Dax-Ausblick: Quartalsergebnisse bestimmen den Handel
Börse im Bann der Unternehmen

Inflationsangst bleibt auch in der kommenden Woche ein Thema, fürchten einige Marktbeobachter. Andere halten die Sorgen für bereits eingepreist. Die Börse wird in den nächsten Tagen aber vor allem von Unternehmenszahlen beeinflusst.

HB FRANKFURT. Die aktuelle Korrektur an den Börsen seit Anfang des Monats wird von vielen Aktienstrategen mit der Furcht vor steigenden Zinsen begründet. Mit einem höheren Zinsniveau würden die Finanzierungskosten der Unternehmen steigen, was wiederum die Gewinne schmälert. Bereits jetzt steigen die Inflationsraten in den USA. Einige Marktakteure schließen nicht mehr aus, dass auch die bislang noch stabilen Kernraten über kurz oder lang kräftiger anziehen. In den Kernraten sind die stark schwankenden Preise für Lebensmittel und Energie nicht enthalten. "Vor allem bei den Erzeugerpreisen lauern erhebliche Gefahren für die Preisstabilität", merkt die Bankgesellschaft Berlin an. Und da die Spekulationen um stärkere Zinserhöhungen den Markt so schnell nicht verlassen dürften, könnten Anleger weitere Gewinne realisieren.

Zu denjenigen, die kräftig Gewinne mitnehmen, zählt Arnim Kogge von Ellwanger & Geiger vor allem die Hedge-Fonds. Diese sehr kurzfristig agierenden Investoren hätten nicht nur ihre Aktienpositionen aufgelöst, sondern setzten auch auf eine Baisse, also auf mittelfristig weiter fallende Kurse. Das aber könnte gefährlich werden.

Optimisten glauben an Übertreibung

Der Furcht vor steigenden Zinsen stehen durchaus Argumente für steigende Aktienkurse gegenüber: Die noch immer attraktive Bewertung vieler deutscher Titel, die Aussicht auf gute Quartalszahlen, Signale für ein anziehendes Wirtschaftswachstum, der feste Dollar und - so zumindest die Hoffnung - weiter fallende Energiepreise favorisieren die Aktien, vor allem die Wachstumstitel.

Hans-Jörg Naumer von der Fondsgesellschaft dit erwartet "nach der Übertreibung der letzten Woche nach unten" in den kommenden Tagen eine "Rückkehr der Realisten" an den Markt. Viele Investoren hätten den jüngsten deutlichen Rückgang des Ölpreises unter 60 Dollar je Barrel (rund 159 Liter) noch nicht entsprechend honoriert und sich von der grassierenden Inflationsangst anstecken lassen.

Ähnlich argumentieren die Aktienstrategen der LRP Landesbank Rheinland-Pfalz: Als Positivfaktor an den Aktienmärkten sei die Chance auf eine fortgesetzte Ölpreiskonsolidierung bisher kaum registriert worden. Das stimmt die Marktbeobachter optimistisch: "Sofern sich der aktuelle Trend fortsetzt, könnte das derzeit alles dominierende ‚Inflationsgespenst’ an Schrecken verlieren und damit wieder den Blick auf andere fundamentale Faktoren frei machen.“

"Trotz der Zinsunsicherheiten sollten die Hoffnungen auf eine Jahresend-Rally nicht begraben werden", meinen auch die Experten der Berliner Bankgesellschaft. Näheren Aufschluss über die Zinsperspektiven in den USA dürfte es erst am kommenden Freitag geben, wenn das Bruttosozialprodukt im dritten Quartal veröffentlicht wird. "Weitere Zinsanhebungen der Federal Reserve werden mittlerweile weithin erwartet und durch die BIP-Daten noch einmal bestätigt werden", erwartet die Deutsche Bank. Steigende Zinsen könnten mittlerweile sogar bereits in die Kurse eingepreist sein. Gestützt wird diese Vermutung von der Marktreaktion auf die jüngsten US-Verbraucher- und Produzentenpreise: Weder am Bond- noch am Aktienmarkt reagierten die Anleger mit Verkäufen.

Unternehmen geben weltweit Impulse

„Die Verschiebung des Fokus in Richtung der deutschen Berichtssaison könnte in den nächsten Wochen wieder verstärkt positive Impulse für den deutschen Aktienmarkt liefern“ hoffen die Marktbeobachter der LRP Landesbank Rheinland-Pfalz. Auf Basis von Einzeltitelprognosen erwarten sie für den Dax 30 eine Umsatzsteigerung um 6,5 Prozent und eine überproportionale Verbesserung des Nachsteuergewinns um 83,5 Prozent. Zwar lasse sich ein Großteil des Gewinnanstiegs auf Basiseffekte infolge hoher Abschreibungen und Restrukturierungen im Vorjahr zurückführen. Aber hohe Gewinnsteigerungsraten würden erneut die deutlich höhere Gewinndynamik gegenüber den USA unterstreichen und so die relative Wertentwicklung des deutschen Aktienmarktes in den nächsten Wochen unterstützen.

