Brief an Aktionäre
Tui geht in die Offensive - Aktie springt an

Dritte Rund zwischen Tui und der Deutschen Bank: Nachdem die Analysten der Bank zunächst eine Verkaufsempfehlung mit radikalem Kursziel aussprachen, dieses Ziel später aber korrigierten, geht jetzt der Touristikkonzern in die Offensive: In einem Brief an die Aktionäre errechnet er ein eigenes Kursziel und trifft damit offenbar den Nerv der Anleger.

HB DÜSSELDORF. Tui-Aktien sind nach einem offen Brief des weltgrößten Reisekonzerns an seine Aktionäre nach oben geschossen. Bis zum Mittag verteuerten sich die Titel an der MDax-Spitze um knapp 15 Prozent Prozent auf bis zu 5,92 Euro. bezahlt. Dies ist der größte Kurssprung seit Mitte April. Der Index der mittelgroßen Werte hingegen gewann lediglich rund ein Prozent.

Händler verwiesen als Antrieb auf ein Schreiben von Tui an seine Aktionäre in Reaktion auf eine korrigierte Studie der Deutschen Bank. Darin errechnet das Touristikunternehmen unter den ursprünglichen Annahmen der Verkaufsstudie der Deutschen Bank einen Wert von rund 6,00 Euro je Aktie. Aus der Sicht von Tui habe der Analyst in der korrigierten Fassung zusätzliche Abschläge vorgenommen, möglicherweise um die Verkaufsempfehlung aufrecht erhalten zu können.

Der Konglomeratsabschlag von 20 Prozent etwa - den die Deutsche Bank in dieser Korrektur zu einer Studie vom Mittwoch genannt hatte - sei unüblich hoch angesetzt, zitierte ein Händler einen Branchenspezialisten. Ein weiterer Börsianer urteilte ähnlich und nannte den Abschlag der Deutschen Bank zu hoch.

Skeptisch äußerte sich hingegen Analyst Christian Hamann von der Hamburger Sparkasse: „Es ist ungewöhnlich, dass Tui so aggressiv auf die korrigierte Studie der Deutschen Bank reagiert.“ Dies spreche eher gegen als für Tui.

Vor diesem Hintergrund stellten andere Börsianer die Frage, ob Tui-Aktien nicht bereits ausgereizt seien. Beobachter verwiesen auf die Probleme des Konzerns in der Touristiksparte. Die schwarzen Zahlen im ersten Jahresviertel 2009 verdankt TUI lediglich dem Buchgewinn aus dem Teilverkauf der Container-Reederei Hapag-Lloyd. Der Umsatz schrumpfte, und im operativen Geschäft rutschte der Konzern weit tiefer in die roten Zahlen als von Experten erwartet. Auch die Jahre 2006 und 2008 hatte Tui im Minus abgeschlossen.

Die meisten Analysten sehen die Tui-Aktie zurückhaltend: Von 23 Experten raten nach Angaben von Bloomberg aktuell nur fünf zum Kauf. Die Experten der NordLB schreiben in einem aktuellen Kommentar, sie könnten "in den Geschäftsbereichen der Tui AG noch keine wesentliche Verbesserung des Marktumfelds erkennen. Entsprechend stellen sich die Marktbedingungen für das Tourismusgeschäft sowie für die Containerschifffahrt weiter äußerst schwierig dar." Ihr Urteil lautet daher "halten", das Kursziel beträgt lediglich 5,50 Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%