Charttechniker erwarten weiterhin hohe Volatilität
Dem Dax fehlt noch das zweite Beinchen

Die jüngste Konsolidierung am deutschen Aktienmarkt ist nach Ansicht von Charttechnikern noch nicht abgeschlossen. Zwar ist dem Dax vom Niveau von rund 7 500 Punkten aus gelungen, eine kräftige Gegenbewegung einzuleiten. Entwarnung kann aber noch nicht gegeben werden.

Nach Einschätzung von Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt stellt die Widerstandszone von 7 775 bis 7 788 Punkten ein nicht zu unterschätzendes Hindernis für den Dax dar. Einem Durchmarsch des Leitindex bis 8 000 Punkte und im Anschluss Richtung Allzeithoch bei 8 136 Punkten steht der technische Analyst daher skeptisch gegenüber. Als das wahrscheinlichere Szenario erachtet Sartoris einen Test der jüngsten Tiefpunkte bei 7 658, der sich zunächst bis auf 7 500 Punkten ausweiten könnte.

Ob diese Marke dann halten werde, könne man derzeit noch nicht abschätzen, so Sartoris. Beruhigend sei aber immerhin die Tatsache, dass sich die Verluste des Dax theoretisch bis 7 000 Stellen ausweiten könnten, bevor sich das übergeordnete Chartbild nachhaltig eintrüben würde.

Vorsichtig skeptisch äußert sich auch Armin Kremser von der DZ-Bank. Mit dem Überschreiten des 38,2%-Retracements des neu gebildeten tertiären Abwärtstrends bei rund 7 700 Punkten sei zwar die kurzfristige Abwärtsdynamik gestoppt worden. Da jedoch, von einem „Morning Star“ einmal abgesehen, klare formationstechnische Signale auf eine echte Bodenbildung bislang fehlten, sollte der Blick für die kurzfristigen Risiken nicht verloren gehen.

Laut Staud Research konnten sich immerhin die Tagesindikatoren auf breiter Front stabilisieren und mit ersten Kaufsignalen aufwarten. Einen weiteren Pluspunkt stelle die für eine „Bear Market Rally“ erstaunlich hohe Marktbreite dar. Zunächst aber hätten die Bullen mit der von 7 740 bis etwa 7 800 Punkte reichenden Widerstandszone eine nicht gerade leichte Aufgabe vor sich, von der sich weitere Aufschlüsse über eine Fortsetzung oder möglicherweise doch rasches Ende der Konsolidierung erhoffen lassen.

Dem kurzfristig noch nicht ausgeschöpften Erholungspotenzial, so Staud Research, stehe das noch immer existente Risiko einer anschließend erneut um sich greifenden Konsolidierung und neuer lokaler Tiefs bei 7 500 Punkten gegenüber. Deutlich eingedämmt würde dieses mit einer überzeugenden Rückkehr über 7 800 Punkte auf Schlusskursbasis.

Armin Kremser von der DZ-Bank weist darauf hin, dass insbesondere die Belastung durch den schwachen Bondmarkt die Annahme eines „Übergangs zur Tagesordnung“ mit weiter steigenden Aktienpreisen derzeit problematisch erscheinen lassen. Ohne die Herausbildung eines „zweiten Beins“ blieben selbst bei einem kurzfristig weiter steigenden Dax Zweifel an der Nachhaltigkeit der Aufwärtsbewegung. Daher bilde zumindest ein nochmaliger Test des Freitags-Tiefs um 7 500 Punkte die Grunderwartung für den zukünftigen Verlauf.

Einen Sonderfaktor in der laufenden Woche stellt der Große Verfallstermin am kommenden Freitag dar. Achim Matzke von Commerzbank Corporates & Markets weist in diesem Zusammenhang mit Blick auf die Rekordstände beim Open Interest im Euro-Stoxx-50- Future bzw. dem Dax-Future auf den erhöhten Abwicklungsbedarf hin. Die Investoren sollten sich daher von einer weiterhin hohen Intraday-Volatilität nicht beunruhigen lassen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%