Commerzbank

Die (un-)heimlichen Leiden des Dr. A.

Dr. A ist leitender Beamter. Das Leben betrachtet der 61-Jährige mit einem Schuss Ironie. Sein Leiden als Commerzbank-Aktionär hätte er sonst kaum ertragen. Sein Erfahrungsbericht. Aufgeschrieben von Jessica Schwarzer.
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Dr. A ist Commerzbank-Aktionär. Handelsblatt Online hat er erzählt, wie sich das anfühlt. Quelle: Getty Images

Dr. A ist Commerzbank-Aktionär. Handelsblatt Online hat er erzählt, wie sich das anfühlt.

(Foto: Getty Images)

„Es sind nicht nur unheimliche, sondern auch heimliche Leiden – man erzählt das ja nicht so gern, eigentlich eher ungern. Schließlich hat man viel Geld versenkt. Einen mittleren fünfstelligen Betrag habe ich investiert. Davon ist viel weg.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich negative Erfahrungen mit der Commerzbank-Aktie gemacht habe. Vor einigen Jahren hatte ich schon mal Coba gekauft, dann verkauft, weil sie so wenig Rendite gebracht hat. Dann kam der vergangene Sommer:  Ich bekam den Tipp von einem Freund, der viel Ahnung von Aktien hat. Der viel von den Kapitalmärkten versteht, dachte ich. Alle Risiken seien eingepreist, hat der gesagt  - etwa die Anleihen aus Schuldenländern wie Griechenland, die in den Büchern der Bank standen.

Ich bin dann bei 1,70 Euro eingestiegen. Und ich habe immer nachgekauft – im August, November, Januar und Februar. Im Schnitt habe ich für 1,83 Euro gekauft.

Besonders übel: Einen Monat nach meinem Einstieg hieß es dann: „Huch, da haben wir ja noch ein Paar toxische Papiere in unserem Keller gefunden.“ Prompt rutschte der Kurs auf 1,20 Euro ab. Bei 1,18 Euro wollte ich nachkaufen, aber meine Frau meinte: „Da kannst du dich auch sonntags auf die Flughafenbrücke stellen und das Geld in den Rhein schmeißen.“ Leider habe ich auf sie gehört und ausnahmsweise nicht nachgekauft. Man weiß ja nicht, wann eine Aktie unten angekommen ist. Ich habe ihr zugetraut, noch auf 70 oder sogar 60 Cent zu fallen. Aber was macht die Aktie? Sie ist dann zügig wieder gestiegen.

Ich habe viele Fehler gemacht – und ich habe pausenlos darüber geredet, auch wenn man eigentlich nicht damit hausieren gehen mag. Ich rede ja jetzt auch mit Ihnen darüber. Aber ich bin enttäuscht. Und zu dem Frust kommt auch Wut. Die haben nicht mit offenen Karten gespielt. Die haben uns toxische Papiere verheimlicht. Die haben uns an der Nase herumgeführt. Mein Vertrauen in diese Aktie habe ich restlos verloren.

Die Gier war größer als die Vernunft.
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40 Kommentare zu "Commerzbank: Die (un-)heimlichen Leiden des Dr. A."

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  • Herr A. beklagt sich hier darüber, daß die Kurse seiner Aktien schwanken und er nicht in der Lage ist, diese Schwankungen vorauszusehen. Tja. Man kann der Commerzbank sicher einiges vorwerfen, aber für die Naivität, mit der Herr A. sein Portfolio managed, kann sie nun wirklich nichts. Wie naiv muss man eigentlich sein, um hier sein Klagelied anstimmen zu dürfen?

  • Meine Güte: Über diese Naivität so ausführlich zu berichten ist schon grenzwertig. Jeder so eine Kaufstrategie verfolgt,
    sollte sein Geld lieber versaufen. Vergessen Sie die Aktien und warten Sie ab. Den Kurs von 1.18 erreicht die Aktie spätestens,wenn die Bank jetzt alle Leute mit Schiffs- und Immobilienkrediten in den wirtschaftlichen Ruin geschickt hat...

  • Sehr geehrter Herr Dr. A!
    Ich bedaure sehr, dass Sie bisher so hohe Buch-Verluste gemacht haben.
    Grundsätzlich ist es meiner Erfahrung nach keine optimale Anlagestrategie, in Einzelwerte zu investieren, sofern Sie nicht mehrere Millionen an freiem Kapital haben und in etliche Werte (also auch Immobilien u. ä.) diversifizieren können. Diversifizierung ist (das wurde bereits ca. 1970 auch theoretisch nachgewiesen) außerordentlich wichtig.

    Und: Es gibt viele Bereiche, in denen es sich lohnt, der erste zu sein. Beim Aktienkauf gilt dies m. E. fast nie. Bitte bedenken Sie immer, wer "auf der anderen Seite" sitzt: Professionelle Händler, die den ganzen Tag nichts anderes tun als mit Aktien zu handeln.
    Sind Sie sicher, dass Sie mit diesen Profis auf Augenhöhe sind?
    Es gibt ein paar sehr gute (und sehr viele schlechte) Bücher über Aktienhandel, Finanzplanung usw. Ein m. E. sehr gutes ist bei Wiley von Brent Penfold (hat nichts mit dem australischen Wein-Label zu tun ;-) erschienen. Nicht ganz billig aber sehr erhellend.

    Wenn Sie Zeit haben, vergessen Sie einmal ein paar Wochen den Kurs der Commerzbank-Aktie und lesen Sie ein gutes Buch.

    Die EINFACHSTE Art, an der Börse Geld zu verdienen, ist oft, GAR NICHT erst zu kaufen, bevor Sie genau wissen, was Sie tun oder bessser nicht tun wollen.