Auch international erwarten Beobachter noch positive Nachrichten. Die Zahlenflut aus den USA und Europa wird in der kommenden Woche nicht abreißen. Nachdem in der zurückliegenden Woche unter anderem Intel und Nokia den Anlegern einen Blick in die Bücher gewährt hatten, berichten in den kommenden Handelstagen unter anderem Microsoft, Boeing und Texas Instrument über das dritte Quartal. Auch viele japanische Unternehmen gewähren Einblicke in ihr Zahlenwerk. Für genügend Gesprächsstoff auf dem Parkett ist also gesorgt.

Satte Gewinne dürften sicher die Ölriesen British Petroleum und Royal Dutch Shell ausweisen. Signale für den Pharmasektor setzen GlaxoSmithKline und AstraZeneca, Alcatel für den Technologiesektor und Ahold für Europas Einzelhändler.

Geteilte Meinung über 5 000er-Marke

"In Summe dürfte sich bei den US-amerikanischen Quartalsberichten der eingeleitete Trend fortsetzen", vermuten die Börsenexperten der LRP Landesbank Rheinland-Pfalz. Die Erwartungen der Marktteilnehmer sollten im Wesentlichen erfüllt werden, während sich in die Ausblicke "der eine oder andere Mollton mischt, der auch am deutschen Aktienmarkt weitere Spuren hinterlassen könnte". In der kurzen Frist dürfte der Dax daher noch "die 5 000-Punkte-Hürde verweigern", glauben die Experten.

Eine Mehrzahl der von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Marktstrategen traut indes dem Deutschen Aktienindex in der kommenden Woche wieder das Potenzial für den erneuten Sprung über die Marke von 5 000 Punkten zu. "Das wird stark davon abhängen, inwieweit Unternehmen - die starkes Gewicht im Index haben - die Anleger überzeugen können", schränkt aber Christian Stocker von der HVB ein.

Heiße Phase der Berichtssaison

Nach dem Auftakt durch SAP am vergangenen Donnerstag startet die Herbstberichtssaison in Deutschland in der kommenden Woche in ihre heiße Phase. Gleich in der ersten von drei ereignisreichen Wochen erwarten die Anleger mit DaimlerChrysler und der Deutschen Bank zwei Paukenschläge. Nach den schwachen Ergebnissen von General Motors und Ford rechnen Analysten bei dem Stuttgarter Autobauer mit einem leichten Umsatzplus und gehen von einem gestiegenen operativen Ergebnis aus. Die Deutsche Bank dürfte nach Einschätzung von Branchenexperten ähnlich wie JP Morgan und die Citigroup von dem für die Sommermonate ungewöhnlich starken Investmentgeschäft profitiert haben.

Im Schatten der Quartalsbilanz der Deutschen Bank dürfte am Freitag der Börsengang des Hamburger Schiffsfondsspezialisten Llyod-Fonds stehen. Das Unternehmen will sich auf dem Kapitalmarkt frisches Geld besorgen um die Geschäfte auf den Markt für Immobilienfonds auszudehnen.

Gemischte Gefühle vor Schering-Zahlen

Mit gemischten Gefühlen blicken viele Investoren auf die am Montag zur Veröffentlichung anstehende Zwischenbilanz von Schering. Der Pharmakonzern dürfte zwar mit robusten Zahlen aufwarten, die sich zuletzt häufenden negativen Nachrichten zur Forschungspipeline der Berliner, trüben jedoch die Stimmung der Investoren.

Bereits am Dienstag startet die Deutsche Börse mit dem sogenannten "Entry Standard" ihre lange erwartete Plattform für den Mittelstand. Der Frankfurter Börsenbetreiber rechnet noch in diesem Jahr mit bis zu 20 Notierungen in dem neuen Segment innerhalb des Freiverkehrs. Der "Entry Standard" soll ähnlich wie der Alternative Investment Market (AIM) in London oder ähnliche Plattformen an den Regionalbörsen München und Stuttgart kleineren und mittelständischen Firmen den Zugang zum Kapitalmarkt erleichtern und gleichzeitig Finanzinvestoren eine Möglichkeit bieten, sich von ihren Beteiligungen zu trennen. Erste im "Entry Standard" notierte Aktie dürfte das Papier des Baudienstleisters Design Bau werden, der am Dienstag den Gang aufs Parkett wagen will.

Inflation bleibt auf der Agenda

Als würden die Anleger von Unternehmensseite nicht schon genug mit neuen Fakten und Zahlen versorgt, stehen in der kommenden Woche auch noch zahlreiche wichtige Konjunkturdaten auf der Agenda. Am Dienstag erhoffen sich die Börsianer vom ifo-Geschäftsklimaindex für den zu Ende gehenden Monat Oktober Aufschlüsse über die Stimmung bei den deutschen Unternehmen. An diesem Tag wird auch das Verbrauchervertrauen in den USA im Oktober veröffentlicht.

Über den Zustand der weltgrößten Volkswirtschaft informiert am Freitag die erste Schätzung des US-Bruttoinlandsprodukts im dritte Quartal. Genau achten werden die Börsianer auch in der kommenden Woche auf jede noch so kleine Veränderung in der Tonlage der Notenbanker diesseits und jenseits des Atlantiks. Während eine weitere Erhöhung der Leitzinsen in den USA bereits Anfang November an den Märkten als ausgemacht gilt, nahmen die Spekulationen auf ein Ende des Stillhaltens der EZB nach entsprechenden Äußerungen von EZB-Chefökonom Otmar Issing zum Wochenschluss wieder zu. Auch das Thema Inflation wird die Märkte weiter beschäftigen.

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