Branche im Fokus
Anleger greifen bei Stahlaktien zu

Thyssen-Krupp leidet unter der Wirtschaftskrise. Der Absatz bricht weg, Tausende Jobs stehen auf dem Prüfstand. Allerdings sind die Quartalszahlen nicht so schlecht ausgefallen, wie von vielen Anlegern befürchtet. Die Aktien klettern – und ziehen die ganze Branche mit nach oben.

HB DÜSSELDORF. Die weltweite Wirtschaftskrise zwingt den größten deutschen Stahlkonzern Thyssen-Krupp zu Stellenstreichungen unter den rund 197 000 Mitarbeitern. Dabei seien auch betriebsbedingte Kündigungen nicht auszuschließen, sagte Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz am Freitag in Düsseldorf. Im Auftaktquartal brach der Gewinn des größten deutschen Stahlkochers um fast zwei Drittel ein. "Die globale Rezession hat im ersten Quartal 2008/2009 bei ThyssenKrupp deutliche Spuren hinterlassen." Schulz rechnet mit einem noch schwierigeren zweiten Quartal, sprach aber auch von Zeichen einer Erholung in China. Für das Gesamtjahr stellte der Manager trotz Umsatz- und Ergebnisrückgang schwarze Zahlen in Aussicht, im nächsten Geschäftsjahr sei dann mit einer Stabilisierung zu rechnen.

Die Aktie von Thyssen-Krupp setzte sich am Freitag dennoch an die Dax-Spitze und zog andere Stahltitel wie Salzgitter und Klöckner & Co mit nach oben. Die Zahlen des Branchenprimus fielen trotz der Einbrüche besser aus als am Markt erwartet. "Insbesondere der Auftragseingang sieht sehr gut aus", sagte ein Börsianer. Dirk Schlamp, Analyst bei der DZ-Bank, hob die Aussicht hervor, dass sich der Markt im kommenden Geschäftsjahr belebe und bestätigte seine Kaufempfehlung. Zuletzt stand die Aktie 0,8 Prozent im Plus bei 17,59 Euro.

Im Schlepptau der Thyssen-Krupp-Aktien kletterten die Papiere des Mitbewerbers Salzgitter um 3,59 Prozent auf 63,73 Euro. Die Papiere des im MDax notierten Stahlhändlers Klöckner Co. legten rund 2,9 Prozent auf 11,50 Euro zu.

Wie anderen Stahlkonzernen macht Thyssen-Krupp vor allem der Einbruch der Autoindustrie und des Maschinenbaus zu schaffen. Insgesamt seien die Auftragseingänge auf dem deutschen Stahlmarkt in den letzten drei Monaten 2008 um knapp 47 Prozent eingebrochen "und damit so stark wie noch nie zuvor in der Nachkriegszeit", sagte Schulz. In der Thyssen-Krupp-Sparte Steel gingen zwischen Oktober und Dezember 36 Prozent weniger Bestellungen ein, bei Edelstahl sogar 53 Prozent. Der Markt hatte aber Schlimmeres befürchtet. Der Konzernumsatz sank um sechs Prozent auf 11,5 Mrd. Euro. Vor Steuern verdiente ThyssenKrupp mit 240 Mio. Euro 63 Prozent weniger als im Vorjahr. Den Gewinn belasteten dabei 250 Mio. Euro, die der Konzern auf seine Vorräte abschreiben musste sowie weitere Vorlaufkosten für die neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA.

"Die gegenwärtige Krise ist in ihrer Heftigkeit ein Novum", betonte Schulz. Als Reaktion auf die Zuspitzung der Lage setzt der größte deutsche Stahlkocher seit September auch beim Personal den Rotstift an: Knapp 3 000 Mitarbeiter im In- und Ausland mussten bereits gehen, zwei Drittel davon waren Leiharbeiter. Die Größenordnung der weiteren Personalmaßnahmen wollte Schulz vor dem Hintergrund der laufenden Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern nicht nennen. Schwerpunkte des Abbaus sind vor allem die Bereiche Stahl und Edelstahl. Auch Garantien für Standorte könne es nicht geben, sagte Schulz.

Der Vorstandschef kündigte in den Krisensparten weitere Produktionskürzungen an, diese müssten aber von Quartal zu Quartal entschieden werden. "Wir müssen auf Sicht fahren." Für das Gesamtjahr rechnet der Stahlmanager zwar mit einem erheblichen Umsatz- und Ergebnisrückgang, will das Jahr aber mit "einem deutlichen Gewinn" abschließen. Lediglich die Edelstahlsparte kommt um einen Verlust nicht herum - bereits im ersten Quartal schrieb der Bereich vor Steuern einen Verlust von 249 Mio. Euro. Eine konkrete Prognose wollte Schulz für 2008/2009 nach wie vor nicht wagen: "Eine seriöse Einschätzung des Geschäftsverlaufs in den kommenden Monaten ist derzeit noch nicht möglich." Eine Stabilisierung erwartet er erst im nächsten Geschäftsjahr.

Thyssen-Krupp hatte in Reaktion auf die Wirtschaftskrise ein umfassendes Sparpaket aufgelegt. Mit Hilfe des Programms sollen die Kosten um rund eine Milliarde Euro gesenkt werden - allein 400 Mio. Euro soll die Stahlsparte zusteuern. Mit zusätzlichen Maßnahmen wie der Verschiebung des Edelstahlwerks in den USA und der Reduzierung des Nettoumlaufvermögens will der Konzern vor allem Kapital freisetzen. Denn im ersten Quartal hatte ThyssenKrupp wegen der Kostenexplosion bei den Investitionen in Brasilien und den USA einen negativen Kapitalfluss von knapp 1,9 Mrd. Euro. Die Verschuldung lag Ende Dezember bei rund 3,5 Mrd. Euro - fast zwei Mrd. Euro höher als Ende September.

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