Corrections Corporation betreibt 60 Haftanstalten
Privater US-Gefängnisbetreiber gilt als Wachstumswert

Angesichts dramatisch steigender Insassenzahlen sind viele staatliche Haftanstalten überfüllt. Doch statt in die Freiheit wandern die Häftlinge inzwischen verstärkt in private Gefängnisse. Die meisten davon gehören der Corrections Corporation of America

HOUSTON. Nichts raubte der Milliardärs-Ikone Dagobert Duck so gründlich den Schlaf wie die Sorge um seinen geliebten Geldspeicher – und die Vorstellung, dass die Gefängnisse eines Tages zu voll sein könnten, um die Panzerknackerbande auf Lebzeiten hinter Schloss und Riegel verschwinden zu lassen. Genau das passiert derzeit in den USA.

Die meisten davon gehören der Corrections Corporation of America (CCA), die vor 20 Jahren als erstes nichtstaatliches Unternehmen in die US-Gefängnisbranche einstieg und inzwischen als privater Marktführer rund 55 000 Betten in 60 Haftanstalten besitzt – mehr als die meisten Bundesstaaten. Die Firma aus Tennessee baut und verwaltet ihre eigenen Gefängnisse und übernimmt dann im Auftrag der Justiz die Insassen. Während deren Strafdauer kümmert sich CCA zum Beispiel um Ausbildungsprogramme, Gesundheitsfürsorge und Drogenentzug. An der Verurteilung oder Strafverfolgung ist das Unternehmen dagegen nicht beteiligt.

Das Auslagerungskonzept hat sich bewährt. Im Bundesstaat Texas etwa gehört jeder zehnte Gefängnisplatz inzwischen nicht mehr dem Staat, sondern Privatunternehmen wie CCA oder dem Konkurrenten Cornell Companies. Die Unterbringung und Resozialisierung von Straftätern hat sich zum lukrativen Geschäft entwickelt: Etwa 2,2 Millionen Häftlinge sitzen zurzeit hinter amerikanischen Gittern, davon etwa fünf bis sechs Prozent in privaten Anstalten.

Experten schätzen, dass sie den Betreibern rund zwölf Dollar Rendite pro Tag einbringen. „Wann immer tausend neue Häftlinge in CCA-Gefängnisse kommen, bringt das dem Unternehmen einen zusätzlichen Gewinn nach Steuern von rund zehn Cent pro Aktie“, rechnet Analyst Jeffrey Kessler von Lehman Brothers vor. „Und als führendes Unternehmen der Branche mit starken Fundamentaldaten bleibt CCA deshalb ein interessanter Wert.“

Das zeigt sich auch in der aktuellen Quartalsbilanz: CCA verdiente deutlich mehr, als Analysten erwartet hatte. Der Quartalsumsatz stieg um rund 10 % auf 254 Mill. $. Die Aktie verbilligte sich zwar, war aber bereits vorher sehr gut gelaufen und hatte Mitte Juli bereits einen Jahreshöchststand von etwa 27 $ erreicht und damit ihren Wert binnen Jahresfrist mehr als verdoppelt.

Ein Ende des Geschäftszuwachses ist nicht abzusehen. Experten schätzen, dass bis 2006 etwa 50 000 bis 60 000 Häftlinge pro Jahr hinzukommen werden. „Die Landesregierungen und Staatsbehörden brauchen ständig mehr Platz, um ihre Insassen und die neu Verurteilten unterzubringen“, sagt Analyst Rick Nelson von der Investmentbank Morgan Joseph. „CCA hat noch etwa 8 000 verfügbare Betten und ist damit in einer hervorragenden Position, diesen Bedarf aufzufangen.“ Anders als die staatlichen Einrichtungen ist CCA nicht an ein vorgeschriebenes Verfahren gebunden, wenn Dienstleistungen und Waren von Dritten eingekauft werden. Deshalb kann das Unternehmen besser vom freien Wettbewerb profitieren als die Staatsgefängnisse.

Nelson empfiehlt Anlegern deshalb den Kauf der CCA-Aktie und teilt somit die optimistische Einschätzung seiner Kollegen: Drei der vier Anlageurteile, die die Nachrichtenagentur Bloomberg verzeichnet, lauten auf „kaufen“ eines auf „halten“. John Dorfman, Präsident des Bostoner Finanzberaters Dorfman Investments, nahm CCA in seine Liste der „Perfekten Zehn“ auf, die wenig bekannte und viel versprechende US-Aktien benennt. Er lobt unter anderem das günstige Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund zehn, während das durchschnittliche KGV an der Wall Street bei etwa 15 liege.

Die Expansion birgt allerdings auch Risiken. „Vorläufig ist der Staat, also der Kunde von CCA, finanziell angeschlagen und kann es sich kaum leisten, selbst neue Gefängnisse zu bauen“, sagt Andrew May vom Bankhaus Jefferies & Co. „Aber falls die Kunden in Zukunft fortbleiben, werden die privaten Unternehmen nur wenige Alternativen für ihre Gebäude haben. Schließlich kann man ein Gefängnis nicht einfach als Einkaufszentrum nutzen.“ Trotzdem hält er CCA für eines der am besten aufgestellten Unternehmen der Branche: „Es hat einen Vorsprung dank seiner finanziellen Stabilität und vor allem durch die jahrzehntelange Erfahrung.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%