Chinesische Börsengänge
Glückskeks für die Wall Street

Die Chinesen sind wieder da. Und diesmal machen sie sich auf den Weg, dem erfolgsverwöhnten Silicon Valley das Genick zu brechen. Deren Start-ups könnten am Markt und an der Börse rapide an Attraktivität verlieren.
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San FranciscoDie Geschichten sind legendenumwoben im Silicon Valley. Jeder weiß, wie ein Mark Zuckerberg als Student Facebook in der Junggesellenbude gegründet und zu Ruhm geführt hat, wie Larry Page und Sergey Brin aus der Garage und dem Nichts heraus Google erschaffen haben, dass Jeff Bezos auf einer Busfahrt quer durch Amerika sich Amazon ausgedacht hat. Und WhatsApp-Gründer Jan Koum kam als Sozialhilfeempfänger in die USA, um ein paar Jahre später sein umsatzloses Unternehmen für 19 Milliarden Dollar zu verkaufen – an Facebook.

Die PR-Maschine im kalifornischen Märchenland läuft auf Hochtouren und hält den Mythos vom unerreichten Gründer-Eldorado aufrecht. Wer es schaffen will, der muss hier sein. Ein kleiner Mikrokosmos, der selbstzufrieden um sich selbst kreist.

Bis vorigen Sonntag. Jack Ma, der 49-jährige Niemand aus dem Niemandsland, den bis vor kurzem nur Insider kannten, zeigt der selbsternannten Gründer-Elite wo es lang geht. Und das mit einem Unternehmen, dass noch weniger Menschen in der westlichen Welt kennen als den Gründer: Alibaba. Der angekündigte Börsengang des Webriesen aus dem chinesischen Provinzmetropole Hangzhou hat das Zeug, jeden bisherigen aus dem Silicon Valley in den Schatten zu stellen.

Mit dem Geld aus dem Gang aufs Parkett entsteht den kalifornischen Platzhirschen eine massive Konkurrenz. Schon 2011 hatte niemand anderes als Barack Obama davor gewarnt, dass so etwas kommen werde. Bei einem Besuch im Facebook-Hauptquartier warb er für seine Einwanderungsreform und mehr ausländische Gründer: „Ich will nicht, dass das nächste Google, Facebook oder Intel in Indien oder China gegründet wird“, so der US-Präsident.

Zu spät. Noch sind exakter Ausgabekurs und Bewertung nicht bekannt, nicht einmal das exakte Datum. Aber Alibaba wird gewaltig. Wahrscheinlich der größte Börsengang der Geschichte überhaupt, glaubt die New Yorker Analysefirma Privco, die von bis zu 20 Milliarden Dollar Emissionsvolumen und einer Gesamtbewertung von 150 Milliarden Dollar ausgeht. Das würde die bisherige Nummer eins der Technologiebranche, Facebook mit 16 Milliarden Dollar Emissionsvolumen, locker in den Schatten stellen.

Kommentare zu " Chinesische Börsengänge: Glückskeks für die Wall Street"

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  • Die Berichte ueber chinesische Internetfirmen sind schon sehr spaerlich gesaeht und dann sind die Informationen oft sehr einseitig, meist negativ, gepraegt.
    Hier ist das Gegenteil der Fall, aber wohl eher versehentlich, denn der Russe hat dann doch keine 100 Millionen Aktien von Apple zum Kurs von 382 Euro pro Stueck verkauft, sondern im Wert von 100 Millionen.

  • Ist das jetzt wirklich so überraschend und eine Sensation?

    Alibaba gibt es schon viele Jahre und ich bezweifle daher auch, dass diese Firma wirklich so wenig Leute hierzulande kennen wie der Autor dieses Artikel glaubt. Das ist schon seit Jahren eigentlich die Standard-Plattform, wenn ich auf der Suche nach etwas bin, was ich glaube, in China beziehen zu können. Mich überrascht daher eher, dass der Börsengang nicht schon früher vollzogen wurde oder wenn, dann, dass sie in den USA an die Börse gehen möchten. Aber sonst nichts.

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