Büroimmobilienspezialist IVG
Nicht mehr als ein Hoffnungswert

Aktienanalysten räumen dem Immobilienkonzern IVG durchaus gute Kurschancen ein. Besonders Finanzvorstand Wolfgang Schäfers überzeugt die Anleger mit seinem Plan für das Großprojekt "The Squaire" am Frankfurter Flughafen. Dennoch gibt es einige Risikofaktoren.
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DÜSSELDORF. Es wird nicht einfach sein für Wolfgang Schäfers, Finanzvorstand des Bonner Büroimmobilienspezialisten IVG. Bis zum Jahresende muss es ihm gelingen, den 500-Millionen-Euro Kredit für das Großprojekt "The Squaire" am Frankfurter Flughafen - ein riesiger Büro-, Shopping- und Hotelkomplex - zu verlängern. Kommenden Freitag, wenn die IVG ihre Zahlen für das dritte Quartal vorlegt, werden auch die Analysten von ihm wissen wollen, wie weit seine Verhandlungen gediehen sind.

"Es gibt keine Indikation dafür, dass die Banken die Finanzierung nicht verlängern wollen", sagt Kai Klose, Immobilienaktienexperte der Berenberg-Bank, dem Handelsblatt. Er ist überzeugt davon, dass die Anschlussfinanzierung für das frühere "Airrail-Center" genannte Problemprojekt gelingen wird. Die Frage sei nur, zu welchen Konditionen. Zurzeit zahlt die IVG im Schnitt rund vier Prozent für ihre Kredite. Diese Marke werde auch bei einer neuen Finanzierung nicht überschritten, versichert IVG-Vorstand Schäfers. Doch nicht alle Analysten sind seiner Meinung.

Zweifel hat etwa Frank Neumann vom Düsseldorfer Bankhaus Lampe. Zwar geht es um eine Projektfinanzierung. Aber die Banken werden bei der Kreditvergabe nicht die Augen vor der Tatsache verschließen, dass die IVG mit einer Eigenkapitalquote von zwölf Prozent sich im Branchenvergleich am unteren Rand bewegt. Zumal "The Squaire" nicht fertiggestellt und noch lange nicht voll vermietet ist.

Doch sollte es Schäfers gelingen, den Squaire-Kredit zu etwa vier Prozent zu verlängern, wird dennoch bald wieder über die fünf Mrd. Euro Schulden des MDax-Konzerns diskutiert werden. Im Jahr 2012 müssen weitere zwei Mrd. Euro an Krediten abgelöst werden. Davon entfällt etwa die Hälfte auf die Finanzierung eines im Jahr 2007 von der Allianz gekauften Bürogebäudepakets. Diesen Kredit will Schäfers jetzt vorzeitig restrukturieren. Bis zum Laufzeitende soll er auf 600 Mio. bis 650 Mio. Euro herunter getilgt sein.

Damit die Kredite getilgt werden können, verkauft die IVG bis 2014 nach und nach weitere 30 unterirdische Öl- und Gaslagerstätten. Die Erlöse aus Kavernen-Verkäufen sollen maßgeblich dazu beitragen, dass der am Wert der Immobilien gemessene Verschuldungsgrad (LTV) von 69 Prozent auf 65 bis 60 Prozent sinkt.

Dass Schäfers bereits heute die Finanzierung von Morgen unter Dach und Fach bringen möchte, hat handfeste Hintergründe. Vor wenigen Tagen warnte Claus-Jürgen Cohausz, Vorstand des Immobilienfinanzierers Westimmo, vor Finanzierungslücken, die auch langfristig gut vermietetete Gebäude treffen würden. In den nächsten Jahren nimmt das Volumen fälliger Immobilienkredite und mit Immobilien besicherter Anleihen kräftig zu. Gleichzeitig steigen die Eigenkapitalanforderungen an die Banken. Und obendrein gibt es eine Reihe von Ökonomen, die höhere Inflationsraten erwarten. Dies alles spricht für steigende Kreditzinsen.

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