Das Unternehmen könnte Präsenz im Ausland noch stärker ausbauen
Beiersdorf ist vielen Analysten zu teuer

Am Mittwoch treffen sich die Top-Manager des Münchener Versicherungsriesen Allianz und der Hamburger Tchibo Holding AG, um über ihre weiteren Pläne in Sachen Beiersdorf AG zu sprechen. Hintergrund ist, dass der Hamburger Kaffeefilialist (Tchibo, Eduscho) an der Aufstockung seiner 30 %igen Beteiligung an Beiersdorf auf eine Mehrheit interessiert ist. Objekt des Begehrens ist das 43,6 %ige Aktienpaket, das die Allianz an dem Nivea-Hersteller hält. Möglicherweise werden bei diesen Gesprächen bereits ersten Preisvorstellungen ausgelotet.

HAMBURG. Fraglich ist, ob sich die Parteien hierbei an dem aktuellen Börsenkurs orientieren. Die Notierung stieg gestern leicht um 1,6 % auf 110,60 Euro. Dies entspricht einem aktuellen Börsenwert von rund 9,3 Mrd. Euro. Tchibo wird wahrscheinlich nur einen Preis zahlen wollen, der keine Spekulationsprämie erhält und sich an dem fairen Wert orientiert. Dieser bewegt sich nach Meinung der vom Handelsblatt befragten Aktienanalysten zwischen 90 und 110 Euro. Das untere Ende von 90 Euro, verbunden mit einer Verkaufsempfehlung nennt Daniela Dörr vom Bankhaus Metzler. Nach ihrer Einschätzung wird der derzeitige hohe Kurs durch die jüngst reduzierten Wachstumsprognosen von Beiersdorf nicht gerechtfertigt. Nach wie vor hält sie es für zu gefährlich, auf eine Übernahmeprämie zu spekulieren.

Michael Mantlik von der Vereins- und Westbank kann den Wert von 90 Euro nachvollziehen. „Er entspricht einem Kurs-Gewinn–Verhältnis von 25“, kommentiert der Analyst. Da Mantlik Beiersdorf aus historischen Gesichtspunkten höher einstuft, kommt er auf einen fairen Wert von 98 Euro. UBS Warburg nennt hingegen einen Wert von 105 Euro pro Aktie und die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim von 110 Euro.

Die beiden letztgenannten Bankhäuser haben den Wert deshalb so hoch angesetzt, weil sie mehr Stärken als Schwächen für den Markenartikelhersteller Beiersdorf sehen. Susanne Seibel, Analysten bei UBS Warburg in London: „Die Stärken von Beiersdorf liegen vor allem im Markenportfolio mit Nivea, Hansaplast und Tesa. Hier ist das Unternehmen gut aufgestellt. Vor allem der Einzelhandel in Deutschland und Europa setzt auf die Beiersdorf-Marken, weil sie über ein starkes Profil verfügen.“

Petra Meyer von Sal. Oppenheim lobt vor allem die Expansionsstrategie auch auf Auslandsmärkten. „Beiersdorf will kein Wachstum um jeden Preis. Beispiel sind hierfür die USA. Denn das Unternehmen will dort nicht ähnliche Enttäuschungen erleben, wie beispielsweise Henkel, das ein Joint Venture mit dem Waschmittelproduzenten Dial beendet hat.“

Dagegen sieht Susanne Seibel die Schwächen von Beiersdorf vor allem im Wachstum außerhalb Europas. So habe Beiersdorf Defizite in Nord- und Lateinamerika sowie in Asien. „Dort könnte das Unternehmen seine Präsenz noch weiter ausbauen“, meint Seibel.

Selbst die lange schwächelnde Klebebandsparte Tesa findet mittlerweile das Wohlwollen von Analysten. „Tesa hat sich nach der Ausgliederung in eine selbstständige AG besser entwickelt als erwartet und schützt jetzt die Mutter Beiersdorf in gewissem Umfang vor Übernahmen“, sagt Mantlik. Denn: Ohne Tesa wäre Beiersdorf billiger. Petra Meyer sieht dies differenzierter. Zwar habe Konzernchef Rolf Kunisch die Sparte wieder in den Griff bekommen. Aber bei einer Unternehmensbewertung sei sie mit einem kleinen Abschlag anzusetzen.

Fraglich ist indes, ob sich die Allianz letztendlich auf einen Deal mit Tchibo einlässt. Hintergrund ist, dass der Finanzkonzern auf einen deutlich höheren Preis spekuliert. zumal die Beiersdorf-Aktie nicht mehr zur Ruhe gekommen, seit es an den Märkten Gerüchte über den Verkauf des Allianz-Paketes gibt. Als Interessenten wurden neben Tchibo immer wieder der französische Kosmetikkonzern L’Oreal sowie der US-Konsumgüterhersteller Procter& Gamble (P&G) genannt. Der Pampers-Hersteller P&G hatte jüngst erklärt, dass er bei Beiersdorf keine feindliche Übernahme anstrebt. Auf diese liefe es aber hinaus, falls sich Tchibo nicht freiwillig von ihrem 30-%-Anteil an Beiersdorf trennt.

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