Chemieriese bleibt auch nach Kursrückgängen ambitioniert bewertet
Dupont enttäuscht die Anleger

Mit gemischten Gefühlen nahm der Markt vor einigen Tagen die jüngste Quartalsbilanz des Chemieriesen Dupont auf: Einerseits vermeldete der Konzern einen Gewinneinbruch, gleichzeitig übertraf er jedoch mit seinem Gewinn vor Sonderposten von 13 Cent je Aktie die Erwartungen der Analysten. Andererseits wiederum blieb unter dem Strich ein Verlust von insgesamt 88 Cent je Aktie, nachdem Dupont fast 1,5 Mrd. $ für den Verkauf seiner Fasersparte Invista zurückstellte.

HOUSTON. Zudem äußerte sich die Geschäftsleitung zurückhaltend über die nähere Zukunft. „Die meisten unserer Unternehmenssparten sagen, dass sie noch keine eindeutigen Anzeichen für eine nachhaltige Erholung haben“, sagte Ann Gualtieri, Vizepräsidentin des Bereichs Anlegerverbindungen. Chuck Hill, den Research-Chef des Dienstleisters Thomson Financial, bezeichnete Duponts zurückhaltende Prognose als eine der größten Enttäuschungen der laufenden Quartalssaison.

Ein Grund für die sinkenden Erträge: Wie der Großteil der Branche leidet der zweitgrößte Chemieproduzent der USA unter einer Kombination von steigenden Rohölpreisen nach dem Irakkrieg und einer schwachen Nachfrage durch industrielle Großunternehmen, darunter von der Automobilindustrie. Hinzu kommen nach Duponts Angaben wachsende Rentenkosten, die mit 10 Cent je Aktie zu Buche geschlagen hätten.

Unter Analysten in den USA herrscht Uneinigkeit darüber, ob die positiven oder die negativen Neuigkeiten schwerer wiegen. Donald Carson von Merrill Lynch etwa setzte nach der Bilanzvorlage des Konzerns sein Anlageurteil über Dupont nach oben und verhalf damit der Aktie zu weiteren Kursgewinnen. „Der Aufschwung ist jetzt in Sicht“, sagt Carson: „Die Aktie hat bereits eingepreist, dass die Gewinnerholung langsamer abläuft als zunächst erwartet, und auch dass die Erlöse aus dem Invista-Verkauf wahrscheinlich geringer ausfallen als erhofft.“ Er erhöhte auch sein Kursziel auf 46 $, was im Vergleich zum aktuellen Kursniveau ein Plus von etwa 15 % bedeuten würde.

Andere Experten teilen seinen Optimismus allerdings nicht. Der Finanzdienst Thomson First Call listet zurzeit elf Anlageurteile für Dupont auf, von denen vier zum Kauf, einer zum Verkauf und sechs zum Halten der Aktie raten. „Machen wir uns nichts vor: Die meisten großen Chemieunternehmen haben zurzeit Probleme mit schleppender Nachfrage“, sagt William Young von Credit Suisse First Boston (CSFB). „Die Tatsache, dass das DuPont in diesem Quartal nur 13 Cent pro Aktie verdient hat, ist nur ein Beispiel dafür.“

Bewertung zurückgestuft

Graham Copley vom Investmenthaus Sanford Bernstein stufte seine Bewertung von Outperform (überdurchschnittliche Marktentwicklung) auf Marketperform (durchschnittlich) zurück: „Die Ergebnisse des vergangenen Jahres und vor allem des vergangenen Quartals deuten darauf hin, dass wir von der Übergangsphase noch immer weiter entfernt sind als ursprünglich erwartet.“

Um in die schwarzen Zahlen zurückzukehren, empfehlen die Experten dem Chemie-Konzern daher eine Reihe von Schritten. PJ Juvekar von Citigroup Smith Barney etwa lobt die laufenden Verhandlungen mit dem nicht börsennotierten US-Petrochemiekonzern Koch Industries über den Invista-Verkauf: „Dieser Schritt wird dafür sorgen, dass Dupont wesentlich weniger den unbeständigen Erdöl- und Erdgaspreisen ausgesetzt ist.“ Juvekar schätzt, dass der Verkauf dem Unternehmen vier bis fünf Mrd.$ einbringen könnte.

CSFB-Analyst William Young fordert von Dupont zudem einen Eingriff in den Wertpapiermarkt: „Der Konzern sollte endlich damit beginnen, das Aktien-Rückkaufprogramm im Umfang von 2 Mrd. $ auszuführen, das ja auch schon autorisiert ist – besonders wo der Preis im Moment in der Nähe der 40-Dollar- Marke liegt."

Für Jeffrey Zekauskas von JP Morgan ist allerdings gerade der Preis ein weiterer Grund zur Vorsicht. „Die Dupont-Titel kosten zurzeit deutlich mehr als die Aktien vergleichbarer Unternehmen im Chemiebereich“, sagt Zekauskas. „Dabei ist die Möglichkeit, dass sich die Unternehmensgewinne bald wieder erholen, unserer Ansicht nach bereits jetzt in die Aktie eingepreist.“

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