Covestro und Scout24 gehen an die Börse
Neuemmissionen läuten heißen Herbst ein

Bisher haben sich Unternehmen mit einem Börsengang zurückgehalten. Zu unsicher schien das wacklige Marktumfeld. Das könnte sich ändern: Mit Covestro und Scout24 drängen zwei Riesen an die Börse. Kleinere könnten folgen.

FrankfurtGanze 14 deutsche Unternehmen haben in diesem Jahrtausend mehr als eine Milliarde Euro bei ihrem Börsengang eingesammelt. In den nächsten Wochen könnten mindestens zwei hinzukommen. Die eben erst abgespaltene Kunststoff-Sparte von Bayer, Covestro, werde schon am Freitag ihre Pläne öffentlich machen, sagten mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Mit einem Emissionsvolumen von zwei bis drei Milliarden könnte Covestro sogar den größten Börsengang seit dem Boom von 2000 hinlegen. Seither hatte nur der Motorenbauer Tognum 2007 die Marke von zwei Milliarden Euro übertroffen.

Eine ganze Handvoll Unternehmen steht in den Startlöchern, um sich auf den Weg an die Börse zu machen. Auch die Online-Kleinanzeigenbörse Scout24, die mehrheitlich den Finanzinvestoren Hellman & Friedman und Blackstone gehört, hat schon konkrete Pläne: Anfang der nächsten Woche solle die Ankündigung offiziell gemacht werden, nach der es in der Regel noch vier Wochen dauert, bis die Aktie an der Börse gehandelt wird, sagten Insider. Die Eigentümer hoffen auf eine Bewertung von mehr als vier Milliarden Euro.

Vor einem Jahr hatte Scout24 seine Börsenpläne angesichts der wackligen Märkte auf Eis gelegt. Und auch diesmal sahen Investmentbanker schwarz, als der deutsche Leitindex Dax Ende August wegen der Turbulenzen an den chinesischen Börsen an einem Tag um fast fünf Prozent einbrach. Kräftig auf und ab geht es immer noch: „Die Volatilität erschwert die Preisfindung“, räumt Armin von Falkenhayn, Deutschland-Chef von BofA Merrill Lynch, ein. „Aber wir sind zuversichtlich, dass sich die Märkte so stabilisieren, dass Börsengänge möglich sind.“ JPMorgan-Investmentbanker Stefan Weiner sagt: „Wenn der (Volatilitäts-Index) VIX weiter fällt, sollte dem Gelingen einer Reihe von Börsengängen in Deutschland nichts entgegenstehen.“

Denn der Hunger der Anleger sei unverändert groß. „Viel wichtiger ist das Feedback, das wir von Investoren bekommen“, sagt Klaus Fröhlich von Morgan Stanley. „Sie sagen, dass sie weiter bereit sind, in IPOs zu investieren.“ Gerade Hedgefonds, eine Stütze vieler Börsengänge, haben massive Mittelzuflüsse.

Große Börsenkandidaten hätten es aber leichter – so müssen sich Covestro und Scout24 weniger Gedanken über den richtigen Zeitpunkt machen als etwa der Lkw-Zulieferer Jost-Werke, den der Finanzinvestor Cinven in den nächsten Wochen an die Börse bringen will. „Wenn sich bei den an die Börse drängenden Dickschiffen erst einmal eine positive Entwicklung abzeichnet, wird das allen Mut geben“, glaubt Investmentbanker Fröhlich. Der Automobil-Entwickler Edag kann sich laut Bankern ebenso einen Börsengang im Oktober oder November vorstellen wie die Gewerbeimmobilien-Firma Aurelis oder der Baustoff-Hersteller Xella. Die in den Startlöchern sitzende Hamburger Reederei Hapag-Lloyd, die ebenfalls das Potenzial zum Milliarden-Börsengang hat, ist ein Sonderfall: Sie ist wie kaum ein anderer Börsenkandidat von der Konjunktur in China abhängig.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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