Dank Zinspolitik der Fed
So viel Geld für Aktienrückkäufe wie nie zuvor

Der zögerliche Kurs der Fed beim Thema Zinswende hat in den USA viele Analysten verärgert. Doch am Ende könnten die Anleger sich freuen: Es wird erwartet, dass Unternehmen Rekordsummen bei Aktienrückkäufen investieren.

New YorkFür Anleger am amerikanischen Aktienmarkt könnte sich Janet Yellens Zögern bei der US-Zinswende auszahlen. Denn dass die Chefin der Notenbank Fed bislang höhere Zinsen scheut, treibt Anlagestrategen zufolge den Boom bei Aktienrückkäufen und Sonderdividenden kräftig an. Der Grund ist eine einfache Rechnung für die US-Konzerne: Die auf Pump finanzierten Ausschüttungen sind billiger als klassische Dividendenzahlungen. In diesem Jahr haben US-Firmen auf diesem Weg bereits Milliardensummen an ihre Anteilseigner ausgezahlt.

Nun hat die US-Notenbank dafür gesorgt, dass geliehenes Geld vorerst billig bleibt: Aus Rücksicht auf den schwächelnden Wirtschaftsriesen China und die unsicheren Aussichten für die globale Konjunktur hatte die Fed vergangenen Donnerstag auf die erste Erhöhung der Zinsen seit fast zehn Jahren verzichtet und sie auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent belassen. Die meisten Experten rechnen nun erst für Dezember mit einer strafferen Geldpolitik.

Unternehmen seien derzeit deswegen in einer Art „Nirwana“ was die Aufnahme von Fremdkapital angehe, sagt ein Anleihespezialist aus den USA. Insgesamt könnten die im US-Index S&P 500 gelisteten Firmen in diesem Jahr rund 897 Milliarden Dollar für den Kauf eigener Papiere bereitstellen, rechnet Analyst Robert Leiphard vom Analysehaus Birinyi Associates vor. Das würde den bisherigen Rekordwert von 863 Milliarden aus dem Jahr 2007 toppen. Einige Analysten rechnen wegen der verschobenen Zinswende sogar mit noch höheren Summen.

Dem Portfolio-Strategen Scott Kimball vom Vermögensverwalter Taplin, Canida und Habacht zufolge haben sich für diejenigen, die in Erwartung höherer Zinsen ihre Aktienrückkäufe zurückfahren wollten, nun wieder Spielräume eröffnet. Gleichzeitig bleibe die Nachfrage nach Unternehmensanleihen hoch, betont Bond-Analyst Hans Mikkelsen von Bank of America Merrill Lynch. Anleger gingen zunehmend davon aus, dass die Fed die Zinswende sogar länger als bis Dezember hinauszögern werde. Damit schwinde die Aussicht, dass Staatspapiere auf absehbare Zeit eine erkleckliche Rendite abwerfen.

Firmen wie Apple oder MetLife, die auf hohen Bargeld-Reserven sitzen, nehmen deshalb lieber weitere Schulden auf, um eigene Aktien zurückzukaufen. Trotz der Zinsbelastung geht die Rechnung für diese Unternehmen derzeit auf: Bond-Analysten zufolge zahlt ein Mitglied der ersten Börsenliga derzeit rund 2,2 Prozent Zinsen für eine Anleihe mit fünf Jahren Laufzeit, hingegen kosteten Dividendenzahlungen rund drei Prozent jährlich.

Zudem sind Gehalt und Bonuszahlungen bei den Managern oft an die Entwicklung des Aktienkurses gebunden. "Kurzfristig erzeugt der Rückkauf eine höhere Nachfrage, auch wenn die Aktie an sich überhaupt nicht attraktiv ist", sagt Index-Analyst Howard Silverblatt von S&P Dow Jones. Denn kauft ein Unternehmen an der Börse eigene Aktien zurück, wird die Anzahl der umlaufenden Stücke verringert. Würden die Papiere komplett aus dem Verkehr gezogen, hübsche dies Kennzahlen wie das Ergebnis je Aktie auf, erläutert Silverblatt.

Auf längere Sicht haben sich die Aktien der Firmen mit den meisten Rückkäufen jedoch nicht besser entwickelt als der Gesamtmarkt. Betrachtet man den S&P Buyback-Index, in dem die 100 Unternehmen mit den höchsten Rückkaufraten vertreten sind, hat dieser seit Jahresbeginn 6,8 Prozent verloren. Der Hauptindex S&P 500 büßte dagegen nur 5,6 Prozent ein.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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