Dank guter Wachstumsaussichten gilt die Aktie als grundsolide
Nestlé schwimmt bei Analysten oben auf

Dank guter Wachstumsaussichten des Konzerns zählt die Nestlé-Aktie zu den Gewinnern an der Züricher Börse. Ende August erreichte das Papier mit über 200 sfr den seit Januar höchsten Wert. Dazu hat auch der heiße Sommer beigetragen.

FRANKFURT/M. Die Schweizer gelten gemeinhin als grundsolide. Nestlé, der größte Nahrungsmittelkonzern der Welt, bildet dabei keine Ausnahme. Der Gewinn des Schweizer Konzerns ging zwar im ersten Halbjahr auf 2,72 Mrd. sfr (1,76 Mrd. Euro) im Vergleich zu 5,66 Mrd. sfr im gleichen Zeitraum des Vorjahres zurück. Doch das Ergebnis des ersten Halbjahres 2002 war durch Sondereffekte beeinflusst – den Börsengang der Tochtergesellschaft Alcon (Augenpflegemittel) und den Verkauf eines Geschäftes für Lebensmittelzutaten. Werden diese Effekte berücksichtigt, erzielte der Konzern ein um knapp 5 % höheres Ergebnis.

Nach Ansicht von Patrick Hasenböhler, Analyst der schweizerischen Privatbank Sarasin, hat die unübliche Hitzewelle in Europa die Verkäufe von Speiseeis und Wasser stark angekurbelt. „Dies wird einen positiven Effekt auf das Volumenwachstum im dritten Quartal haben“, sagt Hasenböhler. Allerdings sei Nestlé „geographisch sehr breit diversifiziert“ – und in manch anderen Regionen war weniger gutes Wetter. Die Umsatzzahlen bestimmter Geschäftszweige wie „Confectionery“ (Süßwaren) seien durch den Rekordsommer sogar negativ beeinflusst worden. Und für den Aktienkurs spiele der „unterm Strich leicht positive Effekt“ des Sommers „nur beim Momentum eine Rolle“.

Das meint auch Kollege Michael Otto. Nach Einschätzung des Analysten von Helaba Trust erkennen „Anleger, dass es sich um ein einmaliges Erlebnis handelt. Bei einem verregneten Sommer wäre der Kurs vermutlich auch nicht eingebrochen“. Die Hitzewelle habe vor allem den „Mineralwasserabsatz in Deutschland stark beflügelt, wovon die Schweizer auf Grund des Zwangspfandgesetzes jedoch nur unterproportional profitieren“.

Wenn man wie Nestlé in einem Wachstumsmarkt wie Wasser die Nummer eins sei, „ist das natürlich ein äußerst attraktives Geschäftsfeld“, unterstreicht Hasenböhler. Nach einer Studie von ihm ist Nestlé mit einem Marktanteil von rund 17 % Weltmarktführer. Der Konzern habe 77 verschiedene Wassermarken in 107 Produktionsstätten abgefüllt, in 130 Ländern verkauft und beschäftige mehr als 25 000 Mitarbeiter. Schon 1969 waren die Schweizer mit einer 30 %igen Beteiligung an Vittel in das Wassergeschäft eingestiegen. Ein weiterer entscheidender Schritt sei dann im Jahr 1992 die Übernahme von Perrier gewesen.

Das Wachstumspotenzial für den Wassermarkt beziffert Hasenböhler auf acht bis neun Prozent in den nächsten Jahren. Gründe dafür seien beispielsweise das steigende Gesundheitsbewusstsein der Amerikaner, „die vermehrt von süßen Getränken zu Wasser switchen“ oder die steigende Nachfrage in Entwicklungsländern. Michael Otto prognostiziert sogar eine Wachstumsrate für Wasser, „bis zu zwölf Prozent“. Gleichwohl ist der Helaba-Trust-Experte weniger optimistisch: „Die als defensiv einzustufende Nahrungsmittelbranche stimmt mich zur Zeit überhaupt nicht euphorisch.“ Gerade Nestlé schleppe „Bereiche mit unterdurchschnittlichem oder keinem Wachstum“mit sich.

Bremsend wirke etwa der Bereich Heimtierfutter: Von der Übernahme des amerikanischen Konzerns Ralston im Jahr 2001 habe sich Nestlé mehr versprochen. Die Margen für Heimtierfutter sollten angehoben und die Produkte europaweit ausgerollt werden. „Der hiesige Markt nimmt diese Preise aber nicht an“, sagt Otto. Hasenböhler sieht das anders: Wie „all die anderen großen Nahrungsmittelaktionäre“ sei Nestlé „per se solide“. Anders als etwa in der Computerbranche „werden Nahrungsmittel immer nachgefragt – auch in Rezessionen“, sagt er. Die Nahrungsmittelbranche sei „weitgehend Konjunktur unabhängig“.

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