Dax-Konzerne mit rasantem KBV-Verfall
Spottbillig – und doch zu teuer?

Dax-Konzerne gibt es mittlerweile zum Niedrigpreis. Misst man sie am Eigenkapital, so kosten die 30 Konzerne im Dax nur noch rund 490 Mrd. Euro. Das entspricht nach Berechnungen des Handelsblatts lediglich dem bilanziell ausgewiesenen Buchwert der Unternehmen. Aber Vorsicht: Dieser Vorteil kann sich in Luft auflösen.

DÜSSELDORF. Die weltweite Rezession hat den Kaufpreis der deutschen Großkonzerne auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren gedrückt. Die 30 Konzerne im Dax kosten nur noch rund 490 Mrd. Euro. Das entspricht nach Berechnungen des Handelsblatts lediglich dem bilanziell ausgewiesenen Buchwert der Unternehmen. Üblicherweise billigen Anleger den Konzernen einen Börsenwert zu, der doppelt so hoch ist wie das Eigenkapital. Noch geringere Werte als jetzt gab es nur nach den Terroranschlägen auf die USA am 11. September 2001 und der Vertrauenskrise, die spektakuläre Bilanzfälschungen wie beim US-Energiekonzern Enron hervorriefen.

Ursache für das Missverhältnis zwischen Aktienkurs und Firmenwert ist der Börsenverfall - der Dax stand vor gut einem Jahr bei 8 100 Punkten und notiert jetzt unter 4 000 Punkten. Hinzu kommt, dass Anleger eine lang anhaltende Weltrezession befürchten, die den Konzernen hohe Verluste und Abschreibungen bringen würde. Die verlustreichen Banken müssen deshalb die größten Abschläge beim Buchwert hinnehmen. Dieser entspricht in etwa dem Eigenkapital.

Buchwerte spiegeln Verluste verzögert wider

Bank- und Versicherungsaktien sind allesamt weit unter ihren Buchwert gefallen. Quartal für Quartal verringern Milliardenabschreibungen das Eigenkapital der Finanzkonzerne. Das Eigenkapital der Commerzbank etwa sank zuletzt um rund 1,8 Mrd. Euro, bei der Deutschen Bank waren es sogar gut fünf Mrd. Euro. Folge: Die ausgewiesenen Buchwerte werden pulverisiert. "Der Markt antizipiert die Verluste oft sehr früh. Die Buchwerte spiegeln die Verluste dann verzögert wider", sagt der Hamburger Wirtschaftsprofessor Alexander Bassen.

Wie sehr Abschreibungen das Eigenkapital verringern können, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Als der Dax vor sieben Jahren infolge der geplatzten Technologieblase unter die Marke von 3 000 Punkten fiel, waren Deutschlands Großkonzerne schon einmal auf ihren Buchwert zurückgefallen. Anschließend sank der Dax sogar bis auf 2 200 Zähler. Dennoch stiegen die Kurs-Buchwert-Verhältnisse wieder an. Grund dafür war nicht zuletzt die Deutsche Telekom. Bei ihr verringerte sich das Eigenkapital in nur einem Jahr von 66 auf 35 Mrd. Euro. Verantwortlich waren unter anderem Wertberichtigungen auf T-Mobile in den USA und die teuer erworbenen Mobilfunklizenzen. Entsprechend verdoppelte sich bei der Telekom das Kurs-Buchwert-Verhältnis.

Selbst 2010 ist eine Erholung fraglich

Heute weist der Dax selbst ohne Banken und Versicherer ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von nur noch knapp 1,4 aus. Neben den von der Krise gebeutelten Automobilkonzernen und konjunkturanfälligen Unternehmen wie dem Stahlhersteller Thyssen-Krupp sind jetzt auch klassische, gut finanzierte Industriekonzerne für ihren bilanziell ausgewiesenen Buchwert zu haben. Dazu zählen der Chemiehersteller BASF und der Industriegasespezialist Linde. Investoren signalisieren damit nach Ansicht von Experten, dass den Konzernen ein sehr schwieriges Jahr bevorsteht - und selbst 2010 eine Erholung fraglich ist. "Es droht eine lange Phase, in der es schwierig sein wird, Eigenkapital zu bekommen", sagt Andreas Pläsier von der Hamburger Privatbank M.M. Warburg.

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