Charttechniker sieht S&P 500 in einem Abwärtstrend
US-Börse bietet kaum Chancen

Investments in den amerikanischen Aktienmarkt sind derzeit nicht attraktiv. Die charttechnische Situation zeigt einen flach verlaufenden Abwärtstrend. Erst ein Ausbruch aus dem Trendkanal nach oben würde Aufwärtspotenzial in Richtung des diesjährigen Hochs bieten.

HB DÜSSELDORF. Nachdem der amerikanische S&P-500-Index noch Mitte August ein Jahrestief bei 1 061 Punkten verzeichnet hatte, setzte der breite Aktienindex in den vergangenen Wochen zu einer rasanten Rally an. Aus technischer Perspektive gibt es jedoch erste Anzeichen dafür, dass es sich bei der jüngsten Hausse lediglich um eine Bärenmarkt-Rally handelt. Die Wahrscheinlichkeit erneuter Rückschläge nimmt somit wieder zu.

Der S&P-500-Index befindet sich seit Anfang März dieses Jahres in einem breiten, flach verlaufenden Abwärtstrendkanal. Dessen untere Begrenzung verläuft aktuell bei 1 057 Punkten; sie verhinderte im August dieses Jahres weitere Verluste des Index. Dies schürte die Hoffnung, dass es sich bei der Abwärtsbewegung der vergangenen Monate lediglich um eine große Flagge – im Sinne einer vorübergehenden Konsolidierung innerhalb einer Aufwärtsbewegung – handelt. Zur Komplettierung dieser Formation – dies würde zu einer deutlichen Verbesserung der langfristigen Perspektiven führen – müsste jedoch der Sprung über die obere Begrenzung des Abwärtstrendkanals gelingen, der zur Zeit bei 1 132 Punkten verläuft. Genau dieser Sprung blieb jedoch bisher aus. Vor dem Hintergrund der überkauften Verfassung des Marktes scheint nun eine ausgeprägte Abwärtskorrektur wahrscheinlich. Insbesondere der Stochastik – er gehört zur Gruppe der Oszillatoren, die geeignet sind, Übertreibungsphasen im Kursverlauf anzuzeigen – hat ein extrem hohes Niveau erreicht. Im Rahmen der Abwärtsbewegung wurde die aktuell bei 1 116 Punkten verlaufende 200-Tageslinie bereits unterschritten.

Die nächste größere Unterstützung liegt nun bei 1 110 Punkten, wobei dieser Bereich bereits unter Druck geraten ist. Hier liegen zum einen zwei Hochpunkte aus dem August dieses Jahres. Ein Rückschlag hätte den Charakter einer klassischen Korrektur. Kann die Unterstützung nicht verteidigt werden, droht ein Wiedersehen mit dem oben genannten Jahrestiefstand beziehungsweise ein erneuter Test der unteren Begrenzung des Abwärtstrendkanals.

Zuvor lassen sich noch Haltepunkte bei 1 087/1 076 Punkten in Form alter Tiefpunkte ausmachen. Zur Vorsicht mahnt zusätzlich, dass sich die Optionsvolatilitäten – der Volatilitätsindex, der die erwarteten Kursschwankungen misst – bereits wieder in der Nähe ihrer historischen Tiefstände bewegen. Dies mahnt zur Vorsicht und spricht für eine niedrige Risikoaversion der Marktteilnehmer, so dass kurzfristig auch von dieser Seite kein großer Anschubeffekt zu erwarten ist.

Der Autor ist Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt in Düsseldorf und auf Charttechnik spezialisiert.

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