    Für die Zukunft alles Gute und (mehr) Erfolg!

  • Hallo Herr A.,
    Sie werfen sich vor, zur falschen Zeit gekauft/verkauft zu haben. Hinterher ist man immer schlauer! Wer kann vorher wissen, wie die Kurse sich entwickeln werden? Wenn man die widersprüchlichen Analysten Meinungen liest, erkennt man, dass eine eindeutige Vorhersage tatsächlich unmöglich ist. Auch manche schlaue Regel wie z.B. Stop-Loss erweist sich als trügerisch. Wenn man mehrmals ausgestoppt wird, sammeln sich viele kleine Verluste zu einem großen Verlust. Ich habe mit "aussitzen" bessere Erfahrungen gemacht. Allerdings kann das auch böse enden, wie ich mit Aktien der HRE leidvoll erfahren musste. Seitdem kaufe ich von einer Aktie nur noch so viel, dass ich einen Totalverlust notfalls verkraften kann. Das Nachkaufen habe ich mir abgewöhnt, was nicht ganz einfach war. Ich würde dann noch eher eine ähnliche Aktie kaufen. Wenn z.B. die Coba stark gefallen ist, könnte man Deutsche Bank kaufen, falls diese auch gerade billig ist. Aber auch das ist riskant, weil die Branchen oft im Gleichklang laufen. Daher lieber eine Aktie aus einem ganz anderen Bereich kaufen oder einfach eine Weile gar nicht handeln. Das meiste Geld habe ich damit verdient, dass ich auf Käufe, die mir zunächst vielversprechend erschienen, verzichtet habe. Wenn man große Verluste erlitten hat, ist es gut, eine Pause einzulegen und seine Gedanken zu sammeln. Auf keinen Fall aus der Emotion heraus handeln. Das schlimmste aber ist, wenn man sich wegen "Fehlentscheidungen" Vorwürfe macht. Man hat sein Bestes gegeben. Wenn es dann anders kommt, ist es eben Schicksal, das man annehmen muss.

  • Lieber Herr A,

    Ihnen sei das Buch eines 1999 verstorbenen Börsenspekulaten empfohlen. Es heisst "Die Kunst über Geld nachzudenken".
    Sie haben so ziemlich alles falsch gemacht was man falsch machen kann. Einge Beispiele die mir spontan einfallen. a) Breite Streuung von Aktien / Vermeidung von Einzelaktien b)mit dem Alter abnehmende Risikobereitschaft. c) auf Finanzberater hören. Hierzu ein kleiner Auszug aus dem oben erwähnten Buch (frei): "Hallo Herr Bankberater ich möchte was mit meinen IBM Aktien machen" Bankberater:"Sehr gute Entscheidung, sie notieren sehr hoch. Verkaufen ist das richtige!". "Aber Herr Bankberater, eigentlich wollte ich nachkaufen" "Nachkaufen! Ja, was für eine exzellente Entscheidung". Der Berater ist nur an der Transaktion und nicht an ihrem Gewinn interessiert. Denn d) schmeisse nie gutes Geld schlechtem hinterher. e)Finanzaktien in der größten Finanzkrise seit Jahrzehnten kaufen? Was sie doch richtig gemacht haben: Auf Ihre Frau gehört.

    Grüße, ihr ebenfalls (nicht ganz so) Leid geplagter Kollege

  • Was mir beim Beitrag auffällt:
    Der Herr hat ein "Paar" Aktien gekauft - 2 sind ja nicht viel, stimmt aber mit dem Text nicht überein. Dann lese ich "haussieren", bedeutet eigentlich steigender Wert/Preis, aber vermutlich meint er hausieren - also von Haus zu Haus gehen.

  • Ok, Dr.A. spekuliert gerne - denn nichts anderes ist der Kauf einer fallenden Aktien - hat keine konsequente Strategie für das Management von Preisschwankungen, und hat es verabsäumt einen Gewinn von 15% im März einzustreichen. Was das Ganze mit der Geschäftspolitik der Commerzbank zu tun hat geht mir nicht auf. Es ist halt zutiefst menschlich, negative Erfahrungen auf andere zu projektieren. Lustig wäre ein update dieses Artikel, wenn die Coba Aktie vielleicht doch mal wieder bei 3 Euro steht. Wer dann wohl das Verdienst, für den Gewinn des Dr. A zugesprochen bekommt?

  • Also...spätestens seit die Commerzbank die Dresdner gekauft hat, hätte jeder langfristig orientierte Investor die Finger davon lassen müssen. Wer dennoch einsteigt, sollte das nur mit Summen machen, die er auch genauso gut aus dem Fenster werfen könnte.

  • es gibt "zufriedene" mit 2,5%, es gibt Verlierer , die nachkaufen und immer in ein fallendes Messer greifen, es gibt Hasen, denen man das Fell zweimal über die Ohren ziehen kann, nur Rechner scheinen außer Mode ;)
    Man kann aber auch den Verstand einschalten und erkennen: Bei Kursen zu 25% des Buchwertes mit staatlicher Stütze - was soll da passieren? 70Mrd für eine völlig unbekannte "HRE" waren da, warum sollten keine 9Md "Stütze" für die zweitgrößte Privatbank da sein?
    Zumal die Coba diese bereits zurückzahlt. Könnte sie aber nicht, wenn keine Gewinne fließen würden. 2...5Md Rückzahlungen an den SoFFin würden, wenn es "Gewinn wäre" ein KGV von 3-5 ausmachen. Na, hats geklingelt?

  • Das Ganze passiert nicht in dem Maße, wenn Löhne, Gehälter Vermögen UND ARBEIT gerechter verteilt werden und statt in Wertpapapiere in Menschen investiert wird.

    Capitalism sucks!

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