Donnerstag veröffentlicht werden. In Deutschland werde das Wirtschaftsbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, erwarten Beobachter.

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