Citibank-Verkauf
Experten loben Deutsche Bank

Der gescheiterte Übernahmeversuch der Citibank durch die Deutsche Bank hat am Morgen die Börse bewegt. Nachdem bekannt wurde, dass das französische Institut Crédit Mutuel den Zuschlag für die Deutschlandtochter der Citigroup erhält, legte der Aktienkurs der Postbank kräftig zu.

HB FRANKFURT. Die Aussicht auf ein steigendes Interesse der Deutschen Bank hat Händlern zufolge die Aktien der Postbank an die Spitze im Dax geschoben. Die Titel der Post-Tochter legten am Freitag mehr als vier Prozent auf 51,81 Euro zu. Die Deutsche Bank hatte im Bieterrennen um die zum Verkauf stehende deutsche Citibank den Kürzeren gegenüber der französischen Genossenschaftsbank Credit Mutuel gezogen. "Das heißt, dass sich die Deutsche Bank noch stärker für die Postbank interessiert", schlussfolgerte ein Händler.

"Der Verkauf stärkt die Verhandlungsposition der Postbank, da die Deutsche Bank kein alternatives Übernahmeziel in dieser Größe hat", erläuterte Analyst Konrad Becker von Merck Finck. Deutsche-Bank-Aktien dagegen gaben 0,81 Prozent auf 53,86 Euro nach.

"Die Deutsche Bank hat gut daran getan, für die Citibank keinen zu hohen Preis zu bieten", sagte Dirk Hoffmann-Becking von Bernstein zu dem geplatzten Deal. Der Kaufpreis von 4,9 Mrd Euro sei hoch und hätte den Gewinn je Aktie der Deutschen Bank bis 2011 um vier Prozent verwässert. Die Deutsche Bank habe eine gute Entscheidung getroffen, die "ihre Disziplin bei Übernahmen belegt".

Das Hauptgeschäft der deutschen Citigroup-Tochter seien Verbraucherkredite. Wenngleich sich die weltweite Kreditklemme bislang auf dem deutschen Markt nicht so stark niederschlage wie auf anderen Märkten, so sei die Krise doch kein gutes Zeichen für das zukünftige Wachstum in diesem Geschäft. Die Strategie der Citibank, über Marktanteilsgewinne zu wachsen, sei in den vergangenen ein, zwei Jahren schwieriger geworden. Der Analyst bestätigt im Gespräch mit Dow Jones Newswires für die Deutsche Bank die Einstufung "Outperform" und das Kursziel von 99 Euro.

Der Bankenexperte Wolfgang Gerke sieht in der Übernahme der Citibank durch die französische Credit Mutuel keinen Rückschlag für die Deutsche Bank. Das Institut sei in Deutschland sehr gut aufgestellt, sagte Gerke der Nachrichtenagentur AP. Für den deutschen Branchenprimus wäre ein vergleichbares Geschäft im europäischen Ausland viel attraktiver als eine Übernahme der auf Verbraucherkredite spezialisierten Citibank auf dem Heimatmarkt.

"Die Deutsche Bank hätte sich nur Probleme mit verdi geholt", sagte Gerke. Ein Stellenabbau wäre wegen Doppelfunktionen unvermeidlich gewesen. "Dieses Problem haben die Franzosen nicht", betonte der Börsen- und Bankenexperte. Für die Credit Mutuel sei die Übernahme ein geschickter Schachzug, auch wenn der Preis mit 4,9 Milliarden Euro recht hoch sei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%