Covestro-Börsengang
Ein Schnäppchen für die Anleger?

Mit Covestro könnte das größte deutsche Börsendebüt der vergangenen 16 Jahre bevorstehen. Lohnt es sich für die Anleger zuzugreifen? Viele Details sind noch offen. Und der Konzern muss an einigen Baustellen arbeiten.

FrankfurtWenn alles nach Plan läuft, wird Bayer in einigen Wochen einen neuen eigenständigen Chemiekonzern am Kapitalmarkt platzieren. Noch im 4. Quartal will der künftige Life-Science-konzern Bayer seine Kunststofftochter Covestro im Wege eines IPO an die Börse bringen.
Lohnt es sich für Investoren, sofort zuzugreifen? Diese Frage lässt sich aus aktueller Sicht noch überhaupt nicht beantworten. Denn Bayer hat außer dem Plan an sich praktisch noch kaum Details offengelegt. Weder ist bekannt, wie Bilanz und Grundkapital von Covestro strukturiert sind, noch wie viele Aktien zu welchem Preis der Kunststoffhersteller bei seinem IPO platzieren will.
Nur soviel gab Bayer bisher bekannt: Die Aktien sollen von Covestro selbst angeboten und der Erlös aus der Emission zur Tilgung von Schulden gegenüber Bayer genutzt werden. Das heißt: Bayer selbst verkauft keine Aktien. Der Anteil von Bayer wird aber, je nach Menge der platzierten Aktien, deutlich sinken.

Nach der Rückzahlung dieser Schulden soll Covestro noch eine Nettofinanzverschuldung inklusives Pensionsverpflichtungen von etwa dem 2,5- bis dreifachen des bereinigten Betriebsgewinns vor Abschreibungen haben, das heißt Finanzrelationen, die ein Investmentgrade-Rating erlauben. Das wiederum dürfte auf eine Verschuldung in der Größenordnung von 3,7 bis 4,5 Milliarden Euro hinauslaufen.

Aus der jüngeren Geschäftsentwicklung von Covestro bzw Bayer Material Science lassen sich folgende Schätzungen für eine Bewertung ableiten: Der Bayer-Teilkonzern konnte – nach einer längeren Schwächephase - im ersten Halbjahr 2015 seinen Betriebsgewinn (Ebit) um die Hälfte auf knapp 500 Millionen Euro, und seinen Betriebsgewinn vor Abschreibungen (Ebitda) um 46 Prozent auf 930 Millionen Euro. Auch im Gesamtjahr dürfte sich das Ergebnis deutlich verbessern. BMS profitiert vom starken Dollar, niedrigen Rohstoffkosten und einer stärkeren Nachfrage nach Polycarbonat, einem der Hauptprodukte der Sparte. Ihre Kapitalkosten soll die Sparte erstmals seit einigen Jahren wieder verdienen. Analysten erwarten das Ebitda bei Werten von 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro, und damit etwa 30 Prozent über dem Vorjahreswert.

Geht man von aktuellen Bewertungen von Konkurrenzunternehmen wie BASF, Evonik oder Huntsman aus, könnte Bayer auf einen Unternehmenswert, das heißt einem Wert auf schuldenfreier Basis („enterprise value“), von etwa dem Achtfachen Ebitda hoffen. Das würde auf einen Wert von um die zwölf Milliarden Euro hinauslaufen. Zieht man davon die anvisierte Verschuldung von 3,7 bis 4,5 Milliarden Euro ab, würde sich ein Eigenkapitalwert bzw künftiger Börsenwert von etwa 7,5 bis acht Milliarden Euro nach dem IPO errechnen.

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