Daimler und seine Aktionäre
Würstchen mit Kartoffelsalat

Marek Dutschke ist Grüner und wenig überzeugter Kapitalist. Was hat so einer auf der Hauptversammlung von Deutschlands Premium-Autohersteller Daimler zu suchen? Ein Bericht über einen Tag voller Überraschungen.
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BerlinVorweg möchte ich feststellen: Ich bin erstens Grüner, genauer gesagt eine ökologisch-grüne Parteileiche, die an die Idee glaubt, aber sich politisch nicht mehr aktiv einmischt. Und ich bin zweitens ein halber Amerikaner, einer der teilweise in Amerika aufgewachsen ist und sich in Deutschland etwas patriotisch entwurzelt fühlt. Ich schicke dies voraus, damit Sie wissen: Ich bin kein eingefleischter Daimler-Aktionär. Eher das Gegenteil. Dennoch bin ich heute auf der Hauptversammlung.

In regelmäßigen Abständen erhalte ich die Mitgliederzeitschrift von den Grünen, den „Schrägstrich“. Darin liegen Broschüren, die uns Grünen helfen sollen, unsere Ersparnisse besser anzulegen. Die Broschüre von Ökovision gibt an, zu „wollen, dass du dein Geld ethisch + ökologisch anlegst“. Green City Energy bläst ins grüne Horn mit der Kampfansage „Wer die Energiewende wirklich will, kann jetzt etwas dafür tun! Beteiligen Sie sich am Kraftwerkspark II“.

Nun konnte man bis zum letzten Jahr die verlockenden Angebote aus der Post direkt in den Mülleimer werfen und sich fragen, ob denn irgendjemand Investitionen auf Grund einer Postwurfsendung tätigt. Das ist inzwischen anders. Jetzt ist es so, dass die Niedrigzinspolitik der EZB zu einer Flut an billigem Geld in Europa geführt hat, und der arme Kleinsparer um seine Ersparnisse fürchten muss. Die Leitfrage 2015 lautet also „How to save it“. Was also soll ich tun?

Die Anlagemöglichkeiten bei regenerativen Energieträgern habe ich ehrlicherweise nicht verstanden. Mein Internetkontoanbieter sendet mir regelmäßig Emails mit der Ankündigung weiterer Absenkungen in der Verzinsung. Wir könnten noch auf die Kinder hoffen, etwa dass mein Sohn Fußballprofi wird und mich im Alter absichert. Meine Ehefrau setzt ganz stark auf das Rechengenie unserer Tochter.

Aber Plan B ist sicherer. Plan B heißt: Ich wendete ich mich schließlich doch dem Aktienmarkt zu. Man kann ja nie wissen. In Deutschland gelten Aktien als riskant. Im letzten Jahr hatten nur 8,4 Millionen Menschen – also rund 13 Prozent der Bevölkerung – Geld in Aktien oder Aktienfonds angelegt. Warum das so ist, konnte ich als Teil-Amerikaner nie so richtig verstehen, es muss diese German angst vor dem Risiko sein.

Kommentare zu " Daimler und seine Aktionäre: Würstchen mit Kartoffelsalat "

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  • Wer ist denn überhaupt Marek Dutschke, dass er hier einen Artikel schreiben darf?
    Und wenn Daimler "deutsch" aussieht: Bitte sehr! Mir z.B. ist die VW-Werbung viel zu amerikanisch. Und ganz lächerlich wird es wenn sich "Skoudä--simply clever>" vorstellt. Richtig müsste es "SCHKODA" heissen.

  • Interessantes Experiment von HB-online. Man lässt einen als Grünen verkleideten Neo-Kommunisten die Aktionärsversammlung von Daimler in Berlin kommentieren.
    Lustig, aber was ist die "message"?

    Vielleicht liegt´s am genuis loci in Berlin. Die Stuttgarter Veranstaltungen waren besser, das Publikum auch.

  • Starker Artikel!

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