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Schnapsaktien: Geiz ist geil

Alkohol getrunken wird immer - besonders in Krisenzeiten. Doch wer glaubt, deshalb geht es den Schnapsbrennern besonders gut in diesen Tagen, irrt. Anleger sollten deshalb genau hinschauen, welche Hochprozenter sie sich ins Depot legen.

FRANKFURT. Der russische Schriftsteller Maxim Gorki kannte ein einfaches Rezept gegen die Krise. "Gegen den Katzenjammer hilft nur der Branntwein und nicht Gewissensbisse oder Zähneknirschen." So steht es geschrieben in seinen Erzählungen aus dem alten Russland.

Ob dieser Ratschlag zur Nachahmung empfohlen werden kann, sei dahingestellt. Fest steht: Getrunken wird immer, gerade in schlechten Zeiten. Allerdings ist es ein Märchen, dass deshalb in Tagen wie diesen besonders die Schnapshersteller zu den großen Gewinnern gehören. Im Gegenteil: Die meisten Schnapsaktien versprechen Anlegern nicht gerade hohe Prozente.

Zwar sind die Menschen dem Alkohol in Krisenzeiten durchaus zugeneigt; allerdings greifen sie verstärkt zu billigem Fusel. Geiz ist geil - und macht genauso betrunken. Die edlen Tropfen dagegen bleiben in den Regalen stehen. Ausgerechnet auf den osteuropäischen Märkten geht der Absatz zurück. Aber auch in den Duty-Free-Shops der Flughäfen wird weniger verkauft. Jetzt müssen erst einmal die hohen Lagerbestände bei den Großhändlern abgebaut werden.

Am Aktienkurs lässt sich ablesen, wie es um die Spirituosenhersteller bestellt ist. Für die Aktie des Weltmarktführers Diageo (Smirnoff, Baileys, Gordons?s Gin) ging es in den vergangenen drei Monaten um zehn Prozent nach unten. Analyst Mike Gibbs von JP Morgan empfiehlt, die Papiere zu verkaufen. Dank eines Sparprogramms werde der Konzern seine operativen Margen zwar stabil halten können. Auf Basis der aktuellen Absatz- und Wechselkursprognosen habe er seine Gewinnerwartungen für dieses Jahr aber um zwei Prozent nach unten geschraubt, schrieb Gibbs in einer Studie.

Ebenfalls mit Problemen kämpft Pernod Ricard (Ballantine?s, Ramazotti, Havana Club). Die Aktie verlor in den letzten drei Monaten gut sieben Prozent. Nach einigen Zukäufen in den letzten Jahren ist der Schuldenberg des weltweit zweitgrößten Spirituosenherstellers auf 13 Mrd. Euro gewachsen. Um einen Teil seiner Verbindlichkeiten loszuwerden, besorgte sich Pernod vor kurzem eine Mrd. Euro mithilfe einer Kapitalerhöhung. Außerdem wird die Whiskey-Marke Wild Turkey für gut 400 Mio. Euro verkauft.

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