Charttechnische Signale deuten auf Abwärtstrend
Dax-Ausblick: Markt ohne Kauflaune

Der Deutsche Aktienindex (Dax) wird in der kommenden Woche nach Einschätzung von Börsianern trotz positiver Vorgaben seine Kursverluste ausbauen und anfällig für Korrekturen und Gewinnmitnahmen bleiben. „Es gibt weiterhin keine Kaufstimmung“, klingt es unisono aus dem Handel.

HB DÜSSELDORF. Die aktuelle Berichtssaison klingt in den nächsten Tagen aus. „Weder die per saldo guten Quartalsergebnisse noch der in die richtige Richtung laufende Dollar-Kurs haben uns in den vergangenen Tagen vorangebracht“, sagte Aktienstratege Frank Schallenberger von der LBBW. „Wenn gute Nachrichten schon nicht auf fruchtbaren Boden fallen, muss angesichts der dünnen Nachrichtenlage nächste Woche eher mit fallenden Kursen gerechnet werden.“ Andere Börsianer äußerten sich ähnlich pessimistisch. Einzelaktien hätten zwar reagiert, aber ohne Signalwirkung für den Markt: Selbst Vergleichsunternehmen in derselben Branche könnten davon nicht profitieren.

Dies zeige, dass der Markt weiter tendenziell nach unten tendiere, meinen Händler: „Die Bereitschaft, den Markt bei schlechten Nachrichten nach unten zu spielen, ist immer noch höher als nach oben.“ Dies hätten verschreckte Reaktionen im Wochenverlauf gezeigt, zum Beispiel Kursausschläge nach dem Irrflug einer Cessna über Washington, aufgrund von missverstandenen Aussagen der US-Notenbank Fed und in Reaktion auf die Ankündigung des Pharmaunternehmens Schering, die Einführung eines Medikaments um drei Jahre zu verschieben. In der abgelaufenen Woche verlor der Dax mehr als ein Prozent, während sich der Euro um rund zwei US-Cent verbilligte.

Auch charttechnische Zurückhaltung

Dabei ist die zu Ende gehende Berichtssaison in Deutschland durchaus positiv verlaufen. Analysten zeigten sich mehrheitlich positiv überrascht. Der Dax wird auf Basis der geschätzten Gewinne für 2006 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von nur 10,8 als günstig bewertet gesehen. Dass trotzdem niemand in Kauflaune gerät, könnte jedoch daran liegen, dass ein größerer Abschwung eingepreist wird. Langfristanleger sehen hier besonders auf die OECD-Frühindikatoren, die zum Wochenstart erneut gefallen waren.

Selbst technische Analysten unterstreichen die Zurückhaltung im Markt. In einigen Tagen zeige sich, ob charttechnisch eine Flaggenformation vorliegt, mutmaßen Analysten. Derzeit bestehe noch die Chance für den Dax, diese positive Konsolidierungs-Formation in einem intakten Aufwärtstrend auszubilden. Dann dürfte es in einigen Wochen wieder kräftig nach oben gehen. „Ein passender Auslöser wäre zum Beispiel die Abwahl von Rot-Grün in Nordrhein-Westfalen“, meint ein Analyst. Sollten jedoch die Zwei-Wochen-Tiefs im Dax bei rund 4230 unterschritten werden, hätte sich das positive Szenario aufgelöst. Dann sei mit beschleunigten Abgaben bis auf die April-Tiefs bei 4100 zu rechnen.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Dollar-Erholung blickt Aktienstratege Volker Borghoff von HSBC Trinkaus & Burkhardt dagegen vorsichtig optimistisch in die kommende Woche. „Sollte der Euro unter der Marke von 1,27 Dollar bleiben, wäre dies ein positives Signal für den Aktienmarkt.“ Doch selbst bei steigenden Kursen ist nach Einschätzung vieler Marktteilnehmer die Luft für den Dax nach oben sehr dünn. Spätestens bei 4320 Punkten sei vorerst Schluss.

US-Konjunkturdaten und Hauptversammlungen im Fokus

Da für die kommende Woche nur die Geschäftszahlen einiger Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe erwartet werden, rücken die US-Konjunkturdaten in den Mittelpunkt des Interesses. Besonders gespannt warten Investoren dabei auf die US-Verbraucherpreise, die am Mittwoch veröffentlicht werden. „Sollte die Inflation anziehen, würde das Zinserhöhungsängste schüren und damit den Aktienmarkt belasten“, sagte HSBC-Stratege Borghoff. Daneben erhoffen sich Anleger von den Zahlen zur Industrieproduktion, die am Dienstag vorgelegt werden, sowie den Konjunkturindizes der Notenbanken von New York (Montag) und Philadelphia (Donnerstag) Hinweise auf die Entwicklung der weltgrößten Volkswirtschaft.

In Deutschland wird vermutlich die Wahl in Nordrhein-Westfalen im Blick stehen. Aussagen auf den zahlreichen Hauptversammlungen der kommenden Woche könnten Einfluss auf die deutschen Aktienmärkte nehmen. Impulse für den Gesamtmarkt versprechen sich Börsianer indes nur von den Geschäftszahlen des US-Computerherstellers Hewlett-Packard (HP). „Durch das verschobene Geschäftsjahr bei HP erhalten wir Hinweise auf die Entwicklung des Technologiesektors, die einige Wochen weiter reichen als bei den Quartalszahlen der übrigen Unternehmen“, sagt LBBW-Experte Schallenberger.

MDax-Unternehmen legen Zahlen vor

Bewegung ist vor allem in Finanztiteln zu erwarten. Im Mittelpunkt des Interesses dürfte die Hauptversammlung der Deutschen Bank am Mittwoch liegen. Im Rahmen der „Heuschrecken-Debatte“ und der Kritik an Hedge-Fonds wegen ihres Vorgehens bei der Deutschen Börse sei mit einer eher negativen Berichterstattung zu rechnen. Die Commerzbank begrüßt ihre Aktionäre am Freitag zur Hauptversammlung. Im Blick dürften ferner die Hauptversammlungen bei Beiersdorf, Metro und Deutscher Post am Mittwoch stehen sowie am Freitag bei Gildemeister, HypoRealEstate und IDS Scheer.

Geschäftszahlen legen in der kommenden Woche die MDax-Unternehmen Celesio (Dienstag) sowie IKB und AWD (jeweils Donnerstag) vor. Ebenfalls für Donnerstag ist die Bekanntgabe der Zahlen von D.Logistics und Centrotec (beide SDax) sowie Premiere geplant. Eon wird über Pläne, die Ruhrgas betreffen, berichten. Epcos und Infineon präsentieren sich auf der Technologie-Konferenz bei J.P. Morgan.

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