Brasiliens Börse: Attraktiv, aber kompliziert

Brasiliens Börse
Attraktiv, aber kompliziert

Um die Nachfrage zu stemmen, müssen Brasiliens Unternehmen investieren. Immer mehr Konzerne streben an die Börse. Sie brauchen frisches Kapital. Doch die Ansprüche der Investoren sind gewachsen.
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São PauloBrasiliens Börse könnte dieses Jahr einen Boom an Börsengängen erleben wie zuletzt vor vier Jahren. 40 bis 50 Unternehmen bereiten sich vor, um dieses Jahr an der Bovespa Geld einzusammeln. Umgerechnet 33 Milliarden Dollar neues Kapital könnte der Börse in São Paulo zufließen, hofft Edemir Pinto, Chef des Börsenbetreibers BM&F/Bovespa.

Der Grund für seine Zuversicht: Brasiliens Konzerne müssen investieren, um die Nachfrage zu stemmen – sie können das aber immer weniger aus dem eigenen Cash-Flow machen und brauchen deshalb frisches Kapital. Das gilt für so unterschiedliche Branchen wie Konsum, Infrastruktur oder Öl und Gas. „In Brasilien besteht derzeit ein gewaltiger Investitionsbedarf und auf den Finanzmärkten gibt es ausreichend Liquidität“, erklärt Rodrigo Junqueira, Wirtschaftsanwalt von Lefosse die Börsenpläne.

Auch stagnierte die Börse Brasiliens im vergangenen Jahr, sodass sie inzwischen für Investoren wieder als attraktiv gilt. Ein „Comeback von Brasiliens Börse“ etwa erwartet Analyst Pascal Rohner von Credit Suisse. Er begründet dies mit dem günstigen Bewertungsniveau. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist gesunken und soll 2011 bei elf liegen.

Die Wachstums- und Gewinnerwartungen sind derzeit hervorragend. Trotzdem rechnen die Analysten mit kritischeren Investoren vor allem aus dem Ausland – anders als bei dem Boom vor vier Jahren, wo Investoren fast alles aufkauften, was ihnen bei den Börsengängen (IPOs) angeboten wurde. Bei den diesjährigen Börsengängen zeigt sich bereits, dass die Investoren zurückhaltender sind. Nur der Kurs der Aktie der Modefirma Arezzo hat sich positiv entwickelt. Die des Einzelhändlers Sonae Sierra, der Ölfirma Queiroz Galvão oder des Autozulieferers Autometal rutschen nach dem IPO unter den Einstandskurs ab. Die Skepsis der Investoren lässt sich auch mit der gemischten Bilanz der 111 Börsengänge seit 2004 erklären. Nach einer Untersuchung der Wirtschaftszeitschrift Exame notieren heute mehr als die Hälfte der Aktien unter ihrem Einstandskurs. Aus diesem Grund rät Börsenpräsident Pinto nur professionellen Investoren zu einer Investition beim Börsenstart.

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