Continental bleibt der Liebling der Analysten
Reifenhersteller rollen in viele Depots

Mächtige Hauptkunden, eine schwache Automobilkonjunktur und steigende Rohstoffpreise sind eigentlich kein gutes Szenario für die Aktien der Reifenbranche. Dennoch zeigen sich viele Analysten optimistisch.

HB FRANKFURT. „Die Reifenhersteller sind durch das Geschäft mit dem Privatkunden – also dem Ersatzgeschäft – weniger abhängig von konjukturellen Schwankungen“ als andere Zulieferer, sagt Rolf Woller, Autoanalyst der Hypo-Vereinsbank. Zweiter wichtiger Grund für die Zuversicht ist, dass Bridgestone, Michelin, Continental und Co. im Gegensatz zur Rabattschlacht auf dem Automarkt einen Preiskrieg bislang sorgsam vermieden haben. „Die Preisdisziplin in der Branche ist sehr hoch“, betont Fredrik Westin, Autoanalyst der WestLB.

In den vergangenen Jahren ist es den Firmen immer wieder gelungen, Preiserhöhungen am Markt durchzusetzen und damit ihre Renditen und den Aktienkurs zu beflügeln. So hat der US-Marktführer Goodyear allein in den vergangenen 16 Monaten die Preise vier Mal den höheren Kosten angepasst, Konkurrent Bridgestone verlangt für seine Reifen seit einigen Wochen auf dem größten Automobilmarkt der Welt acht Prozent mehr für seine Produkte. Möglich wird dies durch die Struktur der Branche. Die drei größten Anbieter Michelin, Goodyear und der japanische Bridgestone-Konzern teilen sich 56 Prozent des Weltmarktes, die Verfolger Continental und Pirelli teilen sich ein wei-teres Sechstel. Zur Macht der Automobilhersteller bilden sie daher ein deutliches Gegengewicht.

Am wenigsten ist die Continental AG aus Hannover den konjunkturellen Schwankungen unterworfen. Sie ist auch der Favorit der meisten Analysten. Conti profitiert davon, dass das Unternehmen längst kein reiner Reifenproduzent mehr ist. Mit Fahrzeugkomponenten wie ESP und ABS profitiert der Konzern auch bei langsam steigender Nachfrage vom ständig steigenden Ausstattungsgrad dieser Systeme, die längst den Weg bis hin zu den Kleinwagen gefunden haben. Acht von zehn bei Bloomberg registrierten Analysten sehen Conti als Kauf, zumal das Unternehmen nach Rekordjahren in Folge für 2005 erneut einen Spitzenwert beim Ergebnis angekündigt hat. Dass die Conti-Aktie bereits in den vergangenen beiden Jahren der am deutlichsten gestiegene Dax-Wert war, stört nicht. Denn beispielsweise Patrick Juchemich von Sal. Oppenheim prognostiziert bis zum Jahr 2007 eine weitere Steigerung des operativen Ergebnisses um etwa 50 Prozent gegenüber 2004.

Dass die Aktie nach Veröffentli-chung der Rekordzahlen für das erste Quartal erst einmal deutlich nachgegeben hat, zeigt aber auch, dass das Risiko durch Gewinnmitnahmen steigen könnte. Begründet wurde der Kursknick aber auch damit, dass die Wachstumsdynamik etwas nachgelassen hat.

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